Foto Barry Hunau. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons.
Lesezeit: 4 Minuten

Gemäss einer weitverbreiteten Ansicht würden Teherans Stellvertreter im Libanon und in Gaza – die Hisbollah und die Hamas – gemeinsame Vergeltungsmassnahmen gegen Israel ergreifen, sollte es zu einem israelischen Angriff gegen den Iran kommen. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die Beteiligung dieser Gruppen – wenn überhaupt – nur  begrenzt sein würde. Die Hisbollah muss die bröckelnde Unterstützung, die sie vom geschwächten Assad-Regime erhält, bedenken, sowie die innerlibanesische Opposition zu ihrer Rolle bei einen militärischen Auseinandersetzung mit Israel. Hamas‘ jüngste Fehde mit dem Iran aufgrund ihrer fehlenden Unterstützung für das Assad-Regime könnte dazu führen, dass sie sich weigert, den Kampf gegen Israel zu assistieren.

Die Hisbollah repräsentiert eine iranische Präsenz im Libanon und verfügt über 80.000 Raketen, mit der sie Ziele in fast ganz Israel treffen kann. Es ist jedoch nicht eindeutig, ob und wie sie auf einen israelischen Angriff gegen den Iran reagieren würden. Eventuell wagt es die Hisbollah nicht, sich einem direkten Befehl zur Vergeltung aus Teheran zu widersetzen. Falls die Hisbollah Israel bombardierte, würde der jüdische Staat eine heftige Gegenoffensive mit dem Ziel lancieren, die Terrororganisation zu zerschmettern und Potenzial für Raketenangriffe reduzieren würde. Der Iran könnte ungewillt sein dieses Risiko einzugehen, insbesondere  da er Gefahr läuft, auch Syrien zu verlieren, was seinen Zugriff auf die Levante schwächen würde.

Derzeit versucht der Iran, das Assad-Regime über Wasser zu halten und könnte sich deshalb dazu entscheiden, seine Bemühungen in die Unterstützung Assads zu investieren, statt einen Krieg mit Israel vom Zaun zu brechen. Alternativ könnte der Iran aber auch Assad zu einem Angriff auf Israel ermutigen wollen, solange dieser dazu noch in der Lage ist, um damit die internationale Aufmerksamkeit von sich selbst abzulenken. Mit der Auflösung des Assad-Regimes würde die Hisbollah nicht nur einen wichtigen Alliierten verlieren, sondern hätte dann auch mit einem Erbfeind zu tun, den Sunniten in Syrien, sollten diese die Macht in Syrien erlangen.

Als Teil des Rachefeldzugs gegen die Assad-Unterstützer könnten die Sunniten mit hisbollahfeindlichen Elementen im Libanon zusammenarbeiten. Die Hisbollah muss ihre Ressourcen also eventuell für ihre bislang grösste Herausforderung aufsparen.

Israel hat mehrfach gewarnt, dass in einem Krieg mit der Hisbollah, die libanesische Infrastruktur bombardiert werden könnte. Daher könnte die Hisbollah, nach einem israelischen Angriff auf den Iran, von libanesischer Seite mit der nachdrücklichen Forderung konfrontiert werden, nicht auf Israel zu reagieren. Diese Forderung käme von den vielen Libanesen, die die Hisbollah und/oder den Iran hassen, sowie von denjenigen, die die Hisbollah tolerieren und sogar unterstützen, sich aber dagegen verwehren, ihr Land erneut in ein Schlachtfeld zu verwandeln.

Obwohl einige Hamas-Anführer die letzten Jahre in Damaskus verbracht und die Unterstützung der syrischen Regierung genossen haben, hat die Hamas es abgelehnt, dem Assad-Regime den Rücken zu stärken und verursachte damit ein Zerwürfnis zwischen der Hamas und Syrien, dem Iran. Folglich könnte die Hamas eine iranische Aufforderung ignorieren, in einen Krieg mit Israel zu intervenieren.

Die Hamas wird nicht unbedingt Israel provozieren wollen, dass in einen Konflikt mit dem Iran involviert ist. Selbst wenn sich Israel auf den Iran und die Hisbollah im Libanon konzentrierte, wären ausreichen israelische Truppen vorhanden, um zeitgleich die Hamas zu handhaben. Die internationale Aufmerksamkeit hat die Operation Gegossenes Blei 2008/2009 begrenzt. Sollte jedoch ein Konflikt zwischen Israel und dem Iran ausbrechen, würde jeder Zusammenstoss zwischen der Hamas und Israel zu einer unbeobachteten Nebenvorstellung, die es Israel ermöglichte, der Hamas einen verheerenden und uneingeschränkten Schlag zu versetzen.

Die Strategie der Hamas hängt davon ab, ob die arabische Welt, vornehmlich Ägypten und seine Muslimbrüder-Regierung, zur Rettung herbeieilen. Ägypten muss mit seinen Wirtschaftsproblemen fertig werden und könnte die Hamas davon überzeugen, keinen Krieg mit Israel zu führen, weil es fürchtet, darin verwickelt zu werden. Ägypten will nicht, dass die Hamas sich selbst oder gar Ägypten selbst, zugunsten des Iran einer Gefahr aussetzt, es sei denn, das diente vitalen ägyptischen Interessen wie etwa der Militarisierung des Sinai.

Ohne die Hamas bliebe dem Iran im Gazastreifen nur sein letzter Stellvertreter – der Islamische Dschihad. Diese Organisation ist zwar viel kleiner als die Hamas, aber sie könnte eine Reihe von Angriffen gegen Israel lancieren, um dadurch die Hamas in den Konflikt mithineinzuziehen. Die Hamas stünde zwischen den Fronten beim Versuch, einerseits den Islamischen Dschihad davon abzuhalten, einen Konflikt mit Israel zu initiieren, und andererseits auch nicht als schwach zu erscheinen.

Sollte Israel den Iran angreifen, wird sich die Hamas wahrscheinlich aus den Geschehnissen heraushalten. Die Hisbollah und ihre iranischen Patronen könnten wegen Syrien und der Sorge um die politische Zukunft zögern. Doch sogar in diesem Fall könnte die Hisbollah das Feuer auf Israel eröffnen, würde aber keinen uneingeschränkten Krieg beginnen. Die Kosten einer Vergeltung wären zu hoch.

Originalversion: Brothers in Arms: Would Hizballah and Hamas Join Iran in a War Against Israel? by Dr. Ehud Eilam © BESA Center, October 23, 2012.