Natan Sharansky, Foto Flix'n'Pix
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Ein Jahrzehnt nach Veröffentlichung seines Buches „The Case for Democracy“, sieht Natan Sharansky die Nationen des Arabischen Frühlings von Ägypten bis Syrien weiter denn je davon entfernt, zu einer demokratischen Herrschaft zu gelangen. Doch die Kultfigur der sowjetisch-jüdischen Refusniks glaubt, dass seine Ideen so wahr sind, wie an dem Tag, als er sie das erste Mal mitteilte.

„Was auch immer ich geschrieben habe, was hat sich davon als falsch herausgestellt?“, fragt er in einem Interview mit der Times of Israel. „Im Arabischen Frühling war die Muslimbruderschaft die einzige Kraft mit einer klaren Strategie. Die freie Welt hatte keine Strategie“, sagt der ehemalige israelische Innenminister und derzeitige Vorsitzende der Jewish Agency.

Neun Jahre im sowjetischen Gulag und weitere neun Jahre in Israels politischer Arena haben das Glimmern in Sharanskys Augen nicht verglühen lassen können. Oder das Feuer seiner Vision. Seine Kritik richtet sich gegen den Westen, der in seiner „Besessenheit“, die Muslimbruderschaft in Ägypten zu unterstützen, die neu aufkommenden demokratischen Kräfte in diesem Land vernachlässigt hat.

„Ich möchte eine beständige Politik der Unterstützung von demokratischen Regimekritikern. Es gab so viele Gelegenheiten, doch fast alle wurden verpasst“, sagt er.

Sollten freie Wahlen der erste vom Westen vorgegebene Schritt für eine neuentstehende Demokratie sein? Sharansky sagt dazu: „Demokratie ist freie Wahlen und eine freie Gesellschaft. Wir sollten uns von der Tatsache, dass in einigen Ländern Wahlen stattfanden, nicht blenden lassen und deshalb nicht sie automatisch demokratisch nennen.“

„Das lernen wir aus Ägypten“, meint Sharansky und sagt ferner, dass die Schaffung von Institutionen einer Zivilgesellschaft einem Wahlgang vorausgehen muss.

Auch übt Sharanksy besonders Kritik an der Widersprüchlichkeit der Obama-Regierung zu Syrien. Amerikas Unentschlossenheit, wie mit Assad umzugehen sei, habe die Oppositionsbewegung dazu veranlasst, sich zu radikalisieren; jetzt könne man kaum noch etwas machen.

„Als der [Aufstand] gegen Assad anfing, war 90 Prozent der Opposition demokratisch. Heute sind 90 Prozent der Opposition Fundamentalisten“, sagt Sharansky. Obamas „rote Linien“ hinsichtlich der syrischen Chemiewaffen waren bereits schon wieder vergessen, kurz nachdem sie ausgesprochen worden war.

„In dieser Situation können nur die Kräfte erfolgreich sein, die bereits gut etabliert sind: entweder zivile Diktatoren oder Fundamentalisten….Aus Sicht der freien Welt sollte es keinen Unterschied geben, ob Assad oder Muslimbruderschaft an die Macht in Syrien kommt.“

Der „Betrug“ des Westens an den demokratischen Regimekritikern der iranischen Grünen Revolution 2009 ist eine äusserst negative Botschaft für die arabisch-demokratischen Oppositionellen im heutigen Nahen Osten, legt Sharansky dar. Falls in der arabischen Welt keine demokratischen Kräfte entstehen, sollte sich der Westen einfach raushalten.“

„Wir sollten nicht versuchen, zwischen „unser Diktator“ und „nicht unser Diktator“ zu wählen“, meint er.

Zusammenfassung der Originalversion: Sharansky: The free world has betrayed democratic dissidents by Elhanan Miller © Times of Israel, January 5, 2014.

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