„Die Reichskristallnacht“ – Damals und heute

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Synagoge in der Reichenbachstrasse München am Morgen nach der "Reichskristallnacht". Foto Bayerische Staatsbibliothek
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Der Begriff „Kristallnacht“ sollte beseitigt werden. Dies war ein zynischer Euphemismus der Nazis. Tatsächlich wurde der Begriff von Hitlers Wirtschaftsminister Walther Funk geprägt.

Von Giulio Meotti

Die Bezeichnung bezog sich auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als Kristall-Kronleuchter, Haushaltsgegenstände und Fensterscheiben in den 1’400 Synagogen und tausenden jüdischen Häusern, Geschäften und anderen jüdischen Räumlichkeiten von den Nazis zerschlagen wurden. Mit dieser Bezeichnung sollte die Tatsache verheimlicht werden, dass alleine in dieser Nacht mindestens 90 Juden ermordet und die Tage darauf weitere 30’000 verhaftet wurden, von denen viele im Gefängnis starben.

„Nacht der verbrannten Synagogen“ charakterisiert diesen Pogrom genauer. Ein noch passenderer Name für dieses Ereignis wäre „Pogrom vom 9. und 10. November“.

Das in Brand gesetzte Grab von Joseph. Foto Israeli Military Spokesman
Das in Brand gesetzte Grab von Joseph. Foto Israeli Military Spokesman

Es gibt zwischen damals und heute viele Parallelen. Im letzten Monat zum Beispiel plünderten und verbrannten palästinensische Araber, ganz im Stil der Kristallnacht, eine Synagoge, gebaut auf dem Grab von Joseph (einer der Stammväter der Zwölf Stämme Israels) in Nablus.

In Israel sind wir in diesen Wochen Zeugen einer neuen „Kristallnacht“ geworden. Das Glas ist nicht mehr das der Berliner jüdischen Geschäfte wie vor 78 Jahren, sondern das der israelischen Autos, die im Rahmen des täglichen Terrors von Steinen und Molotow-Cocktails zerschlagen werden. Und Juden wurden, genau wie vor 78 Jahren, in Jerusalem und Hebron nur aus dem Grund getötet, weil sie Juden sind. Aber wie in dem Euphemismus „Nacht des zerbrochenen Glases“, verschwanden die von Terroristen ermordeten Juden schnell aus dem Gewissen der Öffentlichkeit.

Antisemitische Propaganda wird heute nicht mehr von einem Nazi-Minister wie Goebbels, sondern von Hamas-Terroristen, Beamten der palästinensischen Regierung und der islamischen Geistlichkeit angeheizt. Und sogar von den europäischen Zuschauern.

In  dieser Woche wurde das Gedenken an die Kristallnacht in ganz Europa dafür genutzt, das jüdische Volk und Israel zu dämonisieren. In München veranstaltete die Stadt eine Forumsdiskussion über die Boykottbewegung; in Amsterdam verglich ein arabisch-israelisches Mitglied der Knesset die ursprüngliche Kristallnacht mit der aktuellen Situation in Palästina, während in Schweden die Juden vom Gedenktag ausgeschlossen wurden. Ironisch, wenn es nicht so tragisch wäre.

Das nächste Mal wird es für diese guten Europäer leichter sein, die Ausrottung des jüdischen Volkes zu akzeptieren, da es eine nach Israel verschobene Kristallnacht sein wird.

Aber es gibt einen grossen Unterschied zwischen damals und heute: Vor 78 Jahren hatten die Juden in Europa keine Möglichkeit, sich zu verstecken; heute ist der Staat Israel der Schutz für das gesamte jüdische Volk.

Giulio Meotti, ist ein italienischer Journalist bei Il Foglio. Er ist Autor des Buches „A New Shoah“, das die persönlichen Geschichten von Terroropfern Israels recherchiert und von Encounter veröffentlicht wurde und des Buches „The Vatican Against Israel: J’accuse“, veröffentlicht von Mantua Books.