Banner der jihadistischen Organisation Jabhat Al-Nusra während des Bürgerkriegs in Syrien 2012. Quelle Middle East Media Research Institute (MEMRI). Lizenziert unter Logo über Wikipedia.

Die USA waren das letzte Land, das die Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte als die legitime Führung der syrischen Opposition anerkannte. Diese wurde im vergangenen Monat in Katar gebildet. Ebenfalls wurde die Bildung eines gemeinsamen militärischen Rates mit der Koalition im türkischen Antalya angekündigt. Zur gleichen Zeit bestimmte Washington Dschabhat an-Nusra, die mächtige bewaffnete Salafistengruppe in Syrien, als terroristische Organisation.

All diese Schritte zeigen, dass nun eine kohärente Politik der USA und des Westens gegenüber der Seite der Rebellen im syrischen Bürgerkrieg entsteht. Diese Politik steht im Einklang mit der breiteren regionalen Orientierung der Regierung Obamas und stösst auf die Zustimmung der wichtigsten EU-Regierungen. Auch die Türkei und Katar bevorzugen diese Richtung.

Das Ziel ist, sich mit den mit der Muslimbruderschaft (MB) verbundenen Elementen zusammenzuschliessen und diese zu stärken, während die salafistischen Kräfte als die einzige echte islamistische Gefahr geschildert werden. Zur gleichen Zeit werden säkulare Kräfte ignoriert oder beiseite geschoben.

Diese Dynamik ist in der Zusammensetzung des neuen Militärrates deutlich sichtbar. Der Gründer der Freien Syrischen Armee, der säkulare ehemalige Oberst der syrischen Luftwaffe, Riad al-Asaad, glänzt durch Abwesenheit. General Mustafa al-Sheikh, der erste seines Ranges, der zu den Rebellen überlief, fehlt ebenfalls. Sheikh ist für seinen heftigen Widerstand gegen die Muslimbruderschaft bekannt. Hussein Haj Ali, der ranghöchste bisher übergelaufene Offizier, war ebenfalls abwesend.

Laut Berechnung über den neuen gemeinsamen Militärrat eines Reuters-Berichts ergibt, dass die Muslimbruderschaft und ihre Verbündeten etwa zwei Drittel der 263 Männer ausmachen, die sich in Antalya trafen und das neue Gremium bildeten. Salafistische Kommandeure gibt es ebenfalls.

Der neue Rat wird von Brigadegeneral Selim Idriss angeführt, der als ein nichtideologischer Mann des Militärs beschrieben wird. Doch seine Stellvertreter, Abdel-basset Tawil aus dem Gouvernement Idleb und Abdel-qader Saleh aus dem Gouvernement Aleppo, werden mit dem salafistischen Trend in Verbindung gebracht.

Die Vorherrschaft der Muslimbruderschaft im neuen militärischen Rat spiegelt die führende Position der Bewegung im neuen zivilen Führungsorgan – der Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte – wider. Der Anführer dieser Koalition ist Ahmed Moas al-Chatib, ehemaliger Imam der Umayyaden-Moschee in Damaskus.

Chatib ist eng mit der Abteilung der Muslimbruderschaft in Damaskus verbunden. Der Anführer der neuen Koalition hat eine lange Geschichte von antisemitischen, antiwestlichen und antischiitischen Bemerkungen. Er ist auch ein Bewunderer des in Katar lebenden Predigers und Mitglieds der Muslimbruderschaft Scheich Yusuf al-Qaradawi.

Innerhalb des von Chatib geleiteten Gremiums kontrolliert die von der Muslimbruderschaft dominierte Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte rund 27 der 65 Sitze im Exekutivorgan der neuen Koalition. Es gibt auch unter den Nicht-SNC-Delegierten Islamisten und Mitläufer. Die Bruderschaft ist die bei Weitem am besten organisierte einzelne Körperschaft innerhalb der Koalition. Ein säkularer Delegierter warf der MB bei der ersten Vollversammlung der Koalition vor, sie „drängen mehr von ihren Falken in die Koalition, obwohl sie bereits die Hälfte der Sitze innehat“.

So bedeutet die Entstehung der Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte und des mit ihr verbundenen gemeinsamen Militärrates, dass der Westen und seine sunnitischen Verbündeten vor Ort nun eine von der Muslimbruderschaft beherrschte Koalition als Ersatz für das Assad-Regime unterstützen.

Die mit al-Qaida verbundene Organisation Dschabhat an-Nusra, nun von den USA als eine Terrororganisation bezeichnet, ist eine mächtige, dschihadistische Kraft vor Ort. Der Wunsch des Westens, diese Gruppe zum Tabu zu erklären, ist völlig verständlich. Doch der Versuch, sie als eine Art Buhmann im Gegensatz zu sogenannten „moderaten“ islamistischen Gruppen aufzubauen, hat wenig Grundlage in der Realität. Der Unterschied zwischen den Salafisten und den der Muslimbruderschaft verbundenen Gruppen ist einer des Grades, nicht der Art.

Beispielhaft dafür, hat die Bezeichnung durch die USA auf breiter Front zu einer wütenden Reaktion unter den syrischen Rebellen geführt. 29 Rebellengruppen haben nun eine Erklärung abgegeben, die besagt: „Wir sind alle Dschabhat an-Nusra“.

In ihre Wahrnehmung versuchten die USA den Kontakt mit den bewaffneten Rebellen zu vermeiden, nun aber beteiligt sein wollen, da sie einen Blick auf die Möglichkeit eines Sieges der Rebellen erhaschen. Die Dschihadisten von Dschabhat an-Nusra dagegen sind von Anfang an dabei gewesen und haben sich als eine der militärisch fähigsten unter den Rebelleneinheiten bewährt.

Diese Wahrnehmung stimmt weitgehend mit den Tatsachen überein.

Der Fokus der Medien auf Dschabhat an-Nusra kann übertrieben sein. Selbst diejenigen Medienberichte, die behaupten, sie spiele eine vorherrschende Rolle bei den Kämpfen, geben zu, dass sie nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtzahl der Rebellenkämpfer ausmacht (9 % ist eine oft zitierte Zahl, obwohl schwer nachvollziehbar ist, auf welcher Grundlage man an diese verdächtig präzise Zahl gelangt ist).

Der Fokus auf Dschabhat an-Nusra sollte nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die besser organisierten, nichtsalafistischen, einheimischen Elemente der Muslimbruderschaft, die von den USA unterstützt werden, nicht weniger antiwestlich und nicht weniger antijüdisch sind.

Könnten die Dinge anders liegen? Was Ägypten angeht, vielleicht, wenn der Westen die Risiken und Chancen zu Beginn klar wahrgenommen hätte. Dies hätte eine energische Politik der Unterstützung für eine nichtislamistische Opposition und Kampfelemente, die es gab, zur Folge haben können.

Ein Gegenargument dafür wäre, dass eine nichtislamistische Kraft, die beliebt und zudem in der Lage gewesen wäre, durch Engagement und organisatorische Kapazitäten mit der Muslimbruderschaft und den Salafisten zu konkurrieren, 2012 in der arabische Welt höchst unwahrscheinlich gewesen wäre. In jedem Fall ist niemals versucht worden und wird auch jetzt nicht versucht, diese Art der Politik zu betreiben.

Das Ergebnis ist, dass die Kräfte, die nun dem zurückweichenden Assad-Regime gegenüberstehen, zwischen unterschiedlichen Arten des sunnitisch-arabischen Islamismus gespalten sind, einige im Zusammenschluss mit dem Westen, einige in direkter Opposition, aber alle halten an grundlegend antiwestlichen Ideologien fest.

In Anbetracht der verloren gegangenen Lebensqualität in Syrien und der Präsenz von chemischen und biologischen Kriegsführungsprogrammen, die sich nun in der Nähe von islamistischen Terrorgruppen befinden, scheint es nicht übertrieben, sich eine Strophe aus dem berühmten Gedicht Percy Shelleys, „The Revolt of Islam“ („Der Aufstand des Islam“), ins Gedächtnis zu rufen: „ihre komplizierten Linien tauchten die Sonne des Orients in den Schatten … und überall wurde Finsternis, schrecklicher als die Nacht, auf den Boden gegossen.“

Originalversion: The Revolt of Islam in Syria by ©Jonathan Spyer. December 15, 2012. Zuerst veröffentlicht in der Jerusalem Post am 14. Dezember 2012.

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