Von George Weidenfeld gerettetes syrisches christliches Ehepaar und ihre 7-Monate alte Tochter, in den Armen von Miriam Shaded Mitarbeiterin der christlichen Esther Foundation in Warschau. Foto zVg
Lesezeit: 4 Minuten

Am Vorabend der Annexion Österreichs durch Nazideutschland im Jahr 1938, floh der 19-jährige George Weidenfeld von Wien in das Vereinigte Königreich. Er begann bei der British Broadcasting Corporation zu arbeiten und wurde nach zehn Jahren Mitbegründer des Verlags Weidenfeld & Nicholson.

von Jenni Frazer, Times of Israel

Der ehemalige Flüchtling, nunmehr Lord George Weidenfeld, wird seit langem mit jüdischen und israelischen Wohltätigkeitsorganisationen in Verbindung gebracht. Da ihm jedoch von einer christliche Gruppe, den Plymouth Brethren, geholfen wurde als er zum ersten Mal nach Grossbritannien kam, sagte er, es sei an der Zeit, diese Schuld zurückzuzahlen.

Eine Teilzahlung erfolgte vor einigen Wochen in Form einer ergreifenden Rettung von 42 christlichen Familien aus Syrien, die sich jetzt sicher in Warschau befinden.

„Wir sind tief besorgt über die Lage der Christen in den konfliktzerrütteten Ländern des Nahen Ostens und wir unterstützen die Verbringung christlicher Familien an sichere Zufluchtsorte, wo sie ein normales Leben führen können“, sagte Weidenfeld sagte der Times of Israel letzte Woche.

Die Rettungsaktion wurde in Partnerschaft mit der britischen Tochterorganisation des Jüdischen Nationalfonds durchgeführt, die auf einer Vorstandssitzung kurz vor Pessach in diesem Jahr beschloss, Weidenfeld zu unterstützen.

Laut Michael Sinclair, stellvertretender Vorsitzender des JNF in Grossbritannien, war das Angebot der jüdischen Philanthropen Weidenfeld und Martin Green an den JNF zwar ungewöhnlich, aber letztlich unwiderstehlich. Martin Green leitet die Euripides-Stiftung, die für bessere Beziehungen zwischen Juden und Christen arbeitet.

„Hilfe anzubieten betrachteten wir als das Richtige“, sagte Sinclair. „Wir dachten an jene seltenen, aber besonderen Gelegenheiten, als Christen während des Zweiten Weltkriegs Juden die Hand reichten. Die Menschen erkannten, dass es eine wirklich lobenswerte Sache war.“

Die ehrenhafte Rückzahlung einer Schuld aus dem Holocaust war für Weidenfeld ein vorrangiger Beweggrund. Foto zVg
Die ehrenhafte Rückzahlung einer Schuld aus dem Holocaust war für Weidenfeld ein vorrangiger Beweggrund. Foto zVg

„In den 1930er Jahren wurde Tausenden von Juden, vor allem Frauen und Kinder, von Christen geholfen, die enorme persönliche Risiken eingingen, um sie vor dem sicheren Tod zu retten. Wir haben eine Dankesschuld „, sagte Weidenfeld.

Allerdings räumte Sinclair ein, dass es eine interne Diskussion zu der Frage gegeben hätte, ob humanitäre Rettungaktionen die richtige Art von Projekten für den JNF wären, einer Organisation, die für ihre Arbeit zur Begrünung und Entwicklung des Landes Israel und zionistische Erziehung und Interessenvertretung bekannt ist.

„Aber wir hatten das Gefühl, dass unsere Spender zustimmen würden, und wir fanden auch, dass wir nicht nein sagen konnten, nachdem wir bereits angesprochen worden waren“, sagte Sinclair. „Wir dachten daran, was wir empfunden hätten, wenn wir erfahren hätten, dass eine christliche Gruppe die Gelegenheit gehabt hätte, während des Holocaust jüdische Leben zu retten und diese Gelegenheit ausgeschlagen hätte. Also das war wirklich der überzeugendste Grund, dies zu tun. “

Die Aktion, die Christen aus ihren Häusern in einem vom islamischen Staat kontrollierten – aus Sicherheitsgründen nicht näher bezeichneten – Gebiet wegzubringen, wurde vom Barnabas Fonds koordiniert, einer internationalen Hilfsorganisation, die mit der – von ihr so genannten – „verfolgten Kirche“ arbeitet.

Unter Bedingungen von grosser Geheimhaltung wurden die 42 Familien – insgesamt 149 Menschen – von Beirut nach Warschau geflogen, wo viele von ihnen aus Angst vor Vergeltungsmassnahmen gegen noch in Syrien befindliche Angehörige darum baten, nicht identifiziert zu werden. Die polnische Regierung stellte Einreisevisa aus und die Esther Foundation, eine in Warschau ansässige Wohltätigkeitsorganisation, stellte zeitweilige Unterkünfte in Polen zur Verfügung.

Der Aktion nahestehende Quellen sagten, dass es einige Diskussionen darüber gegeben hätte, die Flüchtlinge nach Israel zu bringen, ein Plan, der aus Gründen der Sicherheit und der Gefahrenabwehr verworfen wurde.

Die Not der in den Vernichtungskrieg zwischen muslimischen Gruppierungen geratenen Christen im Nahen Osten ist von der internationalen Gemeinschaft weitgehend ignoriert worden. Der Barnabas Fonds hat mit einem „Operation Sichere Zuflucht“ genannten Rettungsplan begonnen und der separate Fonds „Sichere Zuflucht“ von Weidenfeld hat die Übernahme der Kosten dieser ersten Mission in Höhe von £ 250.000 garantiert. Der Schirmherr des Barnabas Fonds, der Marquess of Reading, Simon Isaacs, begrüsste die von jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen und Einzelpersonen im Vereinigten Königreich gespendeten Gelder.

An der Spitze dieses Projekts stand der 95-jährige Lord Weidenfeld. Weitere 200 Familien sollen in den kommenden Monaten nach Polen reisen.

„Wir werden auch weiterhin Freunde und Kontakte in Nordamerika und Israel ansprechen, um die Finanzierung künftiger Evakuierungen zu ermöglichen“, sagte Sinclair vom JNF.

Zur Intensivierung der Bemühungen steht der Barnabas Fonds bereits mit einer Zahl von anderen mittel- und osteuropäischen Regierungen in Kontakt, um ähnliche Rettungsprojekte zu diskutieren. Sir Charles Hoare, der den Barnabas Fonds bei der Evakuierung beraten hat, rief andere europäische Regierungen zur Unterstützung auf.

„Die christliche Gemeinschaft im Nahen Osten steht ihrer grössten Krise gegenüber. Die Häuser von Christen werden von diesem schrecklichen Konflikt zerstört. Sie haben keinen Ort, an den sie gehen können, wenn wir ihnen in ihrer Stunde der Not nicht unsere Türen öffnen“, sagte Hoare.