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Indem sie ihre „Waffe des Widerstandes“ gegen Mitmuslime in Syrien richtet, riskiert die Hisbollah, ihre eigene Stellung im In- und Ausland zu zerstören.

Der israelische Luftangriff auf einen Konvoi mit Flugabwehrwaffen in einem Aussenbezirk von Damaskus, die für die Hisbollah bestimmt waren, war der jüngste Hinweis, dass die libanesische Partei Gottes nicht nur direkt in die Gewalt in Syrien involviert ist, sondern das dortige Chaos zudem nutzt, um ihr Waffenarsenal zu stärken und eine Kettenreaktion zu entfachen, die zur weiteren Destabilisierung Syriens führt. Die Hisbollah, so scheint es, ist tatsächlich die Partei des „Widerstandes“: Widerstand gegen echte Demokratie, sowohl in Syrien als auch im Libanon.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz erklärte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak, dass der Angriff ein „weiterer Beweise war, das wir meinen, was wir sagen.“ Seit Beginn des Konflikts hat Israel seine Verpflichtung betont, hochentwickelte Waffentechnologie aus der Reichweite der Hisbollah zu halten. Damaskus und Teheran haben andeutungsweise mit Vergeltung gedroht und die Angst weiter geschürt, dass sich der Konflikt auf die benachbarten Länder ausbreiten würde. Innerhalb eines Tages des israelischen Angriffs warnte das Weisse Haus die Assad-Regierung, „Syrien soll die Region nicht weiter destabilisieren, indem es Waffen an die Hisbollah transferiert.“

Die syrische Regierung verurteilte zusammen mit ihren langjährigen Alliierten Iran und Hisbollah den israelischen Luftangriff. Die Hisbollah sprach ihre „volle Solidarität mit dem syrischen Kommando, Armee und Volk“ aus und nannte den Angriff Teil einer Verschwörung, „die Syrien, seine Armee und wichtige Rolle im Widerstand zerstören will.“ Präsident Assad beschuldigte Israel, es strebe danach, „Syrien zu destabilisieren und zu schwächen,“ berichtet die syrische staatliche Nachrichtenagentur SANA. Doch es ist Assads Verbündeter Hisbollah, die bewiesen hat, die destabilisierende Kraft im kriegszerrütteten Land zu sein.

Die Aufstände in Syrien begannen vor zwei Jahren und das Regime verlässt sich zunehmend auf die Hilfe der Hisbollah, die Rebellen und die Zivilbevölkerung zu unterdrücken. Lange Zeit beschuldigten die syrischen Rebellen die Hisbollah, Hilfe und Kämpfer zur Unterstützung der Kräfte des Regimes zu schicken. Im Juni 2012 demonstrierten Syrer nicht nur für den Sturz Assads, sondern auch gegen die Hisbollah. Die Aktivitäten der Bewegung in Syrien sind es, wie ein Journalist im Libanon schrieb, die „die Maske der Tugend der Partei abgerissen hat.“

Innerhalb von Wochen der Aufstände rief Nasrallah selbst alle Syrer auf, dem Regime beizustehen. Doch die Hisbollah leugnete, „jegliche militärische Rolle in arabischen Ländern“ zu spielen. Laut eines führenden syrischen Verteidigungsbeamten, der dem Regime abtrünnig wurde, waren die syrischen Sicherheitskräfte unfähig, den Aufstand eigenständig zu bewältigen. „Sie hatten keine anständigen Scharfschützen oder Ausrüstung“, erklärte er. „Sie brauchten qualifizierte Scharfschützen aus der Hisbollah und dem Iran.“

Im August 2012 setzte das US-Finanzministerium die Hisbollah erneut auf die schwarze Liste wegen „Ausbildung, Beratung und ausgedehnter logistischer Unterstützung für die zunehmenden skrupellosen Bemühungen der syrischen Regierung“ gegen die Opposition. Einen Monat später legte die US-Regierung weitere Aktivitäten der Hisbollah in Syrien offen, als das Finanzministerium Sanktionen gegen den Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und zwei wichtige Hisbollah-Führer, Mustafa Badr al-Din und Talal Hamiyah, verhängte wegen aktiver Unterstützung des Assad Regimes.

Syrien ist ein langjähriger Unterstützer der Hisbollah, und dient ihr als Rückzugsort und Waffenverbindung. Laut dem US-Finanzministerium „revanchiert sich nun“ die Hisbollah unter der Führung von Nasrallah, „mit Ausbildung, Beratung und ausgedehnter logistische Unterstützung“, um den gewaltsamen Bemühungen des Regimes gegen die Opposition zu helfen.

Nachrichten darüber begannen sogar aus den eigenen Quellen der Hisbollah durchzusickern. Anfang Oktober 2012 wurde ein führender Militärkommandant der Hisbollah, Hussein Nassif, und zwei Bodyguards „in Ausübung seiner jihadi Pflichten“ in Syrien getötet, berichtete eine Hisbollah-Zeitung. Hisbollah-Sprecher Ibrahim Moussawi bestätigte den Tod von Nassif und anderer Hisbollah-Mitglieder, doch die Gruppe stritt weiterhin jegliche Involvierung in die interner Krise in Syrien ab. Monate zuvor nahm ein libanesischer Parlamentsabgeordneter der Hisbollah Berichten zufolge an der Beerdigung des Militärkommandanten Musa Ali Shehimi teil, der auch „in Ausübung seiner jihadi Pflicht starb.“

US-Beamten informierten den UN-Sicherheitsrat im Oktober 2012, dass „die Wahrheit ganz einfach zu sehen ist: die Kämpfer von Nasrallah sind jetzt Teil der Tötungsmaschine von Assad.“ Zwei Monate später bestätigte ein UN-Bericht, dass Hisbollah-Mitglieder in Syrien waren und dort im Name des Assad Regimes kämpften. Die Hisbollah hat sogar im November 2012 nahe einem syrischen Chemiewaffenlager ein Ausbildungslager eingerichtet. Laut eines leitenden US-Beamten „ist die Angst, dass diese Waffen in die falschen Hände geraten, unsere grösste Sorge.

Die Gruppe, die sich immer porträtierte als angesichts von Ungerechtigkeit für Vertriebene einzustehen, ihre konfessionelle und pro-iranischen Identitäten herunterspielte und ein brutales von Alewiten dominiertes Regime gegen eine vorherrschende syrische Opposition unterstützte, riskiert nun ein lang kultiviertes Images zu zerschmettern. Am Ende ist es die strategische Notwendigkeit, den Zusammenbruch des Assad Regimes zu verhindern, die Vorrang hat vor dem Aufrechterhalten des Images der Partei. Denn was wäre, wenn das Assad Regime durch ein Regime ersetzt würde, das die sunnitische Mehrheit im Land repräsentiert und der Hisbollah weniger freundlich gesinnt und ihr vollständig entgegengesetzt ist.

Heute ist die Hisbollah mehr als je zuvor mit der Verteidigung des Assad-Regimes behaftet. Die Partei Gottes hat ihre „Waffen des Widerstandes“ nicht gegen Israel gerichtet, sondern gegen Mitmuslime. Und es sind zudem die Anklage von vier UN-Mitgliedsstaaten wegen des Mordes an dem früheren Ministerpräsidenten Rafiq Hariri und die Offenlegung von Hisbollah-Operationen in Ascherbaidjan, Zypern, Bulgarien, Thailand und der Türkei, die die Position der Hisbollah als libanesische politische Partei und soziale Bewegung bedrohen.

Es liegt an den Menschen im Libanon und Syrien entsprechend zu reagieren, wenn sie wahrhaftig Demokratie erstreben.

 

Matthew Levitt leitet das the Stein Program on Counterterrorism and Intelligence am The Washington Institute.

Originalversion: Hezbollah’s Syria Problem by Matthew Levitt © The Washington Institue for Near East Policy. February 6, 2013. All rights reserved.

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