Joel C. Hunter im Gespräch mit dem Gouverneur von Isfahan. Foto The Clarion Project)
Joel C. Hunter im Gespräch mit dem Gouverneur von Isfahan. Foto The Clarion Project
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Seit den Nuklearverhandlungen in Genf gibt es viele Spekulationen über eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran. Eine solche wäre insbesondere für die Golfstaaten und den US-Verbündeten Saudi-Arabien ein Albtraum-Szenario, denn dies würde die Position von Teheran massiv stärken und zu verstärkten Unruhen unter den schiitischen Minderheiten in den Ländern mit Sunni-Mehrheit führen. Unruhen, die der Iran in Bahrain beispielsweise bereits erfolgreich anstachelt. Es gibt tatsächlich Indizien, die auf eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran hinweisen: Im November 2013 soll es in London zu indirekten Gesprächen zwischen den USA und dem wichtigsten Verbündeten des Iran, der Hisbollah, gekommen sein. Das Thema: Die Bekämpfung von Al-Qaida und die regionale Stabilität.

Wie absurd die Idee einer Anti-Terror-Kooperation mit ausgerechnet jenem Staat, der sich seit Jahrzehnten auch sunnitischer Terrororganisationen bedient, sie finanzierte und ausbildete, auch klingen mag: Eine Annäherung, insbesondere nach einem möglichen Abkommen zum iranischen Atomprogramm, scheint derzeit nicht unrealistisch. Die USA unter Obama sind offenbar mehr als bereit, ihren Status als regionale Ordnungsmacht und damit die Verantwortung für das Chaos vor Ort abzutreten.

Insofern ist der Zeitpunkt der Reise in den Iran eines „spirituellen Beraters“ von Barack Obama, Joel C. Hunter, ein interessanter Zufall. Hunter nahm im Iran an einer Konferenz mit dem Titel „World Free of Violence and Extremism from the Perspective of Abrahamic Religions“ teil. Er traf sich unter anderem mit dem Sprecher des iranischen Parlaments, Beratern von Ali Khamenei, sowie Klerikern in Qom, der heiligen Stadt mit dem Fatima-Schrein und dem Zentrum des schiitischen Klerus. In den Gesprächen sei es um religiösen Extremismus und Gewalt, sowie um einen auf Glauben basierenden Weg zum Frieden gegangen.

Heikle Fragen zu der Unterdrückung religiöser Minderheiten wurden offenbar möglichst vermieden, beziehungsweise wurde möglichst unspezifisch „gemeinsam diskutiert, wie man ein besseres Umfeld schaffen könnte.“ Das erscheint insofern bemerkenswert, als dass Hunter vor zwei Jahren kein Problem damit hatte, an einer Konferenz zu partizipieren, bei der die „israelische Apartheidmauer“ kritisiert und Israel für die schrumpfende Anzahl palästinensischer Christen verantwortlich gemacht wurde. Es scheint im Westen mittlerweile ausgemachte Sache zu sein, dass je schärfer Israel kritisiert wird, desto nachsichtiger Kritik am Iran (wenn überhaupt) zu erfolgen habe.

Während also Joel C. Hunter es tunlichst vermied, seine Gastgeber „zu konfrontieren“, wurden im Iran Menschen wegen „Facebook-Aktivitäten“ gefoltert und zu Gefängnis verurteilt. Die englisch-iranische Doppelbürgerin Roya Nobakht wird beispielsweise für 20 Jahre inhaftiert, weil sie während ihrem dreiwöchigen Urlaub im Iran den Kommentar veröffentlichte, die Regierung sei zu islamisch. Auf die Solidarität all jener, die beim Thema NSA laut aufschreien, aber niemals ein Wort über systematische Überwachung und Drangsalierung der Bevölkerung in Russland, Iran oder gar Nordkorea verlieren würden, wird sie noch lange warten.

Am 1. Juni wurde Gholam-Reza Khoshravi als „Feind des Islam“ hingerichtet, weil er einer oppositionellen Fernsehstation umgerechnet ca. 500 CHF überwiesen hatte. Hingerichtet werden in der Islamischen Republik Iran durchschnittlich 17 Menschen pro Woche.

Die Baha’is im Iran werden massiv unterdrückt, Apostaten vom Islam müssen schlimmstenfalls mit dem Tod, zumindest aber mit langer Inhaftierung rechnen und Sufi-Mystiker werden verfolgt und verhaftet. Während also Joel C. Hunter glaubt, dass nur der religiöse Dialog zwischen religiösen Führern Gewalt und religiösem Extremismus Einhalt gebieten könne, werden zeitgleich zu jener Konferenz religiöse Minderheiten im Iran verfolgt und drangsalisiert. Denn es sind eben gerade die religiösen Führer im Iran, auf deren Geheiss mit Gewalt und Unterdrückung gegen religiöse Minoritäten vorgegangen wird.

Geht es um den Iran, so scheint im Westen das Bedürfnis vorzuherrschen, die Augen vor offenkundigen Tatsachen zu verschliessen. Während religiöse Minderheiten, politische Oppositionelle, Homosexuelle etc. brutal verfolgt, inhaftiert und hingerichtet, feiern die Mullahs dank den Aufwartungen wohlmeinender Westler einen Propaganda-Coup nach dem anderen.

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