Verfügung gegen Koedukation bedroht christliche Schulen in Gaza

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Lateinischer Patriarch Fouad Twal besucht Gaza. Foto CNS
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Christliche Schulen in Gaza sind von der Schliessung bedroht, sollte die Hamas-Regierung in Gaza ihre Verfügung zum Verbot koedukativer Einrichtungen durchsetzen, teilte der Generaldirektor der Schulen des Lateinischen Patriarchats in Palästina, Pfarrer Faysal Hijazin mit. „Das wird ein grosses Problem sein,“ sagte Bruder Faysal Hijazin. „Wir hoffen aber, dass sie das nicht durchziehen werden, und falls doch, werden wir grosse Schwierigkeiten bekommen. Wir haben weder den Raum noch das Geld, unsere Schulen [nach Geschlechtern] aufzuteilen.“ Neben weiteren Räumlichkeiten, müssten die Schulen mehr Lehrer anstellen. Nach islamischen Gesetzt dürfen Frauen und Männer keine Schüler des anderen Geschlechts unterrichten, die älter als 10 Jahre sind.

William Shomali, der Weihbischof von Jerusalem und Patriarchalvikar für Palästina zeigt sich besorgt über die zunehmende Islamisierung des Gazastreifens: „Die Hamas-Regierung will, dass wir Jungen und Mädchen an unseren drei Schulen trennen“.

„In Gaza leben nur mehr 1500 Christen, von denen lediglich 200 Katholiken sind. Sie müssen dort bleiben, wo sie ein Haus, eine Arbeit und ein Stück Land haben und können nicht raus aus dem Streifen. Im Streifen aber ist die Lage immer drückender. Wir beobachten einen islamistischen Umbau durch Hamas.“

Kirchenvertreter trafen sich mit der Hamas-Regierung, die von der Kirche auch an deren Schulen eine Trennung der Schüler nach Geschlecht verlangt. Bisher galt eine solche Regelung nur für öffentliche Schulen, nicht aber für die katholischen Privatschulen. „Unsere Schüler dürfen nicht mehr dieselbe Schule besuchen wie unsere Schülerinnen. In Gaza haben wir drei Schulen, aber wir können ja nicht drei weitere bauen“, so Weihbischof Shomali. „Bereits im Vorjahr hatten sie die Forderung erhoben, aber gelang uns noch, die Umsetzung zu vermeiden. Nun wissen wir nicht mehr, was wir tun sollen.“

Für die kleine christliche Minderheit sei die Situation schwierig. „Aber was sollen die Leute machen, die hier ihre Häuser, ihre Arbeitsplätze oder ihre Felder haben“, so der Jerusalemer Weihbischof.

Die Schulen des Lateinischen Patriarchats in Palästina nehmen etwa 6.000 Schüler auf, 43% davon sind Christen. Im Gazastreifen hat das Lateinische Patriarchat zwei Schulen mit 968 Studenten, davon sind 855 Nichtchristen und 113 Christen, was 12 % der Schüler entspricht. Dies sind andere Zahlen als die im Rest von Palästina, wie Pfarrer Hijazen kommentiert:„ Gaza ist eine sehr wichtige Schule für uns, denn sie bietet den Christen die Möglichkeit im Land zu bleiben „. Der Direktor der Schulen Palästinas verbirgt dabei nicht, dass auf die Kinder „ein gewisser Druck seitens des Islam“ ausgeübt wird. „Z. B. letzte Woche,“ so sagt er, “hat ein junger Christ beschlossen Muslim zu werden“. So ist diese Schule auch ein Weg den Jugendlichen dabei zu helfen „ ihrem Glauben treu zu bleiben“.

Ferner unterhält der Orden der Rosenkranzschwestern im Gazastreifen eine Schule für insgesamt 630 Schülerinnen und Schüler. Die Schule steht allen Kindern unabhängig von Religion oder Konfession offen.

Hijazin betrachtet die konservative Entwicklung im Bereich der Bildung mit Sorge, die die ganze Gesellschaft reflektiere. Doch es ist eine Sorge, die Christen als auch gemässigte Muslime teilen. „Es ist nicht einfach, dort zu sein,“ sagte er.