Das ermordete palästinensiche Baby Ali Saad Dawabsha. Foto Twitter
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Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas forderte einen Tag nach dem Mord an dem Baby Ali Dawabsha im Dorf Duma eine internationale Untersuchung des Falles. Ebenso solle Israel deswegen vor den internationalen Gerichtshof gestellt werden.

Sein Argument: wenn Juden die mutmasslichen Täter seien, habe Israel kein Interesse, die Verbrechen aufzuklären, während Polizei und Geheimdienst bei Palästinensern sehr flink seien. Hierzu sei angemerkt, dass keine Polizei der Welt fähig ist, einen Mordfall innerhalb von Stunden aufzuklären, wenn der Mörder nicht auf frischer Tat ertappt wird und festgenommen werden kann. Bei mehreren palästinensischen Terrorattacken wurden die Attentäter oft vor Ort erschossen, etwa wenn nach den Überfahrattacken der Täter messerschwingend herumlief, um weitere Menschen zu töten.

Aufgeklärte Anschläge
Es stellt sich heraus, dass die jüdischen Verdächtigen nach dem Brandanschlag in der Kirche Tabgha am 18. Juni nach anderthalb Monaten, am 27. Juli, dem Richter vorgeführt wurden. Es wird geprüft, ob die gleichen Verdächtigen auch andere Anschläge verübt haben, die bisher nicht aufgeklärt werden konnten.

Die jüdischen Verdächtigen des Mordes an Muhammad Abu Khadeir in Jerusalem am 2. Juli 2014 wurden schon 4 Tage später verhaftet. Umgekehrt benötigte die Polizei ganze 5 Wochen, um die Ermordung der Vogel-Familie in der Siedlung Itamar am 12.3. 2011 aufzuklären, trotz Hausdurchsuchungen im benachbarten Dorf Awarta, wo die Täter am 17.4. 2011 verhaftet wurden.

Am 19. Juni 2015 wurde Dany Danon im Westjordanland erschossen und drei Freunde verletzt. Der Täter, Muhammad Abu Schahin von den Tanzim-Milizen der Fatahpartei wurde erst einen Monat später, am 15.7. 2015 dingfest gemacht.

Drei Jahre lang suchten Polizei und Geheimdienst nach einem als „Serienkiller“ bezeichneten jüdisch-amerikanischen Einwanderer, Jack Teitel. Ab 2006 hatte er mehrere Anschläge mit Toten auf Palästinenser, Polizisten und messianische Juden in Ariel verübt. Im Jahr 2009, konnte dieser Einzelgänger überführt und vor Gericht gestellt werden. Im April 2013 wurde er zu zweifacher lebenslänglicher Haft wegen Mord an Palästinensern und Entschädigungszahlungen an seine Opfer verurteilt.

Trotz präzedenzloser Suchaktion mit Tausenden Soldaten im ganzen Westjordanland nach der Entführung der drei Jugendlichen am 12. Juli 2014 wurden deren Leichen erst am 30. Juni entdeckt. Der Drahtzieher Hussam al Qawasme wurde am 6. August verhaftet. Die eigentlichen Entführer Marwan Qawasmeh, 29, und Amer Abu Aisha, 32, wurden erst am 23. September entdeckt. Bekanntlich hatte diese, von der Hamas finanzierte und befohlene dreifache Mordtat am Ende zum Gazakrieg vom Sommer 2014 geführt.

Schlagzeilen machte auch Asher Palmer. Am 25.9. 2011 verunglückte er tödlich mit seinem Baby Jehonathan, nachdem sein Auto nahe Hebron mit Felsbrocken beworfen worden ist. Der geständige Täter, Wael Araja, wurde erst zwei Monate später, am 22.11. 2011 gefasst.

Asher Palmer, am 25.9. 2011 mit seinem Baby Jehonathan tödlich veruglückt, nachdem sein Auto nahe Hebron mit Felsbrocken beworfen worden ist. Foto zVg
Asher Palmer, am 25.9. 2011 mit seinem Baby Jehonathan tödlich veruglückt, nachdem sein Auto nahe Hebron mit Felsbrocken beworfen worden ist. Foto zVg

Widersprüchliche Vorwürfe
Es gibt keine Regel für die Dauer von Ermittlungen. Diese kleine und sehr unvollständige Übersicht zeigt, dass Israel sich in jedem Fall um die Aufklärung von Mordtaten bemüht, und dass die Täter lebenslange Haftstrafen erhalten, wenn ihnen Mord nachgewiesen werden konnte, gleichgültig ob die Opfer Juden oder Palästinenser waren.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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