Die Israelis trinken zuhause meist „Wunderkaffee“. Der „Nes-Kaffee“ kann von Nestlé oder Osem stammen, natürlich mitsamt Koscher-Stempel eines Rabbiners. „Nes“ ist das hebräische Wort für „Wunder“. Mit dem Schweizer Hersteller Nestlé hat der Name im Wesentlichen eine etymologische Verwandtschaft.

Israels Kaffee-Kultur kennt heute natürlich all die Maschinen, Kapseln und anderen Tricks, mit denen das beliebte braune Getränk hergestellt werden kann.

Weniger bekannt ist in Europa Kaffee-Botz (Schlamm-Kaffee), der in Israel wohl populärste schwarze Kaffee. Dazu nimmt man einen halben Teelöffel „Kaffee Turki“ und schüttet kochendes Wasser, Milch und Zucker in das einfache Glas ohne Griff aus Pyrex. Das ist dickes hitzebeständiges Glas, aus dem auch ofenbeständige Schüsseln hergestellt werden. Diesen einfachen ungefilterten Kaffee kann man nicht aus einer feinen europäischen Kaffeetasse aus Porzellan trinken, denn man muss durch das Glas sehen, wie sich das Kaffeepulver am Boden gesetzt hat. Dieser „türkische Kaffee“ ist sehr fein gemahlen und fast bitter geröstet. Er wird wegen der besonderen Röstmethode so genannt. Deshalb verweigerte der Hersteller Elite dessen Umbenennung, als Israels Beziehungen mit der Türkei in Feindseligkeit ausarteten.

Aus dem „türkisch“ dunkel gerösteten Kaffeepulver kann man auch „arabischen“ oder „jemenitischen“ Kaffee brauen. Der „arabische“ Kaffee wird in winzigen Messingtöpfen dreimal aufgekocht und dann mit Zucker in kleinen Porzellantassen genossen, die wie grosse Fingerhüte aussehen. Dem „jemenitischen“ Kaffee wird noch eine Gewürzmischung aus gemahlenem Ingwer, Kardamom und Zimt beigemischt.

Touristen erhalten in den Kaffeehäusern eher den in Europa üblichen Maschinen-Kaffee, also Espresso, Cappucino oder „Kaffee Hafuch“, wörtlich: verdrehten Maschinenkaffee mit Milch.

Den in Mitteleuropa üblichen Filterkaffee kann man in Israel zwar auch finden, er ist aber längst nicht so verbreitet, wie der einfache und leicht zubereitete Schlammkaffee oder eben die italienischen Methoden, Kaffee mit der Maschine vorzubereiten.

Eine in Europa aus der Mode gekommene, aber sehr faszinierende Methode ist Kona/Cona-Kaffee. Zwei übereinander verklemmte Glaskugeln wurden auf einer Spiritusflamme erhitzt. Das Wasser stieg aus der unteren Kugel durch einen hohlen Glasstab in die obere Kugel auf, wo schon der roh gemahlene „Mokka-Kaffe“ wartete und umgerührt wurde, sowie das kochende Wasser aufgestiegen war. Durch ein Sieb floss der nun fertige Kaffee hinab in die untere Kugel. In der entsteht ein Vakuum, sowie die Spiritusflamme gelöscht ist. Dieser Hokuspokus ist faszinierend anzusehen und das Endprodukt, Mokkah, erinnert uns daran, wo früher mal der Kaffee herkam, nämlich die Gegend von Mekkah, dem heutigen Saudi Arabien und dem weiter südlich gelegenen Jemen.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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