Matthew Levitt vom The Washington Institute for Near East Policy. Foto Youtube
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Der US-amerikanische Hisbollah-Experte Metthew Levitt fordert Europa auf, stärker gegen die Terrororganisation vorzugehen.

Die Presse: Am Dienstag sind in den USA Präsidentenwahlen…

Matthew Levitt: Ach wirklich?

Steht zumindest in der Zeitung. Wen würde die Hisbollah wählen? Welcher Kandidat wäre besser für sie?

Gruppen wie die Hisbollah sehen keinen Unterschied zwischen Republikanern und Demokraten, aus gutem Grund: In vielen Punkten sind die USA ein tief gespaltenes Land, aber bei ein paar Themen gibt es doch Konsens, vor allem wenn es um Terrorismus geht. Wer auch immer nach der Wahl im Weißen Haus sitzt, an der US-Politik gegenüber der Hisbollah wird sich nichts ändern. Sie ist in den USA als Terrororganisation gelistet, und zwar alle ihre Arme. Gerade eben hat die Regierung die Hisbollah wieder gebrandmarkt, diesmal wegen ihrer Unterstützung des syrischen Assad-Regimes beim Abschlachten seiner eigenen Bürger. Sie stellen Scharfschützen und Waffen bereit und kämpfen an der Seite des Regimes.
Wenn ich ein Hisbollahi wäre und jetzt ganz privat mit ihnen spräche, würde ich mir aber wegen der Republikaner vielleicht mehr Sorgen machen, weil sie härter auftreten.

Sie meinen gegenüber Iran?

Generell in Sicherheitsfragen. Manche halten sie auch in der Iran-Frage für härter, aber auch die gegenwärtige Regierung hat sich spät aber doch sehr hart gegenüber dem Iran erwiesen, man liest halt nicht immer alles gleich in der Zeitung.

Zum Beispiel?

Aktionen wie „Olympic Games“, also den Cyber-Krieg gegen den Iran. Es sind nicht nur die Sanktionen wegen des Atomprogramms. Es gibt einige Dinge, wegen denen sich der Iran große Sorgen macht, etwa die Ermordung mehrerer wichtiger Nuklearwissenschaftler, und das erklärt zum Teil, warum der Iran und Hisbollah verstärkt auf Terror-Operationen im Ausland setzen: In Zypern, wo ein Hisbollah-Mann mit schwedischer Staatsbürgerschaft gerade vor Gericht steht, in Thailand, oder in Bulgarien, wo sie im Juli beim Anschlag in Burgas erfolgreich waren und sechs Monate vorher ein weiteres Attentat auf israelische Touristen in einem Ski-Ressort vereitelt wurde. Deshalb ist die Hisbollah so ein wichtiges Thema. Und weil die Gruppe die USA und Europa zur Geldwäsche nützt.

In den vergangenen Jahren hat sich die Hisbollah ja vor allem auf den Libanon und die Region beschränkt und weniger Aktionen im Ausland verübt…

Gut, dass Sie das sagen, das ist nämlich ein verbreiteter Mythos. Iran und Hisbollah haben sich wegen des „Kriegs gegen den Terror“ etwas zurückgehalten. Aber sie haben weiter Israel infiltriert, auch via Europa. Hussein Mikdad etwa, der 1996 einen Anschlag plante und dessen Bombe in seinem Hotelzimmer in Ostjerusalem hochging. Er sagte seiner Frau, er würde auf eine Dienstreise in die Türkei fahren und flog stattdessen über Damaskus nach Wien. Hier trafen er und ein Komplize am Bahnhof einen Hisbollah-Mann, der ihnen einen gefälschten britischen Pass übergab. Dann fuhr Mikdad von Wien nach Zürich, ging ein paar Tage am See spazieren und flog mit Swissair nach Tel Aviv. Dort machte er als „Tourist“ Fotos von möglichen Anschlagszielen. Die Israelis sind erst auf ihn aufmerksam geworden, als er sein halbes Hotel in die Luft sprengte….

weiterlesen:“Hisbollah kann Spenden sammeln, als wäre sie das Rote Kreuz„, Helmar Dumbs, diePresse.com, 05.11.2012

Matthew Levitt lehrt am Washington Institute for Near East Policy