Lesezeit: 5 Minuten

Die Korrespondentin der NZZ in Jerusalem, Monika Bolliger, hat sich den Luxus erlaubt, ein „schickes Hotelzimmer mit Meerblick in Gaza“ zu beziehen, um von dort aus die Wassernot im Gazastreifen zu erkunden.

Korrekt beschreibt sie den haarsträubenden Mangel an Trinkwasser in dem Küstenstreifen mit 1,7 Millionen Einwohnern infolge von Auspumpen des Grundwassers und dessen Verseuchung mit nachfliessendem Meerwasser einerseits sowie durch Verschmutzung mit ungeklärtem Abwasser.

Doch sowie sie auf die Ursachen dieser Misere kommt, ist Bolliger auf einem Auge blind. Mit ihrem sehenden Auge gibt es für sie nur Israel als Übeltäter. Sie verwickelt sich in ihrem Artikel in Widersprüche und Ungenauigkeiten, die selbst ein aufmerksamer Leser ausmachen kann, der nie in Gaza war und von Wasser nichts versteht.

Im Infokasten unter ihrem Artikel schreibt sie: „Israel hat nach dem Sechstagekrieg von 1967 zügig die Wasserressourcen der neu besetzten Gebiete unter seine Kontrolle gebracht.“ Das klingt wie eine Anklage, ist aber eine Selbstverständlichkeit. Ein Besatzer muss sich um das Wohl der Bevölkerung kümmern, zumal die bisherigen Verantwortlichen, Ägypten in Gaza und Jordanien im Westjordanland als Verwalter infolge des Krieges verschwunden waren. „Palästinenser“ gab es 1967 noch nicht und gewiss keine palästinensische Verwaltung. Derartiges hätten weder Jordanien noch Ägypten zugelassen. Also mussten die Israelis nach dem Krieg als Verwalter nicht nur für eine funktionierende Wasserwirtschaft anstelle von Ägypten und Jordanien einspringen, sondern auch für alle anderen Lebensbereiche wie Erziehung, ärztliche Versorgung und Strom. Erst 27 Jahre danach hatten sich Israel und die PLO, als Repräsentantin des palästinensischen Volkes, gegenseitig anerkannt. Im Rahmen der Osloer Verträge hat Israel den Palästinensern auch zu Wasserfragen die Selbstverwaltung abgetreten.

Bolliger hat offenbar die Prinzipienerklärung vom 13. September 1993 und die nachfolgenden Abkommen nie gelesen. In den Paragrafen zur Wasserverteilung wird jedes Mal auch der Gazastreifen erwähnt. Bolligers saloppe Behauptung, „da der Gazastreifen stromabwärts von Israel liegt, war dies aus israelischer Sicht nicht wichtig“, entspricht weder den Abkommen noch der Wirklichkeit. Bis ins letzte Detail sind im §40 von „Oslo II“ die Aufgabenaufteilung, Wassermengen, Abwasser und andere Themen auch für den Gazastreifen aufgelistet. Was Bolliger in ihrer Reportage beschreibt, darunter ein verantwortungsloses und unkontrolliertes Abpumpen des Grundwassers in dem von der Hamas regierten Gazastreifen, hätte sie als offenen Verstoss gegen alle Abmachungen und schlimmer noch, als Verstoss gegen jegliche Vernunft darstellen müssen. Mit geschickten Formulierungen und Auslassungen macht sie Israel verantwortlich, anstatt die wahren Hintergründe anzusprechen.

Unerwähnt bleibt bei Bolliger, dass Israel sich 2005 völlig aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat, mitsamt Siedlungen und Militärstützpunkten. Spätestens seitdem tragen die Palästinenser volle Verantwortung. Allein sie hätten die Aufgabe, illegales Bohren von Brunnen zu unterbinden, die Infrastruktur in Ordnung zu halten und sich um das Abwasser zu kümmern. Unerwähnt bleibt auch der Grund, weshalb die Autonomiebehörde seit dem Putsch der Hamas 2007 keinen Zugriff mehr auf den Gazastreifen hat. Die Hamas hat nach ihrem Putsch die Anhänger der Fatah-Partei, also Vertreter der Autonomiebehörde, mit Morden, Folter und Festnahmen ausgeschaltet.

Bolliger verschweigt auch, dass Israel kein Baumaterial und gewiss keine Metallrohre in den Gazastreifen einlässt, nachdem die Hamas über 12.000 Raketen auf Israel abgeschossen hat, anstatt mit den Rohren die Infrastruktur zu verbessern. Gleiches gilt für anderes Baumaterial. Bester Beton wurde von der Hamas für den Bau mehrerer Tunnel unter der Grenze nach Israel hinweg verwendet. Zweck der Tunnel war das Einschmuggeln von Terroristen und die Entführung von Israelis, wie seinerzeit der Soldat Gilad Schalit. Für Bolliger ist das alles keine Erwähnung wert.

Die Finanzierung von Projekten in Gaza durch die EU ist deshalb „kompliziert“, weil die Hamas von USA, EU, UNO und Russland als „Terrororganisation“ definiert worden ist. Den Anlass dazu hatte die Hamas mit Selbstmordanschlägen geliefert, derer sie sich gerühmt hat, fast täglichen Vernichtungsankündigungen gegen Israel, sowie einer Charta mit übelsten antisemitischen Sprüchen und der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung. Entscheidend ist hier, dass es den USA und der EU wegen eigener Gesetze „verboten“ ist, Kontakte mit einer „Terrororganisation“ aufzunehmen oder gar ihre Projekte zu finanzieren.

Ohne jegliche Erklärung oder Begründung formuliert Bolliger: „Die Autonomiebehörde der Fatah, die im Westjordanland regiert, wird von der Staatenwelt als offizielle Ansprechpartnerin behandelt, während die im Gazastreifen herrschende Hamas international weitgehend isoliert ist. Bolliger irrt. Internationaler Ansprechpartner ist die PLO und weder die Autonomiebehörde noch die Fatah-Partei. Der palästinensische Dachverband PLO gehört der Fatah, so wie Deutschland der CDU gehört oder die USA den Demokraten.

Kein Wort Bolligers dazu, dass die Hamas weder Mitglied der PLO ist noch die Osloer Verträge akzeptiert. Eine Anerkennung der Hamas als legitime und de facto Regierung im Gazastreifen würde die Legitimierung der PLO als Vertretung aller Palästinenser in Frage stellen. Ausgerechnet die Vorgänge in der Ukraine und auf der Krim-Halbinsel hätten Bolliger und erst Recht die NZZ Redaktion sensibilisieren müssen. Denn genauso wie im Gazastreifen geht es dort um die Frage, wer der legitime Machthaber ist.

Bolliger beklagt, dass die Wirtschaft in Gaza ohne „Aussenbeziehungen“ keine Chance habe. Korrekt. Nur mit wem und wie sollten diese Aussenbeziehungen funktionieren, wenn der eine Nachbar, Israel, mit Raketen beschossen und bekämpft wird, während Ägypten wegen Attacken auf seine Soldaten im Sinai die Grenze geschlossen und die meisten „Schmugglertunnel“ zerstört hat? Inzwischen hat sogar Kairo die Hamas zur verbotenen „Terrororganisation“ erklärt.

Und warum finanziert ausgerechnet Qatar den Brennstoff für die Stromherstellung? Weil die Hamas sich weigert, den vollen Preis zu zahlen, wie ihn die Autonomiebehörde in Ramallah verlangt. Ägypten hat den Schmuggel von billigem subventioniertem Brennstoff gestoppt und zudem ist es im Gazastreifen „unüblich“, die Stromrechnungen zu zahlen. Kein Wunder also, dass es in Gaza kaum Strom gibt und deshalb auch die Abwasserpumpen ausfallen.

Bolliger zieht es vor, Israel wegen einer vermeintlichen Zerstörung der Infrastruktur im Krieg 2008/2009 zu beschuldigen, anstatt die Ursache für die Misere bei der Hamas zu suchen, zumal die von ihr beschriebenen Zustände schon lange vor jenem Krieg und vor der Verhängung der Blockade bestanden.

Bolliger behauptet, dass in Wadi Gaza Wasser geflossen habe, bis Israel es „umgeleitet“ habe. Wie und wohin ist unklar, zumal im vergangenen Dezember nach sintflutartigen Regenfällen, die Israel und den Gazastreifen überschwemmten, die Palästinenser behaupteten, dass Israel „Staudämme geöffnet habe, um möglichst grossen Schaden im Gazastreifen und vor allem in Wadi Gaza zu verursachen.“ Nachfragen bei israelischen Stellen und eine gewissenhafte Überprüfung von Luftaufnahmen ergab, dass es dort gar keine Staudämme gibt. Lächerlich klingt auch die von Bolliger zitierte Äusserung des Rebhi asch-Scheikh der palästinensischen Wasserbehörde, dass die Israeli die „Wasserlieferung von der Zustimmung der Palästinenser für Wasserprojekte in Siedlungen abhängig“ machen wollten. Im Gazastreifen gibt es keine einzige israelische Siedlung mehr, also auch keine Wasserprojekte. In Cis-Jordanien befinden sich alle Siedlungen im israelisch kontrollierten C-Gebiet. Bolliger hat weder nachgefragt, noch geprüft, sodass diese Aussage obskur bleibt, solange sie keine konkreten Angaben nachliefert.

Dass Israel mehr Wasser an die Palästinenser in beiden Gebieten liefert, als in den Verträgen abgesprochen, verschweigt Bolliger, weshalb ihr ganzer Bericht sich mal wieder wie eine unglaubwürdige Anklageschrift gegen Israel liest, anstatt die tatsächlich bestehenden Probleme als Auswirkung einer selbstgemachten Politik der Hamas darzustellen.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

Alle Artikel
Diesen Beitrag teilen
  • 54
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

2 KOMMENTARE

  1. Wenn sie wenigstens noch eine gute Journalistin wäre, diese Frau Monika Bolliger. Ist sie aber nicht. Seit Jahren lese ich ihre Berichte nicht mehr. Sie sind in der Regel falsch, gelogen oder als Information untauglich. Warum sie ausgerechnet in Gaza und angeblich in Israel tätig ist, ist mir klar.
    Sie kann so ihren Hass auf Israel und auf Juden ausleben. Und die NZZ braucht auch die antisemitische Leserschaft.

  2. Von der Bollinger rede ich nicht, das ist sie nicht wert. Aber die NZZ soll sich schämen. Eine Zeitung von internationalem Ruf und dann solche Lügen und Verschweigen. Eine Schande!
    lg
    caruso

Comments are closed.