IDF Offiziere und nepalesische Beamte bei der Abschlussfeier des Nepal Feldlazaretts. 10. Mai 2015. Foto IDF
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Für die Israelis ist es schon fast eine Tradition, nach Katastrophen in der Welt als Erste mit Rettungsmannschaften vor Ort zu sein. Nach Erdbeben in der Türkei oder Nepal, dem Tsunami in Thailand, in Haiti und anderswo „klotzten“ die Israelis mit ihren erfahrenen und gut trainierten Mannschaften.

Jederzeit abrufbereit, haben die Israelis nach Nepal gleich 260 Experten für die Suche nach Vermissten, Rettung und medizinisches Personal geflogen. Zugleich brachten sie auf dem Luftweg 95 Tonnen humanitäre und medizinische Hilfsmittel, darunter ein komplettes Feldlazarett. Elf Tage lang wurden 1.600 Patienten, Opfer der Erdbeben, mit schweren inneren Verletzungen, Knochenbrüchen und Hypothermie behandelt. Die eingeflogenen Ärzte vollbrachten 85 lebensrettende Operationen und halfen bei der Geburt von acht Babies mit sechs Kaiserschnitten und zwei natürlichen Geburten.

Zudem überwachten israelische Ingenieure die Stabilität und Instandsetzung von 332 öffentlichen Gebäuden. Psychologen leiteten Kurse für Erzieher und für die allgemeine Bevölkerung. Sogar israelische Clowns reisten mit nach Nepal. In Israel ist der Beruf medizinischer Clowns inzwischen ein wichtiger Bestandteil des Personals in den Krankenhäusern, vor allem, um Kinder aufzumuntern und ihnen so eine schnelle Genesung zu ermöglichen. Die Sprachbarriere spielte keine Rolle, wenn die Clowns mit roten Nasen und Seifenblasen kamen.

In vielen Fällen haben die Israelis auch ein ganz „egoistisches“ Interesse, möglichst schnell vor Ort zu sein. Sie suchen nach ihren vermissten Staatsangehörigen. In Nepal hatten sich zunächst mehrere Hundert israelische Touristen nicht bei der Botschaft gemeldet. Am Ende stellte sich heraus, dass nur ein einziger Israeli durch eine Lawine am Mount Everest getötet worden war.

Eine Sondergenehmigung vom israelischen Innenministerium erhielten mehrere Homosexuelle, die sich in Nepal mit Hilfe von Leihmüttern ihren Kinderwunsch erfüllten. Sie durften mit den Babies nach Israel einreisen, ohne eine komplizierte Prozedur zur Einbürgerung durchzumachen. Für die palästinensische Propaganda war das ein willkommener Anlass, Israel des „Organhandels“ zu bezichtigen.

Zu den Teams der israelischen Hilfsdienste im Ausland gehören auch immer Vertreter der Organisation Zaka. Ihr gehören ultra-orthodoxe Juden an, die sich darauf spezialisiert haben, Leichen zu identifizieren und einem gebührenden Begräbnis zuzuführen. Die menschenwürdige Behandlung von Toten spielt im Judentum eine grosse Rolle. Grundsätzlich sollte ein Toter „komplett“ begraben werden, was nach Terroranschlägen, wenn die Menschen zerfetzt und in alle Richtungen geschleudert werden, keine leichte Aufgabe ist. Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den Alpen flog ein grosses Team von Zaka dorthin, unter anderem auch, weil ein Israeli unter den Opfern war.

Die Notwendigkeit, Rettungsteams stets in Bereitschaft zu halten, wurde in Israel nach dem ersten Selbstmordattentat auf eine Kommandozentrale in Tyros, 1983, während des Libanonkrieges, bewusst. Seitdem trainiert die „Heimatfront“ der israelischen Armee Rettungseinsätze, darunter den Einsatz in eingestürzten Häusern. Dabei wurden auch viele „Patente“ erfunden, um Vermisste unter Trümmern zu finden und behutsam hervor zu holen. Das könnte in Israel eines Tages von höchster Bedeutung sein, etwa bei einem schweren Erdbeben nahe des syro-afrikanischen Grabens. In regelmässigen Abständen haben Erdbeben in Israel schwerste Zerstörungen angerichtet, zuletzt 1927, noch in der Zeit des britischen Mandates.

Am 10. Mai haben die 260 Soldaten das Feldhospital abgebaut und eingepackt, um wieder nach Israel zurückzukehren. Unter den Klängen der Nationalhymne „Hatikwa“ bedankte sich ein nepalesischer Offizier für die schnelle Hilfe der Israelis.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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