Gründe für die Gewaltwelle. Was treibt die Täter an?

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Foto Überwachungskamera Israeli Police
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Die gelehrten Analysen der Terrorwelle in Jerusalem, Israel und im besetzten Gebiet treffen allesamt nicht ins Schwarze.

Zu den Klassikern des europäischen Feuilletons gehört die „Erklärung“, dass Israels Premierminister Netanjahu, der stockende Friedensprozess und die Siedlungspolitik die Ursache für die Welle der Messerstecher-Attentate seien. Das passt jedoch nicht zu Messerangriffen von Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 16 Jahre. Die dürften kaum zu hochschwingenden politischen Analysen fähig sein.

Arm oder fanatisiert
Die Theorie, dass die Palästinenser keine „Perspektive“ hätten und wegen „Unterdrückung“, „Frustration“ oder „Armut“ losschlagen, scheitert am Profil mancher Attentäter.

Muhannad Halabi, war Jurastudent, ehe er in Jerusalems Altstadt zwei Juden ermordete. Der Vater ist Unternehmer und die Familie besitzt ein geräumiges grosses Haus.

Fadi Alloun, 19, galt als einer der bestaussehendsten jungen Männer Jerusalems. Der „Playboy“ liebte es nach Angaben seiner Familie, in die israelischen Shoppingmalls zu gehen und in Filialen von Zara, Renuar und Castro seine Kleidung zu kaufen. Mit seiner schicken Sonnenbrille und italienischer Designerkleidung war er eher einem italienischen Dressman als dem Durchschnittsterroristen ähnlich. Auch er hatte unbeschränkten Zugang zum Internet, ehe er am Damaskustor der Altstadt auf einen 15-jährigen Israeli einstach und erschossen wurde.

Schuruk Dwejat, eine 18-jährigen Studentin aus dem Jerusalemer Stadtteil Sur Baher hat an der Universität Bethlehem Geschichte und Geografie studiert. Sie ist viermal pro Woche zur Uni und zurück gefahren, ohne unterwegs jemals kontrolliert zu werden. Auf ihren Selfies in den social media zeigte sie sich als glückliche junge Frau. Am Morgen, ehe sie auf einen Israeli einstach, kündigte sie auf Facebook an, „Märtyrerin“ werden zu wollen. Ihre Mutter sollte nicht weinen, sondern Fernsehen schauen, um zu erfahren, was mit ihr passiere. Schwer verletzt wird sie jetzt auf Kosten des israelischen Steuerzahlers im Hadassah-Hospital wieder gesund gepflegt.

Der Techniker, der mit seinem Auto eine Bushaltestelle rammte und dann den Schädel eines Rabbiners mit einem Fleischermesser zerhackte, war mit einem Firmenwagen der Telefongesellschaft Bezeq unterwegs. Er hatte also ein gesichertes Einkommen bei einem grossen israelischen Arbeitgeber. Sein Nachname, Abu Jamal, und sein Heimatdorf Dschabel Mukaber sind allerdings bekannt. Seine Cousins, bei der Supermarktkette „Rami Levy“ beschäftigt, hatten im November 2014 die Synagoge im Jerusalemer Viertel Har Nof attackiert.

Auffällig ist, dass die meisten Attentäter über einen israelischen Ausweis verfügen, was ihnen Freizügigkeit im ganzen Land erlaubt.

Und Mouhand al-Okbi, 21, der Attentäter vom Busbahnhof in Beer Schewa, war Beduine aus dem Dorf Hura im Negew – also Israeli. Er hatte einen guten Job bei den Phosphatwerken am Toten Meer.

Nur im Fall des Überfalls auf die Familie Hankin, als zwei Attentäter deren Auto stoppten und dann schossen, ist die Rede von einem wohlorganisierten Anschlag, finanziert und gelenkt von der Hamas-Organisation. Der Geheimdienst konnte in dem Fall innerhalb von zwei Tagen gleich fünf Mitglieder der Zelle in Nablus verhaften, darunter den Drahtzieher.

Woher kommt der Hass?
Das ungewöhnlich junge Alter vieler Attentäter lässt den Schluss zu, dass hier die Gehirnwäsche in den arabischen Schulen wirkt. Die von der EU finanzierten Schulbücher in den palästinensischen Gebieten,sowie in Jerusalemer Schulen, lehren die Kinder einen abgrundtiefen Hass auf Juden und verleugnen die Existenz Israels.

Eine gewisse Rolle spielen auch soziale Netzwerke wie Facebook. Die Masche, ein „like“ zu erhalten, dürfte gerade Jugendliche animieren, populäre Helden zu werden und posthum noch viele „gefällt mir“ einzusammeln.

Ein bisher kaum untersuchtes Phänomen ist die Allgegenwart von Sicherheitskameras und Smartphones. Das hat zur Folge, dass viele Anschläge live gefilmt und später angeschaut werden können. Für die Attentäter bedeutet das augenblicklichen Ruhm, während andere animiert werden könnten, die Taten nachzuahmen. Die Möglichkeit, Anschläge in ihren Verlauf „mitzuerleben“ und nicht nur im Nachhinein zu sehen, wie die Opfer abtransportiert werden, ist wohl die wesentlichste „neue Qualität“ der derzeitigen Terrorwelle.

Auffällig ist auch, dass sich die palästinensische Bevölkerung weder in Israel und Jerusalem, noch im Westjordanland oder Gazastreifen, an den Vorfällen aktiv beteiligt. Im Gegenteil. Händler und sogar arabische Politiker beklagen sich über das Ausbleiben jüdischer Touristen.

Muss El Aksa gerettet werden?
Mit dem Schlachtruf „Rettet el Aksa“ behaupten die Palästinenser seit etwa einem Jahr, dass „Siedler“ ihr Heiligtum stürmen würdenת und dass Israel den „status quo“ auf dem Tempelberg/Haram A Scharif geändert habe oder ändern wolle. Präsident Mahmoud Abbas und andere palästinensischen Politiker betonen immer wieder, das sei der Hauptgrund für die Anschläge. Als „Reaktion“ auf diese vermutete Gefahr verschanzten sich mit Feuerwerkskörpern und Steinen „bewaffnete“ Jugendliche in der El Aksa Moschee, um am Ende sogar französische und japanische Touristen mit Steinen zu bewerfen… und auf dem Berg stationierte israelische Polizisten anzugreifen. Wer hier „Schuld“ trägt, und was hier ein gezieltes Anheizen der Stimmung ist, um einen „Religionskrieg“ zu provozieren, sollte man wohl den Historikern überlassen. Tatsache ist, dass seit 1967 „Ungläubige“ die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt besuchen dürfen, und dass die Moslems bis zum Jahr 2000 dafür auch Eintrittsgelder erhoben.

Kampf um das Heiligtum seit 1929
Der „Kampf um das Heiligtum“ ist seit 1929 immer wieder ein ausserordentlich wirksamer Kampfaufruf gewesen, um Moslems zu mörderischen Pogromen, erst gegen Christen und dann gegen Juden zu animieren.

Vielleicht treibt dieser Schlachtruf, auch 13-jährige „einzelne Wölfe“ zum Messer, um gegen Juden vorzugehen. Immerhin hat der 13 Jahre alte Ahmad Manasra im Hadassa-Hospital beim Verhör gestanden: „Ich war mit meinem Cousin (dem 15-jährigen Hassan) unterwegs und habe selber niemanden erstochen. Ich habe ihn sogar angefleht, es nicht zu tun. Ich wollte das alles nicht durchmachen, obgleich wir unser Haus mit der Absicht verlassen hatten, Juden abzustechen. Mein Cousin überzeugte mich, mitzukommen. Ich hatte einfach nur Angst.“ Sein Cousin wollte Juden wegen dem Verstoss gegen des „status quo“ auf El Aksa umbringen. Dennoch trug auch der 13-jährige Manasra offen sein Messer in der Hand, wie auf den Filmaufnahmen deutlich zu sehen ist.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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2 KOMMENTARE

  1. Was für eine katastrophale Erziehung zum Hass in Kindergärten und Schulen „genießen“ die arabischen Kinder, auch dank unserer Steuermilliarden, dass sie derart von der Hamas als Kanonenfutter mißbraucht werden können? Und was sind das für Eltern, die auch noch feiern, wenn wieder eines ihrer jugendlichen oder jungen erwachsenen Kinder zu Mördern geworden sind?

    Dazu fällt mir ein Ausspruch von Golda Meir aus dem Jahre 1957 vor dem National Press Club in Washington ein:

    „Frieden wird es geben, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie uns
    hassen.“

    Weder die angebliche „Besatzung“ noch die „Armut“ sind die Auslöser, sind doch Abermilliarden an Hilfsgeldern geflossen, die jedoch in den Taschen korrupter Clan-Chefs versickert sind, zum Bau immer neuer Terrortunnels oder der Beschaffung von Waffen
    zweckentfremdet wurden. Gemessen am Geld müssten die sog. Palästinenser zu den am besten ausgebildeten und erfolgreichsten Arabern im Nahen Osten gehören, doch die Realität sieht anders aus! Schuld ist nicht etwa Israel, das sich all der Todesbomber erwehren muss und dafür auch noch international verurteilt wird, schuld sind die Hassprediger und die fälschlich als „gemäßigt“ bezeichnete Politiker wie Abbas und Co., die jungen Leuten durch
    das Bild eines Großpalästinas falsche Hoffnung machen, obwohl ihre Familien völkerrechtlich vielmehr ein Rückkehrrecht in ihre wahren Heimatländer haben, aus denen ihre Väter und
    Großväter stammen, gleichwie es hierzulande deutschstämmigen Spätaussiedler aus den ehemaligen GUS-Staaten getan haben.
    Doch Israel Nachbarn halten ihre Glaubensbrüder z.B. im Libanon oder Jordanien in Lagern fest. Auch lehnte Ägypten den Gazastreifen ab, den Israel ihnen angeboten hatte. Sieht
    so Solidarität unter Arabern aus?
    Friede wird es erst geben, wenn die gefälschte Palästinensische Identität als Lüge enttarnt und ein Angebot unterbreitet wird, alle Rückkehrwilligen in ihren Herkunftsländern aufzunehmen.
    Statt mit immer mehr Geldern die Bewaffnung der Terroristen „zur Befreiung Palästinas“ voran
    zu treiben, sollten die reichen Golfstaaten, allen voran Katar und Saudi Arabien, ihre Spätaussiedler Heim holen. Alle Bleibewilligen würden die Unteilbarkeit Israels mit Jerusalem als unteilbarer Hauptstadt tatkräftig unterstützen als gleichberechtigte Staatsbürger. Doch
    da der Nahostkonflikt nicht allein ein politischer sondern ein geistlicher ist, wird der Geist des Hasses alle Friedensansätze im Keim ersticken, denn diese widersprächen dem in der Charta
    erklärten Ziel eines judenreinen Hamastan!

  2. Ich bin nicht der gläubigste Mensch.

    Für mich hat Glaube nichts mit Kirche zu tun.
    Glauben kann ich auch in meinem stillen Kämmerchen.

    aber ich kann und will nicht verstehen warum man so verbohrt sein kann,unbedingt jemanden aus dem Leben löschen zu wollen,nur weil er anders glaubt als ich .

    Ich würde mir nicht das Recht raus nehmen ,und sagen,das mein Glaube der einzige und wahre ist.

    Ich bin der Überzeugung,das es nur EINEN gibt.

    Der eine nennt ihn so ,und der andere so.

    Aber darum brauche nicht nicht Töten.
    Und schön gar keine Unschuldigen.

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