Christliche Kirche in Bagdad. Foto PD
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Das Pew Research Center hat jüngst eine beunruhigende neue Umfrage veröffentlicht. Diese beschreibt detailliert gesellschaftliche Spannungen – wie sie es nennt, die auf eine weltweit ansteigende Flut von staatlichen Einschränkungen religiöser Praktiken als auch von religiösen Differenzen angeheizt werden. Wie die New York Times schreibt, waren die staatlichen Einschränkungen in der Erhebungsperiode 2007 bis 2010 – den Jahren kurz vor dem Ausbruch der arabischen Aufstände Ende 2010 –im Nahen Osten und Nordafrika im weltweiten Vergleich am höchsten. Die Umfrage selbst deutet darauf hin, dass ab Mitte 2010 staatliche Einschränkungen in Hinsicht auf die Religion in den meisten der Länder der Aufstände in der arabischen Welt, darunter Tunesien, Ägypten und Jemen, stark oder sehr stark waren. Mit Religion verbundene gesellschaftliche Auseinandersetzungen waren weltweit am stärksten im Nahen Osten.

Während sich der Artikel der Times auf die wachsenden Spannungen und Repressionen im Nahen Osten konzentriert, zeigt die Umfrage bedauerlicherweise, dass es sich tatsächlich um ein globales Phänomen handelt. Gesellschaftliche Einstellungen und staatliche Einschränkungen haben sich in jeder der fünf Kontinente erhöht, einschliesslich in zwei Regionen, in denen die Einschränkungen zuvor rückläufig waren: die beiden Amerikas und das Afrika südlich der Sahara. Tatsächlich stellt sich heraus, dass rund drei Viertel der Weltbevölkerung in Ländern leben, die starke staatliche Einschränkungen in Bezug auf Religion haben oder in denen starke gesellschaftliche Auseinandersetzungen auf Religion zurückzuführen sind.

Um nicht den Eindruck zu erwecken, es würde hier um einen Fall „der Westen gegen den Rest der Welt“ gehen, zeigt die Umfrage, dass staatliche Einschränkungen bezüglich der Religion in Europa tatsächlich stärker sind als im Afrika südlich der Sahara. Ebenso sind mit Religion verbundene gesellschaftliche Auseinandersetzungen im Afrika südlich der Sahara geringer als sie es in Europa sind.

Die Pew-Studie bietet nicht wirklich eine überzeugende Erklärung für diese Phänomene. Sie weist auf erhöhte Intoleranz hin, wie das Verfassungsreferendum zum Verbot des Baus von Moscheeminaretten in der Schweiz oder die erzwungene Schliessung von Kirchen in Indonesien.

Auffällig ist, dass die Welt, während sie immer vernetzter wird, auch immer weniger tolerant gegenüber Religion und gegenüber religiösen Unterschieden wird. Vielleicht haben die erhöhte Vernetzung der Welt und die erhöhte Einfachheit des Personenverkehrs über die Grenzen hinweg Menschen und Regierungen defensiv und Unterschieden gegenüber ängstlich anstatt verständnisvoller gemacht. Unabhängig von der Ursache ist die Zunahme von staatlichen Einschränkungen bezüglich der Religion, angeführt vom Nahen Osten, eine sehr traurige und beunruhigende Entwicklung.

Originalversion: Religious Restrictions and Violence Growing Globally Led by the Middle East by Robert Danin © Council on Foreign Relations, September 22, 2012.