Emir Sheikh Hamad bin Khalifa al-Thani und Ismail Haniyeh. Foto TimesofIsrael/Mohammed Salem.
Lesezeit: 5 Minuten

Frau Abbas, Frau Haniyeh und jetzt auch noch Herr Rajoub: Manche der Patienten in israelischen Krankenhäusern haben bekannte Namen. Wenn es um komplexe medizinische Eingriffe geht, kennen Palästinenserführer kein besseres Land als das, dessen Vernichtung sie propagieren.

Von Stefan Frank

Israels Krankenhäuser geniessen einen exzellenten Ruf; auch palästinensische Terroristen lassen sich gern dort behandeln. Wie die israelische Tageszeitung „Israel Hayom“ berichtet,  erholt sich Nayef Rajoub, ein führendes Mitglied der Hamas (er ist u.a. Minister für religiöse Angelegenheiten), gerade in einem Krankenhaus in Tel Aviv von einer Wirbelsäulenoperation. In der Vergangenheit, so das Blatt weiter, war Rajoub mehrmals wegen terroristischer Aktivitäten in Israel inhaftiert – was offenbar bei ihm keinen Groll hinterlassen hat. Sein Bruder Jibril Rajoub gehört der Fatah an und ist ein Mann von einiger Berühmtheit; zu Arafats Lebzeiten war er ein wichtiger Mann im Sicherheitsapparat des Terroristenführers und galt als möglicher Nachfolger Arafats. Heute ist er Mitglied im Zentralkomitee der Fatah, Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees und des Fussballverbands der Palästinensischen Autonomiebehörde. Er ist einer der Verfechter der „Anti-Normalisierungs“-Politik, die darauf ausgerichtet ist, jegliche Treffen zwischen Juden und Arabern zu unterbinden und sogar arabische Kinder davon abzuhalten, mit jüdischen Kindern Fussball zu spielen. In einem Fernsehinterview im August 2014 sagte Jibril Rajoub: „Ich sage jedem: Die Fatah hat beschlossen, dass unsere Beziehungen zu den Israelis Beziehungen zwischen Feinden sind. Es gibt keine Art von Koordination zwischen den Israelis und uns.“ Das war auch die Geisteshaltung, aus der heraus er in diesem Jahr – letztlich erfolglos – den Ausschluss Israels aus der FIFA betrieb .

Ginge es nach Jibrils Propaganda, dürfte sein Bruder sich nicht in einem israelischen Krankenhaus behandeln lassen. Daran kann man die Frage knüpfen, warum dieser, wenn es um sein eigenes Leben und seine eigene Gesundheit geht – eine Operation an der Wirbelsäule ist kein Kinderspiel –, seinen angeblichen Todfeinden, den Israelis, mehr vertraut als seinen angeblichen Freunden. Der Hamas-Mann hätte sich ja auch ein Krankenhaus im Iran, der Türkei oder in Katar aussuchen können. Das hat er aber nicht, und dafür wird er Gründe haben. Das, was die arabischen Israelhasser tun, wenn sie krank sind und Hilfe benötigen, straft ihre antiisraelische Propaganda Lügen.

Erinnert sich noch jemand an den Putsch der Hamas im Gazastreifen im Jahr 2007? Damals wurden Anhänger der Fatah im Gazastreifen gefoltert und von Hausdächern geworfen. Hunderten von jungen Palästinensern schossen die Hamas-Leute mit Maschinenpistolen die Unterschenkel und Kniescheiben ab. Viele der Opfer wurden, wie dieser kurze, vom „Time Magazine“ produzierte Film zeigt, in Israel operiert, erhielten Prothesen und lernten, wieder zu laufen und ins Leben zurückzukehren. Einer der Patienten sagt in dem Film: „Was wichtig ist, ist, dass es hier keinen Unterschied gibt zwischen Juden und Arabern.“ Ein anderer: „Ich verstehe nicht, dass der Besatzer (Israel) mir medizinische Hilfe zukommen liess, während meine eigenen Leute auf mich geschossen haben.“

Diese jungen Männer waren Kanonenfutter im Krieg zwischen Fatah und Hamas. Doch wie der Fall von Rajoub zeigt, haben auch ranghohe Mitglieder der Terrorgruppen keine Scheu davor, sich von den Juden behandeln zu lassen, deren Vernichtung sie zu ihrem Lebenszweck erkoren haben. Auch Amina Abbas, die Frau von Mahmoud Abbas, des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, der ein judenfreies Palästina will, schwört auf jüdische Ärzte. Im Juni 2014 liess sich Amina Abbas im privaten Assuta-Krankenhaus in Tel Aviv operieren, just zwei Wochen, nachdem ihr Mann die Bildung einer Einheitsregierung mit der Hamas angekündigt hatte und zur selben Zeit, als im Westjordanland die drei jüdischen Teenager entführt wurden – ein Verbrechen, das Abbas nur auf Druck von US-Aussenminister Kerry verurteilte, und selbst dann nur halbherzig.

Oder Ismail Haniyeh, der Führer der Hamas im Gazastreifen: Er preist – und organisiert – immer wieder die Tötung von Juden: „Das Gewehr ist unsere einzige Antwort auf das zionistische Regime. Wir haben verstanden, dass wir unsere Ziele nur durch Kampf und bewaffneten Widerstand erreichen können und dass mit dem Feind kein Kompromiss geschlossen werden darf.“ Zu 13.000 Kindern und Jugendlichen des Gazastreifens, die dort in Lagern zu Kämpfern ausgebildet werden, sagte er im Januar 2014: „Dies ist eine Generation, die keine Angst kennt. Es ist die Generation der Rakete, des Tunnels und der Selbstmordoperationen.“ Welchen Eindruck würde es auf die Generation der Rakete wohl machen, wenn sie wüsste, dass Haniyehs Familie sich im Krankenhaus des Feindes behandeln lässt (und dabei gerade keine Selbstmord-Operation anstrebt)? In jüngster Zeit haben u.a. Haniyehs Schwester , seine Tochter , seine Enkelin und seine Schwiegermutter medizinische Behandlung in Israel in Anspruch genommen. Niemand wird glauben, dass dies ohne Haniyehs Wissen und Zustimmung geschah.

Während selbst arabische Terroristen sich in Israel medizinisch behandeln lassen, wird Juden in den Palästinensergebieten eine ganz andere Behandlung zuteil, sie werden entführt oder ermordet. Wer glaubt, dass sich das Weltbild der Judenhasser ändert, wenn sie am eigenen Leib – oder dem ihrer nächsten Verwandten – Israels Barmherzigkeit und Nächstenliebe spüren, irrt. Die Beispiele zeigen vielmehr, dass sie von eiskaltem Egoismus getrieben sind und es für sie kein Widerspruch ist, einerseits den grössten Nutzen aus dem israelischen Gesundheitssystem zu ziehen, andererseits Israelis zu ermorden.

Besonders erschreckend ist der Fall von Wafa Samir Ibrahim al-Biss aus dem Gazastreifen. Sie hatte beim Kochen schwere Verbrennungen durch die Explosion eines Gaskanisters erlitten und wurde deshalb in einem israelischen Krankenhaus behandelt. Den Umstand, dass sie als Patientin von Gaza nach Israel ein- und ausgehen durfte, machte sich die Fatah zunutze und heuerte sie als Selbstmordbomberin an. Am 20. Juni 2005 wurde sie am Grenzübergang Erez verhaftet; sie trug zehn Kilogramm Sprengstoff an ihrem Körper. Dem Fernsehen sagte sie, dass sie den Sprengsatz in just demselben Krankenhaus – dem Soroka Medical Center in Beersheva – detonieren lassen wollte, wo sie selbst behandelt worden war.

Israelische Ärzte können vieles – doch für Antisemitismus gibt es keine erprobte und anerkannte Therapie. Alles, was Juden tun, wendet der Antisemit gegen sie. So berichtete Press TV, der Fernsehsender des iranischen Regimes, kürzlich über die Syrer, die in Israel behandelt werden, und zeigte sogar den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu am Bett eines Patienten. Doch bei Press TV bekam die Geschichte naturgemäss einen perfiden Dreh: Die Moderatorin und der von ihr befragte Korrespondent stellten die irrsinnige Behauptung auf, die verletzten Syrer seien allesamt „al-Nusra-Takfiris“. Gemeint sind die Angehörigen der islamistischen al-Nusra-Miliz, die den syrischen Präsidenten Assad bekämpfen und die als Sunniten in den Augen der radikalen Schiiten im Iran Abtrünnige (Takfiri) vom Islam sind. Für die iranische Regierungspropaganda ist die Behandlung von verletzten Syrern in israelischen Krankenhäusern somit der „Beweis“, dass Israel am Sturz Assads arbeite. Dass es Mediziner gibt, die Menschen ohne Ansehen der Herkunft, der Religion und der politischen Überzeugung pflegen, übersteigt die Vorstellungskraft der Unmenschen in Teheran. Man sollte ihnen einmal sagen, wer noch alles in den Krankenhäusern der „zionistischen Entität“ gesund gepflegt wird. Sie werden es wahrscheinlich nicht glauben. Wie könnten sie auch? Israel, so scheint es einmal mehr, ist zu gut für diese Welt.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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4 KOMMENTARE

  1. >> „Israel, so scheint es einmal mehr, ist zu gut für diese Welt.“

    Scheint so. Wenn die Isrealis auf den Jordanischen Überfall vom Westjordanland aus (in welchen Krieg war das nochmal?) genauso reagiert hätten, wie die Tschechen und Polen auf die deutschen Angriffe 1939, dann gäbe es im Westjordanland keine „Palästinenser“, sonder nur ein paar „Israelis arabischer Herkunft“ und vielleicht „Touristen aus Jordanien“, die sich mal anschauen wollen, wo ihre Eltern vor dem Krieg gelebt hatten…

    … und das Verhältnis zwischen Israelis und „Jordaniern mit palästinensischem Hintergrund“ wäre fast so enspannt wie das zwischen heutigen Tschechen und Deutschen mit Vertreibungshintergrund…

  2. Rational ist der Hass und die absolute Menschenverachtung von Personen, welche ein Attentat im sie behandelnden Krankenhaus ausführen wollen, nicht zu begreifen.
    Es wäre wünschenswert, die dargelegten Tatsachen in Mainstream-Medien zu finden, leider wird dort eher eine massive und faktenfrei Anti-Israel-Propaganda betrieben.

  3. Warum macht Israel die Behandlung von Führerenden Fatah und Hamas Leuten in Gaza nicht bekannt?

    • Anders als dargestellt ist Israel keine Besatzungsmacht in Gaza und dem Westjordanland. Es arbeiten dort zwar dutzende NGOs und dementsprechend hunderte westlicher Freiwilliger sowie Vertreter oder Arbeitnehmer sämtlicher großen Nachrichtenagenturen und -redaktionen – aber wer dort was veröffentlicht, bestimmen Hamas und Fatah. Dementsprechend ist es ein Leichtes für uns den Status der Pressefreiheit in diesen Ecken als sehr niedrig einzustufen. Wenn Israel dort etwas „veröffentlichen“ will, dann geht das nur über Flugblätter, Massenhandybenachrichtung und TV Dauerbeschallung. Diese Mittel behalten sie sich allerdings für Kriegszeiten bzw. Raketenvergeltungsschläge vor.
      Aber selbst wenn – wer würde ihnen glauben? Selbst hierzulande sind Informationen die auch nur den leisesten Verdacht erregen aus israelischen Kreisen zu kommen, und dabei ist es egal ob staatlich oder privat, vor allem mit einem verbunden: Ablehnung wegen angeblicher Befangenheit oder dem Verdacht der Täuschung. Reden Sie mal mit hier lebenden Palästinensern und sagen Ihnen, dass Israel dies und jenes vermeldete. Die Mehrheit wird sofort behaupten, es handele sich um Propaganda.
      Und unsere Medienwelt spielt da ja auch kräftig mit. Was der Memri-Verein macht steht jedem von ihnen offen: arabische, palästinensische und türkische Sendungen aufzuzeichnen und zu übersetzen. Aber die Ergebenisse wären erschreckend und völlig anders als gewünscht. Also beschuldigt man Memri einfach, von Zionisten bezahlt zu werden und ignoriert die Informationen.
      Keine Chance irgendwo Gehör zu finden.

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