Foto © Sémhur / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 (Free Art License)
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Ein aktueller Beitrag in der New York Times mit angefügter Landkarte diskutiert die Möglichkeit, wie arabische Staaten aufgrund der gegenwärtigen Unruhen im Nahen Osten in kleinere Einheiten auseinanderbrechen könnten. Viele arabischer Kritiker waren entsetzt, dass ausländische Regierungen wieder einmal am Werk sein könnten, die Landkarte des Nahen Osten neu zu zeichnen, und ich verstehe ihre Reaktionen. Doch die wirklich schlechte Nachricht ist nicht diese Karte; vielmehr ist es der Zustand der existierenden arabischen Länder und die schlechte Arbeit, die sie bei der Verwaltung der Gesellschaften, die sie 1920 geerbt haben, geleistet haben.

Es gibt keine einzige, glaubwürdige arabische Demokratie. Kein einziges, arabisches Land, in dem der Konsens der Regierten tatsächlich eine Rolle spielt. Keine einzige arabische Gesellschaft, die für sich behaupten kann, ein halbwegs zukunftsfähiges Level an gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung erreicht zu haben, ganz zu schweigen von gerechter Entwicklung oder sozialer Gerechtigkeit. Kein einziges arabisches Land, das seine natürlichen Ressourcen geschützt und erhalten hat. Kein einziges arabisches Land, in dem mächtige Militär-/Sicherheit/- Nachrichtendienst-Sektoren unter ziviler Oberaufsicht stehen. Und kein einziges arabisches Land, das ein Bildungssystem entwickelt hat, das den Reichtum und die Kraft der Millionen von jungen arabischen Köpfen nutzt, statt sie in intellektuelle Schafpferche wegzusperren.

Es ist diese perverse, hässliche Wirklichkeit arabischer Staatlichkeit und Unabhängigkeit, die uns wütend, uns sogar beschämen sollte – und nicht eine mögliche zukünftige Landkarte. Das haben wir nun seit vier Generationen ertragen und es bringt uns heute weniger überraschend an den Punkt, an dem jeder einzelne arabischer Staat eine offene Revolte seiner Bürger nach Freiheit, Würde und Demokratie in irgendeiner Form erlebt.

Es gibt nicht viel, worauf man in der modernen Ära arabischer Staatlichkeit stolz sein könnte; es gibt viel zu korrigieren und zu erneuern aufgrund rationaleren, menschenwürdigeren Linien. Linien auf Landkarten kümmern mich wenig, doch mich kümmern die Flugbahnen die Erfahrungen im Führen unserer Nationen, die hauptsächlich enttäuschend und in einigen Fällen sogar zutiefst schäbig waren.

Zusammenfassung der Originalversion: Some things are far scarier than a map by Rami G. Khouri © Daily Star, October 14, 2013.

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1 KOMMENTAR

  1. Respekt! Nicht nur, dass Herr Khouri die Situation in den Arabischen Staaten klar erkannt hat, er nennt auch die Ursachen und die Auswirkungen.
    Und nochmals Respekt! Dafür, dass er diese offenen Worte auch publiziert!
    Ich verstehe diese Möglichkeiten durchaus als zarten Hoffnungsschimmer.

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