Lesezeit: 3 Minuten

Eine neuste Umfrage zeigt, dass zum ersten Mal seit 2006 mehr Palästinenser aus dem Westjordanland den politischen Ansatz der Hamas gegenüber dem der Fatah und ihrem Parteivorsitzenden Mahmud Abbas unterstützen. Eine überwältigende Mehrheit der Palästinenser glaubt, dass das Ergebnis der jüngsten Eskalation zwischen der Hamas und Israel beweise, dass der bewaffnete Kampf den besten Weg zur palästinensischen Unabhängigkeit darstelle. Die 8-tägige israelische Operation Wolkensäule im November 2012 richtete sich gegen Terrorziele im Gazastreifen.

Die Umfrage führte das Arab World Research and Development (AWRAD) aus Ramallah durch, an der 1‘200 Palästinenser aus Gaza und dem Westjordanland teilnahmen. Die Umfrage sollte die politische Meinung unter Palästinensern im Nachgang der Operation Wolkensäule und des erfolgreichen UN-Antrags auf Nichtmitgliedsstatus von Abbas untersuchen.

Während beide Ereignisse von Palästinensern überwältigend als positiv gesehen wurden und beiden palästinensischen Parteien Popularität verlieh, sagten 42% der Befragten aus dem Westjordanland, das sie den Ansatz der Hamas bevorzugen würde, im Gegensatz zu nur 28%, die den Ansatz der Fatah favorisieren.

Interessanterweise sagten mehr Anwohner aus Gaza, 40%, dass sie den Ansatz der Fatah dem der Hamas, die über sie herrscht, bevorzugen. 37% der Gazaner sagten, dass der Ansatz der Hamas besser sei.

Während Abbas tendiert, eine Zwei-Staaten-Lösung durch Verhandlungen zu erreichen, weigert sich die Hamas – die international als Terrororganisation anerkannt ist – Israel anzuerkennen und schwört ewigen Jihad gegen die jüdischen „Ungläubigen“, die hier leben.

Eine überwältigende Mehrheit von 88% aller Befragten glaubt, dass das Ergebnis der Operation Wolkensäule beweise, dass der bewaffnetet Kampf das beste Mittel sei, um palästinensische Unabhängigkeit zu erreichen.

Die Umfrage hat einen weiteren Trend unter Einwohnern des Westjordanlands offengelegt: eine scharfe Abnahme der Unterstützung von Verhandlungen mit Israel.

Im Mai 2011 unterstützen 59% der Einwohner aus dem Westjordanland eine sofortige Rückkehr zu Verhandlungen mit Israel. Diese Zahl sank im Mai 2012 auf 52% und in der aktuellsten Umfrage drastisch auf 43% ab. Die Unterstützung von Verhandlungen blieb im Gazastreifen bei knapp 50% recht stabil.

Prof. Hillel Frisch, Experte für palästinensische Politik am Begin-Sadat Center for Strategic Studies an der Bar-Ilan Universität sei von den Umfrageergebnissen nicht überrascht gewesen, wenn man bedenkt, dass die Hamas als Sieger der Operation Wolkensäule wahrgenommen werde und die jüngste Entscheidung der israelischen Regierung, Steuergelder zurückzuhalten, die Israel im Namen der Palästinensischen Autonomiebehörde PA eingezogen hat.

„Palästinenser werden frustrierter und verlieren die Hoffnung auf Verhandlungen, „ sagte Frisch gegenüber der Times of Israel. „Sie wenden sich der Hamas zu, nicht weil es die Hamas ist, sondern weil sie die Bewegung ist, die gegen Verhandlungen mit Israel ist.“

Zum ersten Mal seit 2006 genehmigte die PA pro-Hamas Kundgebungen, die in der vergangenen Woche im ganzen Westjordanland stattfanden, um den 25. Jahrestag der Bewegung zu feiern.

Originalversion: 88 percent of Palestinians believe armed struggle is the best way to achieve independence by Elhanan Miller © Times of Israel, December 16, 2012.