Dabiq Cover. Foto Facebook
Dabiq Cover. Foto Facebook
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Al-Qaida ist wie AOL. Der Islamische Staat ist Google. So erklärt ein Experte, warum abtrünnig Al-Qaida Mitglieder zu zum Islamischen Staat IS abwandern und Tausende Jihadisten aus dem Westen in Scharen ihm zulaufen und sich einer Organisation anschliessen, die vom bekannten Al-Qaida Anführer Ayman al-Zawahiri bekanntermassen als zu extrem desavouiert wurde.

„Beinahe in jeder Hinsicht versucht IS sich davon zu distanzieren, mit Al-Qaida auf eine Stufe gestellt zu werden“, sagte mir Colin Clarke von RAND Corporation in einem Telefongespräch. „Stell dir vor, dass Google oder Apple sein wollen…Al-Qaida ist gegenwärtig via AOL E-Mail.“

Wie hat IS die Al-Qaida als DIE Organisation für junge Jihadisten ersetzt?

Die IS-Taktik umfasst alle Medien, mit eigens dafür erstellten Twitter Accounts und YouTube Kanälen, einschliesslich solchen, die die entsetzliche – und gekonnt gefilmte – Exekution des Fotojournalisten James Foley letzte Woche zeigen. Doch das englischsprachige ISI-Magazin Dabiq bietet sich als nützliche Studie seiner PR Strategie an, besonders im Vergleich zum englischsprachigen Magazin Inspire von Al-Qaida.

„Dabiq ist ein viel umfangreicherer Versuch als Inspire, Personen aus dem Westen zu rekrutieren“, sagte Clarke. „Es bietet alles aus einer Hand zum Islamischen Staat.“

„Dabiq“ bezieht sich auf eine kleine Stadt nahe Aleppo, wo der Prophet Mohammed vorhersagte, dass Muslime und der Westen vor der Apokalypse zusammenprallen würden. Folglich konzentriert sich der grösste Teil des Inhalts von Dabiq auf die kommende Apokalypse, während es dieselben Maschen verwendet, die man von einem amerikanischen Magazin erwarten würde.

Ein Beispiel ist zweite Ausgabe mit dem Titel „Die Flut“. Das Coverbild ist eine schnittige Interpretation der Arche Noah und in seinem Artikel “Entweder der Islamische Staat oder die Flut” behauptet Abū ‘Amr Al-Kinānī, dass das Kalifat die „Arche“ sei, während die restliche Welt bald davongeschwemmt werde. Er schreibt, dass „wir vollends bereits sind, von Angesicht zu Angesicht mit jedem zu stehen, der uns von unserer bindenden Verpflichtung abbringen will, die Religion Allahs über alle anderen Religion siegreich zu machen und wir werden weiter jene bekämpfen, die abgekommen und fehlgeleitet sind, bis wir beim Versuch sterben, die Religion siegreich zu machen.“

Al-Qaida verkauft nicht die gleiche Vision. Artikel in deren Magazin Inspire reichen von Anleitungen („Wie man eine Bombe in Mutters Küche baut“) zu Q&A mit bekannten Al-Qaida Mitgliedern und Denunzierung der westlichen Kultur, aber sie fordern keine Gründung eines islamischen Staates oder die Eliminierung der anderen Religionen.

„Inspire dient mehr als ein Handbuch für individuelle Angriffe als zur Artikulierung einer gesamt religiösen, militärischen und politischen Vision“, schreibt Harleen Gambhir in einem Bericht für das Institute for the Study of War. Darüber hinaus fehlt es Inspire an den schnittigen Produktionswerten und religiösen Rechtfertigungen wie Dabiq. „Was man bei Dabiq sieht, ist die Kombination aus islamisch theologischer Legitimationen und Erfolgen auf dem Schlachtfeld“, merkt Clarke an. „ISIS achtet sehr sorgsam darauf, dass all ihre Taten durch religiöse Rechtfertigung unterstützt wird. Das ist ein Gebiet, auf dem Al-Qaida mit der Zeit nachgelassen hat.“

Auf besonders schreckliche Art dokumentiert Dabiq wie weit der Islamische Staat zu gehen bereit ist, um seine Ziele zu erreichen. Die Seiten des Magazins sind übersät von Bildern verstümmelter Leichen von „Ungläubigen“, während die erste Ausgabe „Die Rückkehr des Kalifats“ ein mit Photoshop bearbeitetes Bild von westlichen Truppen zeigt, die in Flammen versinken.

Ben Connable, ehemaliger Leiter des cultural intelligence program des US Marine Corps und leitender Analyst bei der RAND Corporation, merkte, dass der Islamische Staat verglichen mit “Al-Qaida, [die] durch Statement gegen willkürlichen Bombenanschläge und Angriffe auf gewisse Art und Weise zögerlich war ,weniger restriktiv und weitaus gewalttätiger und bereit ist, beinahe alles zu tun, um seine Ziele zu erreichen. Dieses zügellose Verhalten generiert eine gewisse Begeisterung.“

Originalversion: ISIS’s New Mag Looks Like a New York Glossy—With Pictures of Mutilated Bodies by Josh Kovensky © The New Republic, August 25, 2014.