ZAKA Mitglieder beim Briefing kurz vor dem Abflug. Foto ZAKA
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Eine achtköpfige Delegation der ultraorthodoxen „Zaka-Organisation“ wird am Montag nach Frankreich fliegen, um sich den Rettungsmannschaften an dem Berg anzuschliessen, wo die Maschine von Germanwings abgestürzt ist.

Zaka hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch die letzten Leichenteile nach Unfällen, Terroranschlägen oder Katastrophen einzusammeln. Diese frommen Männer haben viele grausige Erfahrungen während der Zweiten Intifada gesammelt, als alle paar Tage in Israel Linienbusse in die Luft geflogen sind. Durch die Wucht der Explosion werden Leichtenteile in alle Richtungen verstreut. Alles wird geborgen und den jeweiligen Toten zugeordnet.

Längst hat sich Zaka zu einer der effektivsten Lebenretter-Organisationen Israels entwickelt. Ausgerüstet mit modernster Kommunikationstechnologie sind die Männer auf ihren Motorrädern oft als Erste zur Stelle nach Autounfällen oder Terroranschlägen. In einem Kasten auf dem Rücksitz ihrer Motorräder führen sie Erste-Hilfe-Sets mit, um lebensrettend zu wirken, bis Ambulanzen eintreffen. Dann erst widmen sie sich den Toten.

Das Judentum schreibt vor, dass ein Toter „komplett“ begraben werden müsse, weil ihm sonst die „Auferstehung der Toten“ misslingen könnte. Dieser Glaube stärkt die Männer, mitunter schreckliche Anblicke auszuhalten.

Die Volontäre bei Zaka sind ausschliesslich Ehemänner und benötigen das Einverständnis ihrer Frauen. Sie werden erst nach einem intensiven Spezialtraining eingesetzt. Denn wenn einer keinen Rückhalt seiner Familie hat, könne er diese Arbeit seelisch nicht durchhalten.

Dank ihrer grossen Erfahrung im Umgang mit Toten und deren Identifizierung wurden Zaka-Experten inzwischen in aller Welt eingesetzt, nach dem Tsunami in Ostasien, nach Erdbeben in Südamerika und in der Türkei sowie nach Terroranschlägen in Europa.

Unmittelbar nach dem Absturz der Germanwings hatte Zaka auch wieder Hilfe angeboten, zumal sich ein Israeli, Eyal Baum, an Bord der Maschine befand. In einer Pressemitteilung des Ministerpräsidentenamtes hiess es, dass ihm ein „jüdisches Begräbnis“ gebühre. Und dafür müssen selbst kleinste sterbliche Überreste eingesammelt werden.

Weiter hiess es, dass die Zaka-Delegation unter der Leitung von Mati Goldstein und dem Chef der Zaka-Abteilung für internationale Rettungseinsätze, Chaim Weingarten, ihre Expertise mit anderen Rettungsmannschaften an dem Berg in den Alpen teilen wollten.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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