"Demonstration für Gaza" greift GegendemonstrantInnen in Göttinger Fussgängerzone an, Foto: Blog monstersofgoe

Als Israel-Korrespondent mitten im Krieg zur Vortragsreise nach Deutschland zu fliegen, ist ein zweifelhaftes Vergnügen. Raketenalarm während des obligatorischen Besuchs im Duty -Free- Shop. Überall Hinweisschilder zu den Luftschutzkellen – doch  weder Sirenen noch Panik. Nur die Kassiererinnen tuscheln wütend, niemand hätte ihnen etwas gesagt. Wieso dann  das Flugzeug über eine Stunde auf der Rollbahn stand und mit zwei Stunden Verspätung abflog, bleibt ein Geheimnis des Piloten.

Bei der Landung der El Al in München  das übliche Empfangszeremoniell mit Panzerwagen und  breitbeinigen deutschen Beamten mit Maschinengewehr. So wurde man gleich daran erinnert, dass Israel der Aggressor im Nahen Osten ist, denn Passagiermaschinen aus arabischen Ländern bedürfen keines  bewaffneten Begleitschutzes.

Auf dem Schlossplatz in Stuttgart bildeten zwei Dutzend Polizisten eine menschliche „Mauer“ zwischen grölenden pro-palästinensischen Demonstranten und Teilnehmern  einer pro-israelischen Kundgebung, durchweg fortgeschrittenen Alters. Ein dunkelhäutiger Deutscher – offenbar mit „Migrationshintergrund“ – lief an den Polizisten vorbei, und rief laut: „Scheiss Juden“. Was einst als politischer Protest gegen israelische Politik dargestellt worden ist, entlarvt sich als rohen Antisemitismus und Volksverhetzung.

Mit Polizeibegleitung ging es dann zum katholischen Bildungswerk, da  es „zu gefährlich“ sei, ohne uniformierten Schutz zum Vortragsort zu gehen.

Kriegszustand auch auf deutschen Bahnhöfen. Zwei junge Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission fragten, wem der grosse rote Koffer gehöre. Wir standen drei Meter davon entfernt im Rauchereck. „Wenn Sie sich nicht gemeldet hätten, wäre der ganze Bahnhof von der Bundespolizei geräumt worden.“  Man sei in Deutschland „hysterisch“, weil ja in dem Koffer auch eine Bombe stecken könnte. Wir fragten naiv, wer denn in Deutschland derartiges tun könnte. „Keine Ahnung.“ Die glückseligen friedliebenden Deutschen kennen kein Feindbild, ausser vielleicht den Juden, „weil die doch den Jesus ans Kreuz genagelt haben“, wie eine ältere Frau im ehemals sozialistischen „Ossie-Land“ von ihrer „tiefbraunen“ Oma gelernt hätte, die in der Nazizeit und danach gemeint habe „weg mit den Juden“. Jetzt, so die Frau, sei sie voll solidarisch mit Israel, „weil doch Jesus Jude war“.

In Ulm stand Polizei vor der Synagoge. Das Publikum wurde in kleinen Gruppen durch eine Schleuse aus Panzerglastüren eingelassen, um dem Vortrag zur aktuellen Lage in Israel zu lauschen. Jeder musste seinen Ausweis vorzeigen.

Eine junge Frau fragte, wieso denn die Israelis ständig vom Holocaust reden, obgleich das doch längst „Geschichte“ sei und „wir junge Deutsche gar keine Erinnerung daran haben“. Dass Kinder von Juden aus Europa, die den Holocaust überlebt haben, keine Vorfahren, Tanten oder Onkels kennen, weil vielleicht nur der Grossvater übrig geblieben ist, konnte sich die junge Frau kaum vorstellen. Unbekannt war ihr auch, dass alle orientalischen Juden irgendwann vor 60 Jahren aus allen arabischen Ländern mit Gewalt vertrieben worden sind. Sogar die äthiopischen Juden hatten um 1990 ihren eigenen „Holocaust“ mit 6.000 Toten in der Wüste des Sudan auf der Flucht nach Israel erlebt. Und die Vernichtungsdrohungen der Hamas, der Araber, des Iran, die Juden ins Meer treiben oder einfach nur so abzuschlachten, „war mir nicht bewusst“, gestand sie.

Manche haben Fragen und wollen tatsächlich eine Antwort hören. Andere staunen, wenn sie erfahren, dass es neben der „Zwei-Staatenlösung“ noch viele Alternativen gibt, die ebenso viele Schwachpunkte haben und derzeit genauso unrealistisch sind.

In Ludwigslust bei Schwerin lachte das Publikum schallend, als wir ihnen schmunzelnd erklärten, dass die Mauer damals in Berlin das einzige Problem auf dem Weg zum Frieden in Europa war, genauso wie die israelische Mauer heute  „mitten in Palästina“.

Wie unsinnig es ist, ein globales Problem wie Ost-West, Kalter Krieg, Teilung und Besatzung Deutschlands, zwei Gesellschaftssysteme und vieles mehr auf ein winzigen Nebenaspekt wie etwa die „Mauer“ zu reduzieren war den „Ossis“ sofort eingängig.

Nicht jeder Besucher eines Israel-Vortrags ist so schnell lernfähig. „Ich war schon in Palästina und kenne die Fakten“, meint einer und rattert dann wie aus der Maschinenpistole auf einen Schlag 10 Fragen runter. Bei der Bitte, während einer Sprechpause, doch noch einmal seine erste Frage zu wiederholen, um sie  beantworten zu können, kommen nach einem schroffen „Unterbrechen Sie mich nicht“ noch weitere zehn Anklagepunkte gegen die Juden, „die das Geld in aller Welt beherrschen“, den „Palästinensern durch die Errichtung Tausender neuer Siedlungen das Land rauben“ und vieles mehr. Erst nach dem Vortrag beruhigt sich der Mann und erfährt ganz erstaunt, dass im Lehrplan der vom „Berliner Missionswerk“ finanzierten Talita Kumi Schule im palästinensischen Beth Jalla bei Bethlehem die Schüler schlicht deshalb keine „Perspektive für ein  Studium an einer israelischen Universität“ haben, weil Hebräischkurse weder angeboten werden noch vorgesehen sind . Und dass ein Schüler dieser deutschen Eliteschule in „Palästina“ sich sogar mal als Selbstmordattentäter in Jerusalem gesprengt hat, „das hat uns der Direktor der Schule nicht erzählt“. Am Ende war der Herr so weit überzeugt, dass er in der Kneipe sogar das Bier spendierte.

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6 KOMMENTARE

  1. Zwischen freier Meinungsäusserung und Agitation & Propaganda gibt es doch einen Unterschied? Ich übe mein Recht auf freie Meinungsäusserung aus und richte keinen Schaden an, weder politischen noch physischen. Als Jude, Israeli und Zionist informiere ich über die infamen und schamlosen Aktivitäten der jüdischen und israelischen pro-palästinensischen Lobby und warne vor diesen Personen und ihren üblen Machenschaften, die unsere Demokratie, Regierung, Armee und Bevölkerung in Israel verleumden.
    Diese jüdische Lobby richtet unglaublichen politischen Schaden an, nicht genug dass sie BDS unterstützen, sie verderben unsere Jugend. Wer diese Leute sind, steht in meinem Kommentar oben und in meiner Webseite. Dazu stehe ich und bin stolz darauf.
    Nehmen Sie sich bitte diese Worte zu Herzen:
    Zionism is the Jewish national liberation movement, and Israel is the national home of the Jewish people. To be an anti-Zionist is to reject the right of the Jewish people to freedom. To be anti-Israel is to be anti-Jewish. And a Jewish group cannot support an anti-Jewish group without losing its meaning, and betraying the Jewish people.
    Caroline Glick, http://carolineglick.com/

  2. Ich denke, dass die Zeichen an der Wand klar zeigen, was in Sachen "Israelkritik" momentan abrollt: Die beissende Israelkritik ist in den meisten Fällen alles andere, als sachliche Israelkritik! All die Gaza-Demos beweisen nun klar und deutlich, dass der "Judenhass" dieses Israelbashing alimentiert! Man kann von altem Wein in neuen Schläuchen sprechen! Dass dieser heute ausgelebte "Judenhass" eine unheilsame Koalition von links-extremen mit fanatisch ilsamischen Gruppierungen ist, scheint eigentlich klar zu sein. Dass von offizieller jüdischer Seite dieser islamische Judenhass nach wie vor nicht angesprochen wird, ist eine peinliche Tatsache!

    Dass wir auf der jüdischen Seite durch all die Jahrhunderte hindurch aber auch "Nestbeschmutzer" erlebten, ist auch eine Tatsache! Dass es diese Nestbeschmutzer – früher und heute – gibt, soll aber nicht verallgemeinernd behauptet werden! Viele jüdische Menschen, die innerhalb und ausserhalb Israel die aktuelle Politik kritisieren, gehören nicht in dieses Segment, sondern engagieren sich mit vollem Herzen für ihre Meinungen und machen sich auch ehrlich Sorgen darüber! Es spricht zudem auch für die israelische Demokratie, aber auch das jüdische Selbstverständnis, dass eine freie Meinungsäusserung eben möglich ist! Man stelle sich vor, das gleiche geschähe auf der arabisch-islamischen Seite: solche Leute würden ihre "selbstkritischen" Aussagen nicht lange überleben!

  3. Scheissjuden sind die Organisatoren, Agitatoren und Führer der infamen JVJP.CH kaum. Obwohl sie nichts mit Judentum, Israel oder gar Zionismus zu tun haben, bezeichnen sie sich als „jüdisch“. Ich empfinde das als schamlos und empörend.

    Das Spammerteam dieser pro-palästinensischen Lobby hat in ihren Newsletters 80, 81 und 82 mit ihren verlogenen Verlautbarungen Israel erneut verleumdet, dämonisiert und delegitimiert. Ganz im Sinne ihrer islamischen Obrigkeiten, den Terrororganisationen der arabischen Palästinenser, der Hamas, PLO, Fatah und islamischer Dschihad. Ihre anti-israelische Propaganda macht nicht vor Israel halt, sie ist auch gegen unser Judentum gerichtet, mit dem sie nichts zu tun haben. Mit ihrer AgitProp machen sie sich mitschuldig am erneut erwachenden Judenhass.

    All diese Personen und ihre Führer müssen an den Pranger gestellt und geächtet werden. Das gilt auch für den globalen NIF und dessen AgitProp-Arm Shatil, JStreet, Btselem RHR und JVP.

    Gerne empfehle ich folgende Webseiten: http://www.financingtheflames.com http://www.en.imti.org.il

  4. Zwei Semitische Völker führen Krieg – beide von National – Religiösen Kräften dazu gezwungen. Beide Seiten setzen dabei auf Terror. Zuviele Unschuldige sterben dabei, Frauen und Kinder, Leute die einfach nur leben möchten. "Recht" haben beide Seiten – nur hilft das grässlich wenig. Natürlich hat Israel ein Recht auf Sicherheit. Natürlich haben Palästinenser ein Recht auf Selbstbestimmung (und Sicherheit) (und Land). Nur Sind die Mittel, die beide Seiten dabei anwenden denkbar ungeeignet das zu erreichen.
    Ein radikaler Schnitt ist gefragt um einen – mittlerweile 4000 Jahre alten Krieg um dieses wunderschöne Land zu beenden. Mahatma Gandhi, Yzak Rabin, Anwarb as- Sadat, Nelson Mandela, bitte kommt zurück, wir brauchen euch. Zeitungsberichte – auch wenn sie nicht gefallen – töten nicht.

    • Wie kommen Sie denn auf einen solchen Unsinn, als ob in Israel Nationalreligiöse zum Krieg gegen die Hamas gedrängt hätten?
      Israel hat in der neuen Auseinandersetgung monatelang still gehalten, die weitere Traumatisierung von Juden und Arabern (dort wohnen auch Araber, die betroffen sind!!!) ohne größere Abwehr hingenommen. Sie würden offensichtlich gerne moantelang im Bunker sitzen bleiben,bis die Raketen alle abgeschossen sind,oder??
      Es macht sich so gut aus europäischer Sicht in der Tradition der Täter, Juden, die sich wehren, zu Tätern werden zu lassen und der anderen Seite Opferstatus zuzuschreiben. Das ist gut für die seelische Hygiene der Täternachfolger!

      Welcher europäischer Hochmut spricht aus der vorgetragenen Position, wir wissen es besser…! Nicht mal den 11. September haben die Deutschen verhindern können, trotzdem ist die Selbstgerechtigkeit ungebrochen.

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