Der Palästinenser Bassem Eid nahm am letzten Donnerstag, dem israelischen Holocaust-Gedenktag, an der Gedenkfeier der Nichtregierungs-Organisation Yad Ezer l’Chaver in Haifa teil. Foto ZVg
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Von Bassem Eid

Am letzten Donnerstag, dem israelischen Holocaust-Gedenktag, nahm ich an der Gedenkfeier der Nichtregierungs-Organisation Yad Ezer l’Chaver in Haifa teil. Die Organisation hilft den unterbemittelten und zum Teil fast hungernden Menschen, darunter 100 Holocaust-Überlebenden. Dies war das erste Mal, dass ich an einer solch schmerzhaften Veranstaltung teilnahm, zusammen mit drei weiteren Palästinensern, die aus der Haupstadt des Westjordanlandes, Ramallah, kommen.

Wir beschlossen, an dieser Gedenkfeier teilzunehmen und unsere Unterstützung für Holocaust-Überlebende zu zeigen. Wir wollten damit vor allem die Botschaft übermitteln, dass ohne die Anerkennung der Leidensgeschichte einer anderen Person, wird auch das eigene Leiden nicht anerkannt werden können. Damit möchte ich keineswegs die Geschichte der Holocaust-Überlebenden mit derjenigen meines eigenen Volkes, der Palästinenser, vergleichen. Aber das Ausdrücken der Wahrnehmung und Anerkennung des Leidens des anderen ist meiner Ansicht nach ein wichtiger Schritt der Annäherung.

Es nahmen ca. 200 Gäste an der Zeremonie teil. Als die Organisatoren der Veranstaltung dem Publikum mitteilten, dass einige Palästinenser aus dem Westjordanland als Gäste teilnahmen, um ihre Solidarität auszudrücken, reagierten die Teilnehmer mit Verblüffung. 200 Paar Augen richteten sich auf uns. Ich fühlte mich geehrt, die Gelegenheit zu haben, das Mikrophon in die Hand zu nehmen und einige Worte an das Publikum richten zu dürfen.

Ich erklärte einerseits den Grund, an dieser Gedenkfeier teilzunehmen. Andererseits sprach ich darüber, dass es weltweit Menschen gibt, die den Holocaust verleugnen, doch dass dieselben Menschen unmöglich den Heroismus den anwesenden Überlebenden aberkennen könnten.

Ich beschwor die Überlebenden, dass sie das, was ihnen in der Vergangenheit angetan wurde, nicht mehr beklagen müssten, denn sie seien die Helden, und es ist die internationale Gemeinschaft , welche dem Massenmord an unschuldigen Menschen stillschweigend beigestanden hatte, welche wirklich etwas zu bedauern und zu beklagen hat.

Ich sagte weiter: “Ich verstehe Euren Ärger und die Streitigkeiten mit Eurer Regierung, welche nicht genügend unternimmt, um für Euer Wohl zu sorgen. Aber ihr könnt auch stolz sein auf Eure Regierung und Euren Staat, der ausser Euch weitere 1,8 Millionen Palästinenser im Gazastreifen ernährt. Der Staat Israel liefert Nahrung, Medikamente und Treibstoff, während 22 arabische Führer, die nichts zur Hilfe unternehmen, auf den Dächern ihrer Häuser stehen und zusehen, wie die israelischen Lastwagen Hilfsgüter nach Gaza transportieren. Ihr Israelis, ernährt uns Palästinenser und es ist Euch zu verdanken, dass wir überhaupt überleben.

Aus diesen Gründen solltet Ihr stolz auf Eure Regierung und Euer Land sein. Ihr dürft Euch als Staats-Aufbauer betrachten, und nicht als Staats-Zerstörer, wie die Palästinenser. “

Ich zitierte dem Publikum einen Satz aus dem Koran, welcher die meisten Zuhörer erstaunte. Der Satz im Koran lautet: “Ihr Kinder Israel! Gedenkt meiner Gnade, die ich euch erwiesen habe, und (denket daran), dass ich euch vor den Menschen aller Welt (al-`aalamuun) ausgezeichnet habe!( Koran 2:47 und 2:122)”.

Wenn G”tt Euch als bevorzugte Nation betrachtet, müsst Ihr wissen, welch Glück das ist!“

Ich beendete mit diesen Worten und sah in viele vor Tränen glänzenden Augen. Obwohl es an solchen Zeremonien nicht üblich ist zu klatschen, erhielt ich am Ende meiner Ansprache einen herzlichen Applaus. Menschen kamen auf mich zu, umarmten mich und weinten. Sie sagten mir, meine Worte hätten sie zu tiefst berührt.

Auch für mich war dies ein sehr bewegender Tag.

Der Autor ist ein palästinensischer Menchenrechtsaktivist, politischer Analyst und ein Kommentator über Interne Palästinensische Politik.