Gerüchte in und ausserhalb Gazas ziehen seit langem ihre Kreise: Khaled Mashal, Chef des Hamas-Politbüros, steckt angeblich in seinem neuen Domizil in Katar in Schwierigkeiten und sucht nach einem neuen Aufenthaltsort. Im Gespräch mit Al-Monitor Korrespondent Adnan Abu Amer dementierte der Sprecher des Politbüros, Izzat al-Rishq, diese Gerüchte und behauptete, es handle sich um Propaganda, die der Hamas schaden solle.

Auch Mousa Abu Marzouk, ranghohes Hamas-Mitglied, der seit der offiziellen Verbannung der Hamas aus Damaskus in Kairo lebt, schrieb auf seiner Facebook-Seite, dass Mashal weiterhin in Katar lebe; ausserdem unterliege er keinen Restriktionen, wo er wohnen dürfe und spielte damit auf hartnäckige Gerüchte an, denen zufolge Mashal seit dem Regierungswechsel in Katar unter Hausarrest stehe. Interessant ist, dass sich Marzouk und al-Rishq gezwungen sahen, Gerüchte im Namen des Chefs des Politbüros zu dementieren, wo Mashal selbst doch eigentlich direkt neben den Studios von Al-Jazeera wohnt. Derweil wurde Mashal seit Monaten auf dem Bildschirm weder gesehen noch gehört.

Dass Mashal vom Radar verschwunden ist, liefert Hamas-Führern in Gaza, die mit seinem Weg nicht einverstanden sind und seine Führung ablehnen, eine weitere Gelegenheit für Verbalattacken gegen ihn.

Seit langem halten die Hamas-Quellen, mit denen ich sprach, dagegen, dass Mashal schon lange keine Ausrede mehr hat, weiterhin in einem anderen arabische Land ausser Palästina, also in Gaza, zu leben. „Genug, es ist an der Zeit“, sagte ein Funktionär der Bewegung. „Es ist an der Zeit, dass er heim zu seiner Nation kehrt und wie jeder andere auch, spürt wie es ist, in Gaza zu leben.“ Als Beispiel dafür nannte er Imad al-Almi, ein Führer der Hamas, der sich nach der Schliessung der Büros in Damaskus zur Rückkehr entschloss und sich mit seiner Familie in Gaza niederliess.

Khaled Mashal wurde in Silwad, einem Dorf im Bezirk von Ramallah, geboren. Als Jugendlicher verliess er das Dorf nach dem Sechstage-Krieg 1967 mit seiner Familie und siedelte nach Kuwait über. In den frühen 1990er trat Mashal dem Hamas Politbüro bei, das von Moussa Abu Marzouk aufgebaut wurde und als dessen Stellvertreter er diente. 1995 wurde Abu Marzouk von den Amerikanern verhaftet.

Die Basis des Hamas-Politbüros wurde von Marzouk im US-Bundesstaat Virginia gegründet. Raison d‘être des Politbüros war, Mittel für die Aktivitäten der Bewegung in den Gebieten zu beschaffen, weshalb es ausserhalb der Reichweite Israels operierte. Das ist ein Grund, warum Mashal nach der gezielten Tötung von Sheikh Ahmed Yassin und Abdel Azis Rantisi im Frühjahr 2005 zum Führer der Bewegung gewählt wurde.

Mashals Nachteil ist zum Vorteil geworden. Jahrelang prahlte die Hamas, dass ihre Führer fester Bestandteil der verarmten Bevölkerung der Flüchtlingslager im Gaza waren. Doch jetzt mussten sie einen Führer wählen, der nicht nur nicht im Gazastreifen geboren wurde, sondern obendrein noch nie einen Fuss auf diesen Boden gesetzt hat. Mashals geografische Distanz zu Gaza und den Gebieten und seine räumliche Entfernung zu israelischen Kampfhubschraubern, die einen Hamas-Führer nach dem anderen eliminiert haben, erwies sich nun als Vorteil.

Seitdem ist viel Wasser den Bach heruntergeflossen. Seit sieben Jahren hat die Hamas-Regierung einen eigenen Ministerpräsidenten im Gazastreifen. Wenn Mashal bei seinem Volk leben würde, so sagen böse Zungen, sähe er, dass er keiner grösseren Lebensgefahr ausgesetzt ist wie die, die über dem Haupt des Ministerpräsidenten Ismail Haniyeh schwebt. Die Gazaner sparen auch nicht mit Kritik an Moussa Abu Marzouk, der lieber mit seiner Familie im turbulenten Kairo lebt, statt in seine Geburtsstadt Rafah zurückzukehren.

Die Hamas ist heute nicht nur isoliert, weil die Muslimbruderschaft aus Ägypten fortgejagt wurde, sondern auch wegen ihrer erschütterten Beziehung zum Iran und Syrien. Mashal hatte auf Katar gesetzt, Teheran als Hauptverbündeten der Bewegung zu ersetzen; doch Katar hat sich als so schwach wie ein gebrochenes Schilfrohr erwiesen.

An vorderster Front bei der Kritik an Mashals Politik und Führungsstil steht Mahmoud al-Zahar, der eine Riege mit Unterstützern um sich schart. Zahar pflegt seinen Verbündeten zu erzählen, dass Mashal sich verhielt wie ein Pferd, dem man die Augen verbunden hat und das in eine Betonwand stürzte, seinen Kopf zerbrach und das Hirn beschädigte. Zahar glaubte, dass Mashal vor sich hin taumelte und dabei Warnungen und Ratschläge ablehnte.

Zahars Aussage bezieht sich vornehmlich auf die Krise, die zwischen der Hamas und dem Iran „unserem Feind“, wie er es nennt, entstand. Zahar ist der einzige in der Hamas, der einen Kanal nach Teheran offen hielt. Es gibt auch Stimmen in Gaza, die darin die einmalige verbleibende Gelegenheit für die Hoffnungen der Bewegung sehen, auf Rettung und Aufschwung aus der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, die droht, den Zusammenbruch der Hamas herbeizuführen.

Wird sich Mashal letztendlich entschliessen, nach Gaza zu kommen und dort zu leben? Es ist eher zweifelhaft, ob sich ein Mensch, der sein ganzes Leben angenehme Lebensbedingungen und Bewegungsfreiheit gewohnt ist, in einem überfüllten, belagerten Landstreifen leben wird. Wenn Mashal gezwungen würde, Katar zu verlassen, würde er wahrscheinlich weitere Gründe finden, die gegen Gaza sprechen, um nicht in die Hände seiner Feinde zu fallen, die bereits an jeder Ecke auf ihn warten. Und zur Abwechslung sind diesmal die Feinde nicht aus Israel.

Shlomi Eldar ist Kolumnist für Israel-Pulse von Al-Monitor. Die letzten zwei Jahrzehnte berichtete er über die Palästinensische Autonomiebehörde und besonders aus dem Gazastreifen für die israelischen TV-Sender Channels 1 und 10 und berichtete über den Aufstieg der Hamas. Im Jahr 2007 erhielt er für seine Arbeit den Sokolov Preis, der wichtigste Medienpreis in Israel.

Auszug der Originalversion: Hamas Activists Accuse Meshaal Of Preferring Life in Exile by Shlomi Eldar © Al-Monitor, October 7, 2013.

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1 KOMMENTAR

  1. Inzwischen tragen die Berufsterroristen der Hamas Armani und Gucci. Man gönnt sich ja sonst nichts. Auch der Erzterrorist Khaled Maschal macht da mit. Ob Katar für ihn noch interessant ist? Gut Essen kann man allemal, und die verfügbaren Maedels oder Buben sind sehr teuer. Die Mittel für sein Luxusleben hat er allemal von seinen islamischen Geldgebern und der EU zur Verfügung.

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