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Am vergangenen Donnerstag wurde Palästina in der UN-Generalversammlung der Beobachterstatus als Nicht-Mitgliedsstaat zuerkannt – das ist genauso kompliziert wie es sich anhört. Ein Jahr zuvor hatte Mahmud Abbas, Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde PA, noch versucht, die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates für die unilaterale Deklarierung der palästinensischen Eigenstaatlichkeit zu erreichen. Doch der gescheiterte Versuch liess ihn, sehr geschickt wie sich nun bewiesen hat, seine Ambitionen zurückschrauben und für eine weniger bedeutende Form der Anerkennung auf Staatlichkeit lobbyieren. Details zum palästinensischen UN-Antrag und seine Auswirkungen können auf unserem Portal nachgelesen werden.

Die Schlagzeilen über Abbas Triumph strömten via Google Alert im Sekundentakt hinein und es war interessant zu beobachten, wie über diese Aufwertung medial berichtet wurde. Generell spiegelten die Schlagzeilen den komplizierten Status, den die Palästinenser erreicht haben, wieder; in einigen Fällen verliehen vereinzelte Medien Palästina eine weitere Aufwertung und verkündeten, Palästina habe die Staatlichkeit erreicht.

Die Basler Zeitung BaZ und der Tages-Anzeiger Online, obwohl sie die gleichen Nachrichtenagenturen (SDA und AFP) nutzen, vergaben den identischen Berichten unterschiedliche Titel:

BaZ – „UNO erteilt Palästina den Beobachterstatus“ und

Tages-Anzeiger Online „UNO erkennt Palästina als Staat an

Im Verlauf des Tages passte der Tages-Anzeiger seinen Titel jenem der Basler Zeitung an. Da Redaktionen die Freiheit besitzen, Agenturmeldungen zu bearbeiten und zudem frei in ihrer Titelwahl sind, kann man an dieser Stelle nur mutmassen, warum der Titel angepasst wurde.

Ihren Eigenbeitrag titulierte die NZZ „Palästina als Staat anerkannt“ und hält daran fest, auch wenn der Titel irreführend ist.

Im November 2011 führte die Gesellschaft Schweiz-Israel GSI ein Gespräch mit Martin Woker von der NZZ und Claudia Kühner vom Tages-Anzeiger, bei dem u.a. die Wortwahl und die Titelgebung in den Zeitungen hinterfragt wurden. Man sei sich der sprachprägenden Verantwortung der Medien nicht immer bewusst, äusserte Woker und Kühner verwies auf die redaktionelle Bearbeitung der Titel.

Aber auch für den SDA-Beitrag im St. Galler Tagblatt wählte  man einen irreführenden Titel: „UNO anerkennt Palästina als Staat“.

Andere Schweizer Medien schafften es wiederum, ihrer Leserschaft die Ereignisse in New York mit einer akkuraten Titelvergabe zu vermitteln:

 Mit einem overload an Berichterstattung und News, die alle paar Minuten per Alert eintreffen, hat sich auch das Leseverhalten verändert. Titel und Lead stehen im Kampf um die Leseraufmerksamkeit ganz oben. Sie sind die Information; somit muss eine Schlagzeile, ein Titel Wokers „sprachprägender Verantwortung der Medien“ Rechnung tragen.

Shana Goldberg und Sandra Hoffmann © Audiatur-Online