Marokko: Islamische Partei fördert interreligiösen Dialog

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Wie auch andere Länder im Nahen Osten erlebte Marokko eine Volksbewegung, die nicht zur Revolution wurde. Doch die Bürgerforderung nach einer Regierungsreform führte zu zahlreichen Veränderungen, darunter ein Referendum über eine neue Verfassung, welche die Autorität des Monarchen beschränkte, sowie Wahlen, die zum Sieg der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung führte.

Während viele Menschen fürchten, dass eine islamische Politpartei die Religion nicht-muslimischer Bürger nicht respektieren könnte, zeigt Marokko seine Verpflichtung, die mehr oder weniger friedliche Koexistenz seiner verschiedenen Religionen und Kulturen zu fördern. Ein Zeugnis dafür war ein bedeutender Anlass, der im Februar in der marokkanischen Stadt Fez stattfand: die Einweihung der neu renovierten Slat Alfassiyine Synagoge Fez.

Der marokkanische Ministerpräsident und Chef der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, Abdelilah Bin Kiran, leitete die Feier. „Der Anlass unterstreicht die Identität Marokkos als Land für Frieden, Toleranz und friedliche Koexistenz unter Angehörigen aller heiligen Religionen,“ sagte er, „und ist eine Lehre für das 21. Jahrhundert, die Marokko an die ganze Welt schickt.“

Die Synagoge wurde im 17. Jahrhundert im Mallah Stadtteil der Altstadt erbaut und spielte im religiösen Leben der jüdischen Gemeinde von Fez eine wichtige Rolle. Einst zählte die Gemeinde 30‘000 Mitglieder, heute wird sie auf 3‘000 bis 7‘000 geschätzt. Mit der Gründung des Staates Israel verliessen viele Juden Fez.

Der marokkanische König Mohammed VI forderte an der Einweihungsfeier die Renovierung der anderen Synagogen in Marokko. Diese Bemühung dient nicht nur dem Wiederaufbau der Gebetsstätten, sondern schafft zudem Raum für den interreligiösen Dialog.

Marokko ist auch Zeuge eines weiteren interreligiösen Anlasses, der vom König und der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung angeregt wurde. Das jüngste Beispiel war die Veranstaltung „Interreligiöse Koexistenz und Dialog in Marokko“ in Casablanca, an der Vertreter des Islam, Judentums und Christentums zusammenkamen, um über interreligiöse Koexistenz zu diskutieren. Marokkanische Jugendliche waren aufgefordert, Fragen zu stellen, auf die in einem respektvollen Klima der Toleranz eingegangen wurde.

Viele Fragen wurden zur Religionsfreiheit in Marokko gestellt. Während es für Muslime illegal ist, sich vom Islam abzuwenden, betonten die Vertreter der drei Religionen die Wichtigkeit, alle Religionen anzuerkennen und allen zuzugestehen, ihre Traditionen auszuüben. Der muslimische Vertreter erklärte, dass „es kein Zwang im Glauben“ (Koran 2:256) gibt und dass das im Alltag gelebt werden solle, indem die Vielfalt aufgegriffen werde.

Junge Menschen werden als das wichtigste Element einer jeden Gesellschaft angesehen. Sie trotz religiöser, ideologischer und kultureller Unterschiede mit Dialog, Koexistenz und den Anderen zu akzeptieren, vertraut zu machen, ist ein wichtiger Schritt für jede Gesellschaft, die eine positive Veränderung anstrebt.

Mit diesen Veranstaltungen bereitet Marokko eine neue Generation vor – eine, die sogar noch mehr im Stande ist, mit dem Anderen nebeneinander in Koexistenz zu leben.

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* Hind Al-Subai Al-Idrisi ist marokkanische Journalistin und Bloggerin (hindapress.wordpress.com). Dieser Artikel wurde geschrieben für Common Ground News Service (CGNews).

Originalversion: Out of the spotlight, Moroccan Islamic party promotes interfaith dialogue by Hind Al-Subai Al-Idrisi © Common Ground News Service (CGNews), 12 March 2013. Deutsche Übersetzung © Audiatur-Online.

Anmerkungen Audiatur-Online: Solche Entwicklungen sind wichtig und erfreulich, nichtsdestotrotz soll aber auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich etwa Atheisten in Marokko in einer äusserst prekären Lage befinden, siehe dazu unseren Beitrag: Für arabische Atheisten bleibt’s gefährlich

1 KOMMENTAR

  1. "Kein Zwang im Glauben" bezieht sich nur auf Muslime/Innen, für Andersgläubige gilt das nicht.
    "Kein Zwang im Glauben" (Koran 2, 256) eignet sich aber gut, um Andersgläubige zu täuschen. Leider!!!

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