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Ganz offiziell und international anerkannt, hat sich die Fatah dem „gewaltfreien Widerstand“ gegen die israelische Besatzung verschrieben. Auch internationale und palästinensische Organisationen und Gruppen haben sich der Gewaltfreiheit verpflichtet und versuchen politischen Druck mittels Boykott aufzubauen. Boykottiert wird alles, was Israel Schaden zufügen kann: die Wirtschaft, die Kultur, der akademischer Austausch. Doch mit Boykottaufrufen allein, die Israel zwar auf vielen Ebenen erheblich treffen, kann die palästinensische Politik ihr eigenes Publikum wohl nicht gewinnen. Sie schaffen zwar Schaden für Israel, aber keine Helden.

Was der Fatah bleiben sind Bilder; Bilder von Waffen und Märtyrern, mit denen sie die Erinnerung an die glorreichen Zeiten der Vergangenheit, als noch ein jeder am Kampf gegen den Besatzer teilnehmen konnte, aufrechterhält. Der „gewaltfreie Widerstand“ in Form von Boykott ist zwar gewissermassen erfolgreich, doch der Verzicht auf den Kauf von israelischen Erdnussflips ist weniger attraktiv.

Diese Bilder zeigte die Fatah, Regierungspartei von Präsident Mahmud Abbas und Ministerpräsident Salam Fayyad, nun auf ihrer Facebook-Seite, die von ihrem Enlistment and Organization Commission verwaltet wird. Aktuell (Stand 10.01.2013) hat die Seite 46.056 „likes“. Im Vergleich: die SVP hat schlappe 1.004 „likes“, die SP 5.264.

Am 1. Januar 2013 feierte die Fatah den „Beginn-Tag“, der Jahrestag des ersten Terroranschlages der Fatah. Und zur Feier ihres 48-jährigen Parteibestehens wurden Bilder eingestellt, die so einiges verherrlichen: Gewalt und Terror sind heldenhafte Taten und Bilder von Kindern bei para-militärischen Übungen mit Waffen in der Hand scheinen sehr beliebt zu sein.

screenshot vom 28.12.2012

Ein weiteres Bild zeigt Kinder aufgereiht wie bei einer para-militärischen Übung. Das Mädchen in der vordersten Reihe hält ein Gewehr in der Hand: „Das ist die Fatah, Funke der palästinensischen Revolution, die Revolution, die aus Flüchtlingen Kämpfern gemacht hat und aus Kämpfern eine Armee geschaffen hat, um den Staat aufzubauen. Jassir Arafat hat aus den Flüchtlingen im Bild kraft seines Keffiyas (Kopftuch) und seiner Revolution Kämpfer gemacht“, steht in der Statuszeile.

screenshot vom 23.12.2012

Dieses Titelbild – es war nur einige Tage online – zeigt einen vermummten Mann mit einer automatischen Waffe in der Hand und drei palästinensische Flaggen, die über dem Tempelberg wehen. Zudem ist links oben das Fatah Jubiläumslogo abgebildet.

 

Die Helden

screenshot vom 20.12.2012

Am 20. Dezember wurde ein Bild eines lachenden Saddam Hussein vor Gericht hochgeladen mit der passenden Statusmeldung: „Er lächelte, um dem Feind die Freude am Sieg zu verweigern. Möge Allah seiner gnädig sein, Saddam Hussein.“ Zum Gedenken an seinen Todestag (30. Dezember) wurde ein weiteres Bild von Saddam Hussein, dem „Falke der Araber und dem Löwen des Tigris und Euphrats“ eingestellt.

Zum Geburtstag von Dalal Mughrabi wurde ihr Foto eingestellt mit folgender Meldung: „Heute an diesem Tag 1959 wurde die Märtyrerin „Shahida“ Dalal Mughrabi geboren, Heldin der Märtyrer-Kamal-Adwan Mission, Braut von Jaffa und die sanfte antreibende Kraft der Fatah.“ Bei dem von ihr angeführten Selbstmordanschlag auf einen Bus 1978 wurden 38 Zivilisten getötet.

Jede Gesellschaft braucht ihre Helden. Die Preise, die wir unseren „Helden“ verleihen, um sie zu ehren und ihre Verdienste zu würdigen, sagen ebenso viel über uns als Person als über unsere Gesellschaft aus. Was sind unsere Werte und in welche Richtung steuern wir? Wenn man Salam Fayyad bejubeln würde, ist das eine Wertschätzung von Bildung und Fortschritt. Ein Geschäftsmann wie Bashir al-Masri als Vorbild zu präsentieren, positioniert wirtschaftlichen Erfolg als Grundpfeiler der palästinensischen Identität. Oder den Filmregisseur Hany Abu Assad zu wählen, der mit seinem Film Paradise Now den Konflikt ins Zentrum rückt, aber mittels Kunst, würde zeigen, dass man andere Wege der politischen Auseinandersetzung wertschätzt.

Doch stattdessen bleibt die Fatah ihrer üblichen, ermüdenden Rhetorik der Gewalt, Terrorismus und Märtyrer treu und betrügen ihre mangelnde Veränderung in der Denkweise.

Gewaltfreien Widerstand zu propagieren bedeutet nicht nur der Verzicht auf physische Gewaltanwendung. Sprache und Bilder, die in der politischen Arbeit eingesetzt werden, müssen diesen Verzicht ebenfalls in aller Deutlichkeit transportieren, sonst verlieren die Bekundungen von Abbas und Fayyad ihre Glaubwürdigkeit.

Sandra Hoffmann @ Audiatur-Online

Weitere Beispielbilder sind nachzulesen im PMW Bulletin: Fatah’s Facebook: Glorifying terror, inciting hatred, and erasing Israel. PMW Bulletin, Januar 7, 2012