Wem darf man glauben? Der UNRWA oder dem UNRWA-Chef

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Pierre Krähenbühl. Foto: UNRWA Photo/Alaa Ghosheh
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Der Schweizer Chef der UNO-Flüchtlingshilfe Organisation für „Arabische Flüchtlinge aus Palästina“, Pierre Krähenbühl, hat mit grossen Worten vor der “tickenden Bombe für die ganze Region, wegen des Patt im israelisch-palästinensischen Konflikt“ gewarnt. Vor allem will er noch mehr Millionen für seine Flüchtlingsorganisation.

Die UNRWA steht derzeit vor einem Defizit von 100 Millionen Dollar, bei einem Budget von 650 Millionen Dollar, um etwa 5 Millionen Flüchtlinge und deren Kindeskinder in Gaza, der Westbank, Jordanien, Syrien und im Libanon zu versorgen. Wenn die Organisation das Defizit nicht decken könne, werde sie ab September ihre Programme überprüfen müssen, so Krähenbühl.

Doch Krähenbühl sagt auch: “Der Wiederaufbau von Gaza nach der jüngsten israelischen Militäroffensive im Sommer 2014 hat noch nicht begonnen… Es wurde kein einziges zerstörtes Haus wiederaufgebaut.“

Abgesehen davon, dass fraglich ist, wer jene „Offensive“ im Sommer 2014 gestartet hat, Israel oder eher die Hamas, widerspricht hier Krähenbühl einer Pressemitteilung seiner eigenen Organisation: “Als Teil ihrer Verpflichtung, den Palästina-Flüchtlingen in Gaza zu dienen, hat die UNRWA 449 neugebaute Wohnungseinheiten in Khan Younis ausgewählten Flüchtlingsfamilien übergeben.”

So steht es auf der Homepage der UNRWA in einer Mitteilung vom 3. Juni 2015. Wer lügt hier? Die UNRWA oder ihr Chef?

Unklar ist auch, wohin hunderte Tonnen Zement aus Israel in den Gazastreifen geflossen sind. Offiziell heisst es, dass die UNRWA sie verwendet für Wiederaufbau. Wenn man Krähenbühl glauben darf, würde es bedeuten, dass seine Organisation entweder den Zement verhökert, zum Beispiel an die Hamas zwecks Bau von Schmugglertunnels, oder aber eine Hand nicht weiss, was die andere tut.

Am 19. März wurde berichtet, dass mit israelischer Zustimmung 1.000 Tonnen Zement, von Qatar finanziert, in den Gazastreifen via dem Kerem Shalom Terminal transportiert worden seien. Damit sollten 1.000 Wohneinheiten errichtet werden.

Könnte es etwa sein, dass der Wiederaufbau auf vollen Touren läuft und der Chef der UNRWA nichts davon weiss, nur um in der westlichen Welt die Hand aufzuhalten. Denn bekanntlich stiften die arabischen Staaten fast nichts für das so knappe Budget der UNRWA.

Für 2014 wurden Spendengelder in Höhe von über einer Milliarde US Dollar angegeben. Davon stammten 168 Mio. Dollar von Saudi Arabien und Kuwait, während der Rest vollständig von westlichen Ländern, Japan und den USA getragen worden ist. Unklar ist hier auch, wieso es bei Spenden von über einer Milliarde Dollar nach Angaben von Krähenbühl im Haushalt der UNRWA nur 690 Millionen Dollar gibt.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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