Foto Rainer Zenz / PD via Wikimedia Commons.
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In der alten DDR, 1990 von der Landkarte verschwunden, wollte man politisch korrekt sein, aus Rücksicht auf die sowjetischen Brüder/Besatzer. „Königsberger Klopse“, die deutsche Nationalspeise, wurden in „Revanchistenklösse“ umbenannt. Eigentlich müssten sie ja politisch korrekt „Kaliningrader Klösse“ heißen. In diesem Sinne sind in Hannover in Kantinen heute keine Zigeunerschnitzel mehr zugelassen.

In Nahost gibt es viele derartige „Klopse“.

So schreiben die Medien oft vom „traditionell arabischen Ost-Jerusalem“. Arabisch war Ostjerusalem lediglich 19 Jahre lang, während der jordanischen Besatzung zwischen 1948 und 1967. In Ost-Berlin wird heute gelacht, wenn man vom „traditionell kommunistischen Ost-Berlin“ redet. Immerhin währte die kommunistische „Tradition“ 41 Jahre lang.

Dann werden „Grenzen von 1967“ erwähnt, die wieder hergestellt werden müssten. Doch so wie es zwischen BRD und DDR keine anerkannte Staatsgrenze gab, war die „Grenze“ zwischen Israel und dem von Jordanien besetzten und später annektierten Westjordanland nur eine Waffenstillstandslinie, 1949 auf Rhodos festgelegt, ohne „Vorgriff auf spätere diplomatische Verhandlungen“.

Der Teilungsbeschluss der UNO von 1947 sah eine Teilung des britischen Mandatsgebiets Palästina vor. Wer behauptet, dass neben einem jüdischen ein  palästinensischer Staat errichtet werden sollte, legt wieder mal einen Königsberger Klops. Damals war nur von Juden und Arabern die Rede. „Palästinenser“ im heutigen Sinn gibt es erst seit 1968.

Die Medien behaupten, dass „Judäa und Samarien“ die biblischen Namen des Westjordanlandes und deshalb zu verwerfen seien. Denn sie seien Ausdruck des revisionistischen Traums eines „Gross-Israel“, manchmal auch „Eretz Israel“ genannt. Doch auf Hebräisch bedeutet das lediglich „Land Israel“, eine geografische Bezeichnung ohne politische Konnotation. „Eretz Israel“ und die Landkarten „Palästinas“ in Bibeln und Geschichtsbüchern sind deckungsgleich. Sogar in der UNO-Resolution von 1947 kommen die „Hügel von Judäa und Samarien“ als geografischer Begriff vor, während das Wort „Westjordanland“ erst vom Königreich Jordanien eingeführt worden ist. Dem Israeli kommen keine politische Hintergedanken, wenn er von Galiläa, der Scharon-Ebene, Benjamin oder eben Judäa und Samarien redet. Oder sollte man etwa einer deutschen Hausfrau revanchistisches Gedankengut unterstellen, wenn sie ihre „Königsberger Klopse“ formt?

Im Rahmen der weltweiten Delegitimierungskampagne gegen Israel heißt es oft, dass Israel ein künstlicher Staat sei. Aber was ist mit Syrien, Jordanien, Pakistan, Indien, Ägypten, Bahrein, Kuwait, Irak oder Sudan (unvollständige Liste), die in der gleichen Periode ihre „Unabhängigkeit gewannen“ – mit linealgraden Grenzen. Diese Linien hatte 1920 ein britischer Oberst namens Winston Churchill auf die Landkarten gemalt. Ausgerechnet die Bürgerkriege des „Arabischen Frühlings“ in Syrien, Irak oder Libyen bezeugen, dass da nichts natürlich gewachsen ist. Diese Staaten sind allesamt künstliche Gebilde, deren Grenzen mit Rücksicht auf Ölvorkommen und politischen Interessen Frankreichs und Englands gezogen worden sind.

Zu den „Königsberger Klopsen“ des Nahen Ostens zählt auch die Flüchtlingsfrage. Erwähnt werden meist nur „palästinensische Flüchtlinge“. Politisch korrekt heißen sie laut UNO-Flüchtlingsorganisation UNWRA „arabische Flüchtlinge aus Palästina“. Dass es 1948 und in den Jahren danach, mehr jüdische Flüchtlinge aus den arabischen Staaten, denn Araber aus Palästina gab, wird unterschlagen. Noch absurder ist die Behauptung, dass die meisten Palästinensischen Flüchtlinge „im Exil“ leben. Befinden sich etwa die Flüchtlingslager im Gazastreifen, bei Ramallah, Hebron, Jenin, Bethlehem oder Jerusalem außerhalb Palästinas? Leben die 14 Millionen deutschen „Vertriebenen“ und deren Nachkommen im „Exil“, weil sie ihre „Königsberger Klopse“ heute nicht mehr in Kaliningrad essen können?

Die palästinensischen Flüchtlinge genießen mit internationaler Finanzierung über die UNWRA als einzige Flüchtlinge der Welt das Privileg, bis ins „letzte Glied“ ihren Flüchtlingsstatus behalten zu dürfen. In Afrika, Asien und Europa erlischt dieser finanziell lukrative Status umgehend.

Schlimmer noch: Wieso fragt eigentlich niemand, weshalb die palästinensische Autonomiebehörde, also die Regierung des künftigen Staates Palästina, sich weigert, die Flüchtlinge in ihrem Amtsbereich einzugliedern und gleichberechtigt wie andere Palästinenser zu behandeln? Die Flüchtlinge werden mit Hinweis auf die „internationale Verantwortung“ diskriminiert. Diese politische Apartheid wird mit Milliarden Euros „Aufbauhilfe für den Staat Palästina“ von der EU zementiert. Denn andere Milliarden fließen an die UNWRA, die in eigener Regie für Schulen, Straßen und Abwasseranlagen in den Flüchtlingslagern sorgt, als ob sie außerhalb des künftigen „Staat Palästina“ lägen.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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1 KOMMENTAR

  1. Was soll ich(!) dazu(!) noch sagen(!) ?
    's ist ja alles Wesentliche gesagt/ richtig widergegteben worden !!

    's sollten eigentlich jetzt nur noch die(!) lesen, die solches bisher bewußt(!) geflissentlich ignorier(t)en !!

    Denn wie heißt ein Sprichwort so richtig:
    Niemand ist so blind wie die PersonIn (m/w),
    die nicht sehen w i l l ! !

    gez.:
    Matthias Schönfelder
    . . .
    * * *

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