Siedler versammelten sich zu interreligiöser Gebetswache

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Sheikh Ibrahim Ahmad Abu el-Hawa (Mitte), mit Rabbi Yaakov Nagen (Links) und Rabbi Benjamin Kalmanzon. Foto Nati Shohat/Flash90
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Mehr als 300 Menschen aus der Umgebung von Gush Etzion versammelten sich zu einer Gebetswache am Sonntagabend, in Gedenken der Opfer des Brandanschlages in Duma am Freitagmorgen, bei dem der 18-monatige Ali Saad Dawabsha ums Leben kam und seine Eltern und sein Bruder in kritischem Zustand zurückgelassen wurden.

„Wir sind hier, um zu beten, weil wir Menschen des Glaubens sind und wir öffnen unsere Herzen zu Gott um zu beten. Wir, als gläubige Menschen, sind optimistisch und hoffen, dass unser Glaube Wellen der Liebe erschaffen wird“, sagte einer der Organisatoren, Sarel Rosenblatt, ein Rabbiner an der Yeshiva Machanayim, neben der Gush Etzion Kreuzung, wo die Gebetswache abgehalten wurde.

Die Veranstaltung wurde für Siedler und Palästinenser abgehalten, doch nur drei Palästinenser nahmen daran teil.

Sheikh Ibrahim Ahmad Abu el-Hawa, der in einer Reihe von Projekten des Zusammenlebens beteiligt ist, lobte die hohe Beteiligung. „Gott hat uns hierher gebracht, um uns zu zeigen, dass wir alle zusammen gehören, da wir alle die Kinder Abrahams sind und somit zeigen wir der ganzen Welt, dass wir die Sache, die passiert ist, nicht gutheissen“, sagte er. „Wir sind alle Gäste auf dieser Erde und wir müssen in Liebe und Frieden leben.“

„Ein Baby zu verbrennen ist ein zutiefst bösartiger Akt“, sagte Yair Lapid (Yesh Atid Partei) dem Publikum, das weitgehend aus religiösen Siedlern bestand. „Kein Gott möchte so etwas — weder für Ali Dawabsha oder Shalhevet Pass, noch für die Dawabsha-Familie oder für die Fogels“, sagte er in Bezug auf terroristische Anschläge auf beiden Seiten.

Ziad Zabateen, ein Aktivist der Siedler/palästinensischen Koexistenz-Gruppe Roots/Judur/Shorashim, beschuldigte die israelische Regierung nicht hart genug gegen jüdische Terroristen vorzugehen.

„Wenn das ein palästinensischer Terrorist getan hätte, wäre sein Haus bereits zerstört worden“, sagte er. „Sie müssen in gleicher Weise gegen den Terror von der anderen Seite, der israelischen Seite, vorgehen.“

Viele der Redner sprachen darüber, wie wichtig es sei, einen Dialog mit den „anderen“ zu eröffnen, um persönliche Beziehungen aufzubauen und somit eine Basis-Bewegung ins Rollen zu bringen, damit Friedensverhandlungen stattfinden können.

Aber da nur drei Palästinenser anwesend waren, sagten die Organisatoren auch, dass sie einsehen, dass dies nicht die richtige Plattform war, um Palästinensern zu ermöglichen mit der israelischen Seite zu kommunizieren.

„Viele Palästinenser wollten hier sein, aber wegen der Medien hatten sie Angst, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen“, berichtete Rosenblatt nach der Veranstaltung. „Sie können nicht mit Kippa-Trägern gesehen werden, insbesondere nicht mit Siedlern. So haben wir eine Menge von stillen Verbindungen.“

Eine ähnliche Mahnwache wurde im Juni 2014 nach der Entführung von drei israelischen Jugendlichen aus der Gegend in der Nähe der Kreuzung, an der gleichen Stelle veranstaltet, bei der viele der gleichen Personen teilnahmen.

„Es gibt Treffen, aber sie finden keinen Anklang in den Medien,“ erklärte Yagel Barok, ein 23-jähriger Student an der Yeshiva Otniel, der zusammen mit 25 anderen Studenten und Absolventen an der Veranstaltung teilgenommen hat. „Aber wenn eine Sache ins Bewusstsein der Menschen gerufen wird, dann ist das der erste Schritt, der den Stein ins Rollen bringt“, sagte er.

„Das sind genau die Leute, die aufeinander treffen müssen [die Siedler und die Palästinenser], denn genau da existiert der Konflikt“, erklärte Jedidja Esh Shalom, ein Alumni der Otniel, jetzt in der Hochschule in Holon. „Dies sind schliesslich die Menschen, die zusammen leben. Sie beide kaufen im gleichen Geschäft ein, wie hier im [Supermarkt] Rami Levy. Ein einzelner Terrorist spricht nicht im Namen von uns allen.“

Rabbi Hanan Schlesinger, einer der Gründer von Roots/Judu/Shorashim, sagte, er hoffe die hohe Beteiligung an der Wache würde dazu beitragen eine Nachricht zu senden –sowohl an die israelische als auch an die palästinensische Seite. „[Die Palästinenser] verstehen die Bedeutung von dem, was wir tun, aber sie müssen auf die richtige Art und Weise handeln, weil sie sich auf dünnem Eis befinden“, erklärte er. „Sie müssen Kontakt mit radikalen Extremisten aufnehmen — damit meine ich uns — aber sie können dies nur tun, wenn sie einen Weg finden, indem sie ihre Glaubwürdigkeit in der palästinensischen Gesellschaft nicht aufs Spiel setzen. Und ich will auch nicht, dass sie ihre Glaubwürdigkeit verlieren“, fügte er hinzu.

Viele der Redner verwiesen auf die schwierigen Ereignisse des letzten Sommers, einschliesslich der Entführung der drei israelischen Jugendlichen und der Ermordung des Jugendlichen Muhammed Abu Khdeir aus Ost-Jerusalem, der zu Tode verbrannt wurde.

„Das letzte Mal, als wir hier waren, haben wir uns für die drei Jugendlichen, die entführt wurden, versammelt“, sprach Rabbanit Hadassah Froman, die Witwe des Oberrabbiners des Tekoa-Rabbi Menachem Froman. „Und jetzt sind wir wieder hier. Unsere Herzen schreien erneut. Wie kann es sein, dass wieder ein Kind zu Tode verbrannt ist? Der Tod bringt noch mehr Tod und Blut zerstört das Land unter unseren Füssen.“

Von Melanie Lidman – Times of Israel