Negev Wüste. Foto PD
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Die Negev-Wüste macht zwar 60 Prozent der Landfläche Israels aus, doch sie ist ein dünn besiedeltes Gebiet im Süden, auf dem 8 Prozent der Bevölkerung des Landes beheimatet sind. Nicht nur der biblische Abraham war hier beheimatete, auch der erste israelische Ministerpräsident David Ben-Gurion; heute leben ca. 700‘000 Menschen im Negev, 200‘000 von ihnen allein in der Wüstenhauptstadt Be’er Sheva.

Während der Negev für seine natürliche Schönheit, sowie seine historischen und archäologischen Stätten bekannt ist, gibt es einige Faktoren, die die Landschaft der Region verändern. Laut Regavim, eine israelische NGO, die sich für den Erhalt des Landes und nationaler Besitztümer des israelischen Staates einsetzt, verbreitet sich der Aufbau Tausender illegaler Häuser der Beduinenbevölkerung rasant quer durch den Negev.

„Das Gebiet der illegalen beduinischen Erweiterung beläuft sich auf 800‘000 Dunam im nördlichen Negev zwischen Be’er Sheva, Dimona und Arad“ ,sagt Meir Deutsch, Regionaldirektor von Regavim gegenüber Tazpit News Agency auf einer Tour durch die Region. „Die jüdische Bevölkerung bleibt in Ballungszentren wie Be’er Sheva; die Beduinen bauen dort, wo sie wollen.“

„Israels Hinterhofwüste ist in einem schrecklichen Zustand“, sagt Deutsch. „Wenn Israel weiterhin diesen Bau zulässt, wird es die Souveränität über den nördlichen Negev verlieren.“

„Ein Teil des Problems ist die rasant wachsende beduinische Bevölkerung“, erklärt er. Beduinenfamilien haben durchschnittlich sechs bis zehn Kindern und die grösste Fruchtbarkeitsrate weltweit. Während Polygamie in Israel gesetzlich verboten ist, haben beduinische Männer oftmals zwei oder drei Ehefrauen und Familien mit nicht weniger als 25 Kinder.

2008 hat Israel zusammen mit führenden Persönlichkeiten aus der Beduinengemeinschaft ein staatliches Programm initiiert, um das Phänomen der Polygamie unter Beduinen in ihren zahlreichen nachteiligen Auswirkungen auf die Familienstruktur zu thematisieren.

Heute leben schätzungsweise 200‘000 Beduinen im Negev; die Hälfte von ihnen in sieben eigens von der israelischen Regierung errichteten Städten. Die andere Hälfte lebt in nicht genehmigten Gemeinden ohne anerkannten Status auf Wüstengebiet, das die Beduinen zuvor niemals formal besessen haben. Deutsch erklärt, dass es 60‘000 illegale Bauten im Negev gibt und jährlich kommen 2‘000 dazukommen. In diesen Gebieten greifen Armut, Verbrechen und Gesetzlosigkeit um sich.

Zudem sind diese beduinischen Gemeinden nicht mit dem israelischen Stromnetz oder dem öffentlichen Dienst verbunden, weil sie über weite Gebiete verstreut leben.

Ein weiteres ernstes Problem ist die Kollaboration zwischen Beduinen aus dem Sinai und dem Negev, betont Deutsch, die gemeinsam verbotene Drogen und Waffen für Terroristen einschmuggeln und damit Israels Sicherheit bedrohen.

„Diese Probleme können gelöst werden“, meint Deutsch gegenüber Tazpit. „Aber dafür muss die Regierung angemessene Massnahmen ergreifen, um diese Aspekte effektiv zu addressieren. Das ist bisher noch nicht geschehen.“

„Die illegale Errichtung von Häusern muss aufhören. Auf Google Earth kann jeder sehen, wie Beduinen ihre Gemeinden im nördlichen Negev kontinuierlich erweitern. Wenn bald nichts geschieht, wird der Einfluss überall zu spüren sein“, sagt er ferner.

Es ist wichtig anzumerken, dass Beduinen Staatsbürger sind und eine Minderheit innerhalb der arabischen Minderheit in Israel. Ursprünglich waren die meisten der Beduinen im Negev aus Hejaz, eine Region aus der nördlichen Arabischen Halbinsel, und wanderten zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert nach Israel. Beduinen in Nord- und Zentralisrael stammen aus der syrischen Wüste, wobei Beduinenstämme aus dem Norden im Unabhängigkeitskrieg 1948 an der Seite Israels kämpften.

Während eine viel geringere Anzahl Beduinen aus dem Negev in der IDF dient, sind schätzungsweise zwei Drittel ihrer Brüder aus dem Norden Elite-Fährtenleser und -Späher in der israelischen Armee entlang der Grenzen des Landes.

Quelle: Israel’s Negev Facing Alarming Changes by Anav Silverman © Tazpit News Agency, June 17, 2013.