Polizeifoto vom Tatort des Angriffes auf die Kehilat Yaakov Synagoge im Jahre 2014, bei dem vier betende Juden kaltblütig ermordet wurden. Foto Israeli Police
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Letzte Woche wurden mehrere Israelis in einem Bus in Jerusalem mit Schusswaffen und Messern angegriffen. Es gab drei Tote. Viele weitere befinden sich in kritischem Zustand. Wenn solche schrecklichen Ereignisse geschehen, ist es eine natürliche Reaktion, nach dem Sinn zu suchen und zu fragen: „Warum ist das passiert?“

Von Eitan Na’eh

Meine Familie stellt sich diese Frage seit Generationen. Ich denke zurück an die Verbrennung des Wohnhauses meiner Ur-Ur-Grosseltern im Jahre 1929 während der antijüdischen Ausschreitungen in Hebron: 133 Juden wurden innerhalb einer Woche von arabischen Aufständischen getötet, als Studenten in einer Jeschiwa massakriert wurden. Diese Angriffe kamen nicht aus dem Nichts. Lokale arabische Medien veröffentlichten zu dieser Zeit anstachelnde Artikel, die gegen das Recht der Juden wüteten, an der Klagemauer in Jerusalem zu beten. Ein Flugblatt des „Ausschusses der heiligen Krieger in Palästina“ wurde unter das Volk gebracht und behauptete, dass die Juden die Ehre des Islams beschmutzt hätten. Der von der britischen Regierung unterstützte palästinensische Untersuchungsausschuss kam zu dem Schluss, dass es „keine Entschuldigung“ für die Mordserie gäbe.

Ich denke zurück an das Jahr 1936, als das Haus meiner Urgrosseltern in Jaffa von arabischen Aufständischen verbrannt wurde und sie zur Flucht nach Tel-Aviv gezwungen waren. Ich denke zurück an das Jahr 1939, als der Cousin meines Vaters im Alter von nur 8 Jahren ermordet wurde. Zalman Naeh wurde während einer Busfahrt von Tel-Aviv nach Jerusalem von arabischen Terroristen in den Bauch geschossen: Er war das letzte jüdische Opfer des Terrors im britischen Mandatsgebiet Palästina, bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach.

Warum wurde er erschossen? Was hat all diese Terrorakte ausgelöst? War es die israelische „Besatzung“ – die es zu der Zeit noch nicht gab? War es die Politik von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, obwohl er noch gar nicht geboren war? War es Frustration über den Friedensprozess?

Oder war es, weil der kleine Zalman ein Jude war und wie konnte er es nur wagen, sich in einen Bus zu setzen? Erzählen Sie mir jetzt nochmal, warum die Menschen letzte Woche in dem Bus ermordet wurden?

Der gemeinsame Faktor bei all diesen Attacken durch alle Jahrzehnte ist die Anwesenheit von Juden im Land Israel und ihr Recht auf Selbstbestimmung. Das ist die Wurzel der Morde. Doch in all den Jahren wurde dieser einfache Grund merkwürdigerweise übersehen. Sogar am 29. November 1947, am selben Tag an dem die Vereinten Nationen für einen Teilungsplan stimmten, um benachbarte jüdische und arabische Staaten im von Grossbritannien kontrollierten Palästina zu erschaffen, wurden Schüsse auf einen Krankenwagen abgefeuert, der meine Tante – eine Holocaust-Überlebende – zu der Geburt meines Cousins ins Krankenhaus transportierte. Damals wie heute scheint die pure Anwesenheit von Juden im Land Israel die Ursache für terroristische Gewalt gegen sie zu sein.

Ein Mythos hält sich ganz besonders hartnäckig: die Idee, dass die Juden versuchten den Islam und seine heiligen Stätten in Jerusalem zu untergraben. Wir hören die Lüge, dass „Al-Aqsa in Gefahr“ sei, seit den 1920er Jahren, als der palästinensische Führer Haj Amin Al-Husseini versuchte lokale Aufständische gegen die Juden aufzubringen, indem er sie zu Morden anstiftete. Husseini verteilte Broschüren, in denen stand: „Oh Araber! Vergiss nicht, dass der Jude dein schlimmster Feind ist und der Feind eurer Vorfahren war.“

Im vergangenen Monat forderte Präsident Abbas die Juden auf, mit ihren „schmutzigen Füssen“ nicht den Tempelberg zu betreten, eine erneute Anstiftung zu antijüdischer Gewalt. Doch wenn palästinensische Aktivisten diese heilige Stätte als temporärer Basis für Angriffe auf Israelis nutzen und – Steine, Feuerwerkskörper und Sprengstoff anhäufen – sind sie es, die den Platz entweihen.

Diejenigen, die heutzutage verleumderische Bemerkungen über Israel und Al-Aqsa machen, ignorieren, dass 3,5 Millionen Muslime die Stätte im vergangenen Jahr besucht haben, im Vergleich zu 200.000 Christen und nur 12.500 Juden. Tatsächlich hat Israel seit 1967 einen schwierigen Stand, als es wieder die Kontrolle über die Altstadt Jerusalems erlangte und die Verwaltung der muslimischen heiligen Stätten an die islamischen Verwalter, bekannt als Waqf, zurückgab. Israel ist entschlossen, diesen Status nicht zu ändern und hat vor kurzem Politikern jeglichen Besuch dieser Stätten untersagt, um die Spannungen zu beruhigen.

Aber letztendlich geht es hier nicht um religiöse Rechte oder um Land. Es geht um das gleiche alte Thema. Es ist das Problem, über das die Menschen am wenigsten sprechen wollen und was gleichzeitig am meisten diskutiert werden muss. Die Ausreden mögen sich mit den Jahren ändern. Aber die Wahrheit ist, dass, sei es im Jahre 1921, 1929, 1936 oder 2015, Juden nur ermordet werden, weil sie Juden sind.

Eitan Na’eh ist Chargé d’Affaires an der Botschaft Israels in Grossbritannien. Zuerst erschienen in The Telegraph

2 KOMMENTARE

  1. Mord von jeder Seite ist nicht zu akzeptieren, aus welchen Gründen auch immer. Ich verstehe nur eins nicht. Die Juden, die soviel mitgemacht haben in der Vergangenheit üben bei Vergeltungsaktionen Sippenhaft aus. Das hat mit Demokratie, Recht nicht das Geringste zu tun. Wenn ich persönlich keine Straftat begangen habe, „nur“ Sympathisant bin und dafür genauso bestraft werde wie der Täter,Mörder, brauch ich mich nicht zu wundern, wenn der Haß weiterschwelt.

    • Sie haben Recht, wenn es um „normale“ Kriegsführung geht. Wenn der Terrorist aber den eigenen Tod im Kampf gegen Juden als etwas positives sieht, wie dies bei den Terroristen in Israel der Fall ist, dann ist der Israeli vollkommen schutzlos. Die einzige Möglichkeit der Abschreckung liegt dann in der Hoffnung, dass der Mörder zumindest um seine Familie besorgt ist, und ihnen die Strafe ersparen möchte. Unsere Demokratien sind sich dieser Art von terroristischer Kriegsführung (noch) nicht gewöhnt und wir können uns daher die Hilflosigkeit angesichts solcher Verachtung gegenüber Menschenleben – dem eigenen und von anderen- gar nicht vorstellen. Insofern haben die Strafen sehr viel mit Demokratie und Recht zu tun, denn Israel schützt das Leben ALL jener, die das Leben anderer Bürger respektieren, und muss „kreative“ Lösungen finden, um Terroristen, die in Israel leben, von ihren Mordabsichten abzuschrecken. Schlussendlich entscheidet der Terrorist, was mit seiner Familie geschieht. Und übrigens: Die Familien sind nicht nur „Sympathisanten“ sondern ermutigen und fördern ihre Söhne und Töchter, Shahide zu werden. Der Hass schwelt also nicht im Nachhinein, sondern ist im Vorhinein der Motor für solche Attacken.

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