Lesezeit: 3 Minuten

Eine erstaunliche Schicksalswende traf die Muslimbruderschaft. Die Geschichte wird sich an das Jahr 2013 als das Jahr ihrer Dunkelheit erinnern mögen, nachdem sie einen kurzen Moment in der Sonne 2011 – 2012 erlebt hatte.

Anfang Jahr noch hielt die Muslimbruderschaft (MB) die Macht in Ägypten und Tunesien in den Händen und eine mit der MB verwandten Partei war in der Türkei an der Macht. Katar trat als energetischer Finanzier des Vorstosses der MB quer durch die Region hervor, einschliesslich der Unterstützung eines syrischen Aufstandes, der von Milizen mit ähnlichen Vorstellungen wie die der MB dominiert wurde und bei denen es anfangs so aussah, als wären sie auf dem Siegesweg im syrischen Bürgerkrieg. Als Besitzer von Al-Jazeera hat Katar einen Weg gefunden, nicht nur seine regionalen Nachbarn zu beeinflussen, sondern die gesamte arabischsprechende Welt.

Ebenso schien es, als wäre die Allianz aus MB und Katar auf dem Weg, den befehlshabenden Anteil am palästinensischen Nationalismus in Anspruch zu nehmen. Die Hamas unter der Führung von Khaled Mashal verbrachte 2011 und 2012 damit, von Damaskus in die katarische Hauptstadt Doha umzuziehen. Dann besuchte der katarische Emir Hamad bin Khalifa al-Thani den von der Hamas kontrollierten Gazastreifen im Oktober 2012 und sicherte der Hamas Enklave 400 Millionen US-$ zu. Alles schien auf dem richtigen Weg zu verlaufen.

Doch die konservativen Monarchien am Golf, nämlich Saudi-Arabien und die VAE, waren wegen des Vorstosses der MB alarmiert. Natürlich beobachtete auch Israel die Ereignisse mit Besorgnis; der Aufstieg der MB in Ägypten schien später einmal Probleme zu versprechen.

Doch im Verlaufe des Jahres 2013 hat sich der Vorstoss gewendet.

Im Juli 2013 wurde die Muslimbruderschaft in einem Militärcoup, der von den Saudis und den VAE unterstützt wurde, gewaltsam der Macht in Ägypten enthoben. Das gegenwärtige Militärregime ist dabei, den militärischen Widerstand der Islamisten zu zerstören. Die Muslimbruderschaft wurde für verboten erklärt und darf nicht bei künftigen Wahlen teilnehmen.

In der Zwischenzeit hat in Katar Sheikh al-Thani die Macht an seinen Sohn Tamim abgetreten; die genauen Gründe für Thanis plötzlichen Abgang bleiben im Dunkeln. Seither ist Katar praktisch von der regionalen Bildfläche verschwunden. Und die katarischen Zuwendungen an die MB in Ägypten versiegen.

Von der Wende der Ereignisse alarmiert, reaktiviert die Hamas ihre Kontakte mit dem Iran und Gerüchte sind aufgekommen, dass Khaled Mashal erneut eine Relokalisierung überdenkt.

In Syrien hat sich das Assad-Regime in den ersten Monaten von 2013 erholt und sein Weiterbestehen ist nicht mehr unmittelbar in Gefahr. Unterdessen sind es nun die Saudis, die auf Seite der Rebellen durch ihre Finanzierung von salafistischen Organisationen eine wichtige Rolle einnehmen; Katar und die MB sind nicht mehr die wichtigsten Akteure.

Und in der jüngsten Schicksalswende hat die tunesische Ennahda-Partei zugstimmt, die von ihr nach dem Wahlsieg gebildete Regierung 2011 aufzulösen. Bis zu Neuwahlen wird die Regierung von Technokraten ersetzt.

Unterdessen muss in der Türkei die mit der MB verbundene AKP erkennen, dass ihre Vision einer Allianz aus gleichgesinnten, im Stile der MB sunnitisch-islamischen, Regimes in Nordafrika, der Levante und dem Golf nicht länger vorherbestimmt ist. Stattdessen muss die AKP mit wütenden Demonstrationen von nicht-islamistischen Türken und dem Verlust von Verbündeten fertig werden.

Das scheint seine Opfer zu fordern. Erst kürzlich im türkischen Fernsehen weinte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan unkontrolliert, als der Niedergang der Bruderschaft in Ägypten debattiert wurde.

Das alles bedeutet, dass die MB wortwörtlich an jeder Front, an der sie bedeutende Vorstösse erzielt hatte, nun festgefahren ist. Doch ist sie längst nicht erledigt. Ihre Politik behält einen natürlichen Einfluss auf den konservativen, sunnitisch-arabischen Nahen Osten bei. Doch der Moment, in dem alles möglich schien, ist vorbei. Was wie der mögliche Beginn einer neuen Ära aussah, endete als kurzer Moment in der Sonne.

Die Sonne geht nun jenseits den Hoffnungen der Muslimbruderschaft auf regionale Vorherrschaft unter.

Zusammenfassung der Originalversion: In the Middle East, the Muslim Brotherhood is in retreat by Jonathan Spyer © Jerusalem Post, October 12, 2013.

Comments are closed.