Foto Hamed Saber. Licensed under CC BY 2.0 via Wikimedia Commons.
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In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung am 26. September versuchte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad die stürmischen Höhen des in den letzten Jahren Erreichten anzuheben – mit vorhersehbaren Faustschlägen gegen die Europäische Union, Israel und die USA. Doch stattdessen wirkte er wie ein abgehalfterter Schwafler, der nicht fähig ist, seinem Status eines lahmen Huhns und den unzähligen Problemen daheim zu entfliehen, wo er alle Hände zu tun hat mit einer sich verschlechternden Wirtschaft (die zum Grossteil von verschärften internationalen Sanktionen getroffen ist), einer andauernden internen politischen Spaltung und einer sich fortsetzenden öffentlichen Unzufriedenheit, besonders unter den Frauen.

Am vergangenen Wochenende war die Nachricht aus dem Iran in den Schlagzeilen, dass ein Kleriker vorgab von einer Frau schwer geschlagen worden zu sein, die er zuvor angewiesen hatte, sich zu verschleiern, weil sie eine „schlechte hijabi“ sei; das bedeutet, dass sie gemäss der strengen Kleidungsvorschriften des Landes nicht ausreichend verschleiert war. Die halb-offizielle Nachrichtenagentur Mehr berichtet, dass solche Angriffe von Frauen auf die Religionspolizei „nicht selten“ seien. Tatsächlich wurden einige solcher Angriffe auf YouTube eingestellt.

Obwohl die iranische Regierung ihre besten Anstrengungen unternimmt, scheint sie die Frauenbewegung nicht gänzlich unterdrücken zu können. Sie macht sie verantwortlich für viele Missstände, darunter die Unruhen, die das Land nach den umstrittenen Wahlen 2009 überflutet haben. (Im letzten Jahr hat sogar ein Kleriker Frauen, die unanständige Kleider tragen, für Erdbeben verantwortlich gemacht.) Aber die Regierung versucht es weiter.

Im Glauben daran, dass zu gut ausgebildete Frauen an der Wurzel des Problems der Regierung stehen, hat diese im Verlauf der vergangenen letzten Jahre still und leise Schritte unternommen, um den Zugang zur höheren Bildung für Frauen einzuschränken. Vorher machten Frauen knapp 60 Prozent der iranischen Studierenden aus. Mit Beginn dieses Semesters sind Frauen nun von etwa 77 Studiengängen an 36 iranischen Universitäten landesweit ausgeschlossen, unter den verbotenen Studiengängen befinden sich Nuklearphysik, Elektro- und Wirtschaftsingenieurswesen, aber es erstreckt sich auch auf Englische Literatur.

Zudem kündigte die Regierung zu Beginn des Jahres an, ihr zuvor umfassendes Familienplanungsprogramm abzuschaffen, indem geförderte Empfängnisverhütung aus dem Etat gestrichen würde, um die sinkende Geburtenrate des Landes umzukehren. Damals beschrieb der Oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei Geburtenkontrolle – die die Regierung jahrelang zur Drosselung der einst hohen Geburtenrate gefördert hat – als „falsch“.

Am Samstag warf das Regime Faezeh Hashemi ins Gefängnis, eine Anführerin der Frauenbewegung. Sie ist ehemalige Parlamentsabgeordnete und Tochter des früheren iranischen Präsidenten Akbar Hashemi Rafsanjani. Hashemi wurde für schuldig befunden, während eines Interviews im April 2011, „anti-staatliche Propaganda verbreitet zu haben“ und verbüsst nun eine sechs monatige Haftstrafe. Ihre Verurteilung beinhaltet zudem ein fünf Jahre dauerndes Verbot politischer und Medienaktivitäten. Ihr Bruder Mehdi Hashemi wurde am Montag ebenfalls verhaftet wegen ähnlicher politischer Gründe. Einige sagen, dass bestimme Hardliner die Hashemis verfolgen, um eine politische Involvierung ihres Vaters, der als gemässigte Person gilt, in die Wahlen 2013 zu verhindern.

Während sich die Welt auf das Nuklearprogramm des Iran konzentriert, werden Menschenrechte und insbesondere Frauenrechte vom Regime weiterhin herabgesetzt.

 

Vom CFR.org. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung. Für weitere Analysen und Blogeinträge über den Nahen Osten und Aussenpolitik, besuchen Sie CFR.org.

Originalversion: Iran’s Embattled Women by Isobel Coleman© Council on Foreign Relations, September 27, 2012. Deutsche Übersetzung © Audiatur-Online.

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