Schweizer Medien sind zu beschäftigt

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Mahmoud Abbas. Foto World Economic Forum. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 via Wikimedia Commons.
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Wenn der palästinensische Präsident Mahmud Abbas seine felsenfeste Verpflichtung zum Frieden mit Israel bekundet, stellt er jedes Mal sicher, unerlässliche Vorsichtsmassnahmen einzuwerfen. So fordert er dann auch nach einer „nachhaltigen“ oder „fairen“ Lösung für das palästinensische Flüchtlingsproblem und dadurch dünkt seine Verpflichtung zum Frieden weniger aufrichtig, als er vorgibt.

So waren wir auch etwas irritiert, als die Times of Israel berichtete, dass Anfang der Woche Abbas Israels Hilfe, palästinensische Flüchtlinge aus dem vom Krieg zerrütteten Syrien in die palästinensische Gebiete zu bringen, abgelehnt habe.

Abbas’ Forderung an Israel war, Palästinensern, die aus dem Yarmuk Flüchtlingslager nahe Damaskus geflohen waren, die Einreise ins Westjordanland und nach Gaza zu genehmigen. Doch dann lehnte er das Angebot von Israel – welches von niemand geringerem als UN-Generalsekretär Ban Ki-moon vermittelt worden war – ab, wegen Israels Bedingung, dass diese Flüchtlinge auf ihr Rückkehrrecht in Gebiete, die auf israelischen Staatsgebiet liegen, verzichten sollten.

Seine Ablehnung bestätigt zum wiederholten Male, dass die palästinensische Führung sich mehr darum sorgt, das politische Flüchtlingspfand aufrechtzuerhalten, als zwar schmerzhaft aber progressive Kompromisse einzugehen. In diesem Fall hätte es eine grosse Zahl seiner Wähler gerettet, da Abbas der selbsternannte Führer aller Palästinenser weltweit ist. Für Abbas stehen Grundsätze über dem Überleben.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir etwas über Yarmuk lesen und hören. Im letzten Dezember war das Flüchtlingslager, in dem eine grosse Mehrheit der 500.000 palästinensischen Flüchtlinge in Syrien leben und es ihr Zuhause nennen, Zielscheibe heftiger Bombardierungen durch die syrische Armee von Bashir al-Assad. Dabei sind 95 Prozent der Einwohner von Yarmuk aus dem Lager geflohen und – erneut – zu Flüchtlingen geworden.

Die Medienberichterstattung in der Schweiz zu diesen Ereignissen war sehr verhalten. Auch wenn eine halbe Millionen Menschen obdachlos wurden und Palästinenser typischerweise die Lieblinge der internationalen Presse sind, haben Schweizer Zeitungen Yarmuk nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht weil Israel nicht als Täter festgemacht werden konnte?

Bereits zur Zeit jener Ereignisse kommentierten wir, dass die meisten Schweizer Journalisten – und wahrscheinlich auch die unzähligen pro-palästinensischen Aktivisten, die sonst sehr lautstark sind, wenn Israel involviert ist – zu beschäftigt waren, Israels Siedlungsbauplänen im Gebiet „E-1“ zu verurteilen, dass sie die existentielle Bedrohung einer halbe Millionen Palästinenser in Syrien entweder nicht bemerkt habe oder es ihnen schlichtweg egal war.

Und dann erklärte der syrische Präsident Assad ohne offensichtlichen Sinn für Ironie in seiner TV-Rede am vergangenen Sonntag dass „Palestine is our cause“.

Indem der Name des Volkes, mit dem man weltweit die Vorstellung von Unterdrückung und Leid verbindet, erwähnt wird, soll das Publikum etwa vergessen, dass Assad sein eigenes Volk tötet – darunter genau jene Palästinenser, zu deren Anliegen er vermeintlich zur Hilfe kommt?

Bisher konnten wir keine Beiträge in Schweizer Medien entdecken, die Abbas Ablehnung des israelischen Angebots thematisiert haben, noch erschienen Berichte über die Ereignisse in Yarmuk auf den Webseiten der grossen Schweizer pro-Palästina Gruppen.

Das wirft unweigerlich die Frage auf, ob es bei der internationalen Verpflichtung und Empörung im Namen der Palästinenser wirklich um das palästinensische Volk geht. Die Antwort scheint offensichtlich.

Wie George Orwell bekanntermassen beobachtete, „sind einige Schweine gleicher als andere“ und so scheinen einige Palästinenser wichtiger sind als andere – nämlich jene die im Westjordanland und im Gazastreifen leben.

Shana Goldberg © Audiatur-Online

2 KOMMENTARE

  1. Ich muss schon sagen, dieser Bericht beschämt mich einmal mehr als Schweizer. Schon in der Vergangenheit musste ich feststellen, dass die Wahrheit nicht unbedingt an erster Selle steht in der schweizerischen Berichterstattung über Israel. Es entspricht halt nicht dem Mainstream des heutigen Humanismus, wenn sich das „so mächtige“ Israel gegen die „fast mittellosen“ Palästinenser zu verteidigen versucht. Da werden nebenbei auch schon mal ein paar tausend Raketen, aus Gaza auf Israel gefeuert, ignoriert oder zumindest als harmlos verniedlicht. Es scheint mir, als ob sich viele Schweizer selber auf die Schultern klopfen und dabei sagen: „Wir sind doch die Guten, wir ünterstützen die mittellosen Palästinenser“. – Welch ein Trugschluss, wenn man bedenkt wieviel Gelder der Palästinensischen Autonomiebehörde schon zugeflossen sind, ohne dass die Ärmsten etwas davon abbekamen.

  2. Leider entspricht die von Ihnen vorgebrachte Kritik an den Schweizer Medien durchaus dem dort seit Monaten vorherrschenden Ungleichgewicht der Berichterstattung.
    Dies insbesondere dann, wenn es darum geht, die angebliche humanitäre Krisensituation der Menschen im Gaza Streifen gebetsmühlenartig und unreflektiert zu wiederholen und in den Mittelpunkt der Berichterstattungen zu zerren. Nota bene, dass es in Gaza keine generelle humanitäre Krise gibt ist allgemein bekannt. Dass es leider sehr wohl vereinzelt zu Versorgungsengpässen kommt, ist tragisch.
    Allerdings sind diese nicht auf ein vorsätzliches und böswilliges Agieren der Israelis zurückzuführen, sondern auf ein vorsätzliches und böswilliges Agieren der „eigenen Leute“. So werden Spendengelder, die der Allgemeinheit zu Gute kommen sollen, nach purem Gutdünken der Hamas verteilt; Hilfslieferungen finden ebenfalls selten ihren Weg zu den vorbestimmten Empfängern, das gilt ganz besonders für Baumaterialien.
    Dafür ist das Wehgeschrei eben genau dieser verlogenen „Volksvertreter“, sei es in Gaza oder im WJL, dann umso lauter, wenn Israel Zolleinnahmen einbehält, um mit diesem Geld einen Teil der von den Palästinensern geschuldeten Stromrechnungen auszugleichen. Das Zurückhalten der Zolleinnahmen wird von den Medien sofort übernommen und zum Anlass genommen, Israel wieder einmal lautstark zu verdammen!
    Das sind die Meldungen, die die Leserzahlen in die Höhe treiben, sie sind es, die von den Lesern so gerne mit einem leichten Schauern zur Kenntnis genommen werden: „Da seht ihr wieder, wie böse die Juden sind!“
    Die wohlorganisierten pro-palästinensischen und damit automatisch auch anti-israelischen Organisationen haben den Zeitgeist schon lange erkannt, auch Stellungnahmen durch Verschweigen gehören zu ihren propagandistischen Mitteln. Leider und in meinen Augen absolut verachtenswert, finden sich mehr und mehr jüdische Aktivisten auf diesen Plattformen.
    Eine Anklage gegen den Holocaustleugner Dr. Abu Mazen ist für sie derzeit nicht opportun. Zu offensichtlich ist es, dass es Dr. Abu Mazen bei seiner Ablehnung des israelischen Vorschlages nur darum geht, durch die seitens Israels eingebrachten Bedingungen sein Gesicht zu wahren.
    Ein Eingehen auf die absolut nachvollziehbare Bedingung in Bezug auf das Rückkehrrecht wäre einer Schwächung der offiziellen Position gleichgekommen. Und hätte seine Position in den Augen seiner Landsleute geschwächt. Aber, es hätte Menschenleben gerettet und Stärke gezeigt.
    Seine Ablehnung zeigt, welch geringen Wert für ihn das Leben und die Sicherheit der vom Krieg gepeinigten Menschen haben. Er betoniert damit seinen Landsleuten gegenüber seine Stärke, und entlarvt ihn als den, der er in Wirklichkeit ist: ein schwacher Mensch, der an seiner Macht klebt, auch wenn sein politisches Ablaufdatum schon lange überschritten ist.
    Und somit ist es mehr als offensichtlich, dass es weder den pro-palästinensischen Gutmenschen um die Menschen in Gaza und/oder dem WJL geht, sondern, dass ihre Weg- und Auslassungen nur ein Ziel haben: den wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykott Israels.
    Und dass es Dr. Abu Mazen nur um Eines geht: die Aufrechterhaltung der bequemen Strukturen, die ihm und seinen Freunden auch weiterhin ein komfortables Leben ermöglichen.
    Die Menschen in Gaza, die Menschen im WJL, die Menschen in Syrien, sie sind ihnen absolut gleichgültig!

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