Foto von عباد ديرانية. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons.
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Der Status der islamischen heiligen Stätten oder genauer gesagt, die Unterminierung ihres Status, ist Teil des Kampfes über das Wesen des Nahen Ostens geworden. Die Sunniten zerstören Stätten, die den Schiiten heilig sind, und umgekehrt zerstören Schiiten neben dem alawitischen Regime in Syrien Stätten in Syrien, die den Sunniten heilig sind. Die Al-Aqsa Moschee in Jerusalem könnte zu ihren Ungunsten in diesen Kampf hineingezogen werden.

Im Dezember 2011 bereitete sich Bashir al-Assad auf eine grosse Rede vor. Gleichzeitig bereitete die Assad gegenüber loyale Fraktion der Muslimbruderschaft eine Kampagne zur „Befreiung von Al-Aqsa“ unter der Federführung von Assad vor. Ein Thema, das für Assads Rede besprochen wurde, war, dass Jerusalem und nicht Mekka die richtige Gebetsrichtung (qibla) im Islam sei. Das wurde bekannt, nachdem anonyme Hacker Emails aus Assads Amt abgefangen und veröffentlicht hatten. Auch wenn letztendlich dieses Thema nicht in seine Rede eingearbeitet wurde, so wird es wahrscheinlich irgendwann wieder auftauchen.

Es gibt auch andere Versuche, den religiösen Status von Jerusalem sogar auf Kosten von Mekka aufzuwerten. Vor mehr als einem Jahrzehnt startete die Islamische Bewegung in Israel, die mit der Muslimbruderschaft verbunden ist, die Initiative, Wasser aus der Zamzam Quelle in Mekka zu importieren und es in zehn Zisternen auf dem Tempelberg zu füllen. Vermutlich versuchten die Anführer der Bewegung, Jerusalems Heiligkeit anzuheben und dadurch mehr muslimische Besucher für die Al-Aqsa anzuziehen. Diese Initiative wurde ausgebremst; es gibt eine Tradition, die bis in 13. Jahrhundert zurückreicht und es ablehnt, religiöse Praktiken auf andere heilige Stätte anzuwenden, die für Mekka reserviert sind.

Am erstaunlichsten – oder auch nicht – ist die Tatsache, dass die Unterminierung des Status von Mekka als wichtigste Pilgerstätte von den Schiiten im Irak entstammt, Assads Alliierten. Am 23. Dezember 2013 sagte der schiitisch-irakische Premierminister Nouri al-Maliki, das Kerbela die Gebetsrichtung sein sollte – eine irakische Stadt, in der sich das Grab des Enkels von Mohammed, Hussein ibn Ali, befindet – und nicht Mekka. Obwohl das Sunniten erzürnte, zog er seine Aussage nicht zurück. Somit scheint der schiitische Halbmond den Status von Mekka herauszufordern. Die irakischen Schiiten sind für Kerbela, während das Assad Regime für Jerusalem wirbt.

Mit dieser Haltung ist Al-Maliki jedoch nicht der einzige unter den irakischen Schiiten. Die Hisbollah Partei des Irak, die Zwillingsschwester der Hisbollah im Libanon, hat geschworen, die heiligen Stätte im [saudischen] Hedschas den Wahabiten zu entreissen und sie zu schiitischen Schreinen zu machen. Im sunnitischen Lager will die Muslimbruderschaft die Befreiung der Al-Aqsa zum Fokus des arabischen Aufruhrs machen mit dem ultimativen Ziel eines islamischen Kalifats, während die Salafisten dieser Kampagne gegenüber gleichgültig bleiben.

Kurzfassung der Originalversion: Multiplying Efforts to Undermine the Unique Status of Mecca in Islam by Pinhas Inbari © Jerusalem Center for Public Affairs, January 6, 2014.