Beunruhigende Einzelheiten über Mohammed-Film

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Anti-Islam Film Proteste. Foto Firdaus Latif. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons.
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Im Zuge der gewaltsamen, sich nun über den gesamten Nahen Osten verbreitenden, antiamerikanischen Proteste, die der Amateurfilm Innocence of Muslims ausgelöst hat, treten nun Fragen über seinen Ursprung auf.

Zunächst wurde berichtet, dass der Film das Werk eines israelisch-amerikanischen Immobilienmaklers, Sam Bacile, sei, der 5 Millionen Dollar von jüdischen Spendern zusammengetragen habe. Doch nun scheint Bacile ein Pseudonym für einen aus Ägypten stammenden koptischen Christen sein zu können, der offiziell behauptet, das für die Produktion von Innocence of Muslims verantwortliche Unternehmen zu führen.

Der 56-jährige Nakoula Basseley Nakoula hat bestritten, Sam Bacile zu sein. Doch Nakoula, ein verurteilter Verbrecher wegen Bankbetrug, ist für die Verwendung mehrerer Alias-Namen bekannt, von denen viele auf seinem zweiten Vornamen, Basseley, beruhen.

Steven Klein, der sich selbst vage als ein Berater für diesen Film beschrieben hat, sagte am 12. September in einem Interview mit Reuters, dass Bacile in der Tat ein Pseudonym sei. Er brachte das Alias nicht direkt mit Nakoula in Verbindung und sagte nur, er sei sich über die wahre Identität des Filmemachers nicht sicher.

„Ich habe ihn zweimal getroffen. Ich weiss nicht, aus welchem Land er kommt. Ich weiss, dass er kein israelischer Jude ist“, sagte Klein. „Ich kann nur vermuten, dass er das zurückgewiesen hat, um seine Familie zu schützen, die, wie ich weiss, im Nahen Osten zurückgeblieben ist.“

Klein, ein ehemaliger US-Marine, der derzeit im Versicherungsgeschäft arbeitet, unterhält nach Angaben von Überwachungsorganisationen Verbindungen zu rechten christlichen Extremistengruppen. Er bestreitet die Behauptung.

Antimuslimische Unterstützer

Der Film hat Unterstützung von dem Prediger Terry Jones aus Florida erhalten, der durch wiederholte Drohungen, öffentliche Koranverbrennungen zu inszenieren, internationale Bekanntheit erlangt hat. Er und eine Handvoll Anhänger machten im April aus ihren Drohungen Ernst.

Jones, der behauptete, seinen Gemeindemitgliedern den Film Innocence of Muslims am Jahrestag des 11. September gezeigt zu haben, sagte, die arabische Gewalt zeige, dass Muslime „keine Toleranz für irgendetwas anderes als Mohammed“ hätten.

Klein deutete an, dass hinter Innocence of Muslims in den USA viele ansässige Immigranten stehen, die aus Ländern mit muslimischer Mehrheit vor Unterdrückung geflohen seien. Er sagte, die Menschen, die an dem Film mitgearbeitet haben, stammten aus Syrien, Pakistan, der Türkei, dem Irak und Ägypten, und darunter befänden sich auch „zwei oder drei koptische Personen“.

Christliche Kopten stossen in Ägypten, wo die jüngste Wahl von Mohammed Morsi der Muslimbruderschaft Beunruhigung unter den religiösen Minderheiten des Landes ausgelöst hat, auf zunehmende Feindschaft.

Die koptisch-orthodoxe Kirche Ägyptens hat den Film rasch verurteilt, und kritisierte am 12. September die Rolle der im Ausland lebenden Kopten, von denen sie behauptete, sie hätten „die Produktion eines Films, der den Propheten Mohammed beleidigt“, finanziert.

Tödliche Reaktion

Der abendfüllende satirische Film schildert das Leben Mohammeds, der als dümmlicher Charakter und Frauenhelden dargestellt wird, der bereit ist, den Koran falsch zu interpretieren, um ihn seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Trotz seiner fast lächerlich gestelzten Dialoge und seiner geringen Produktionsqualität hat der Inhalt des Films viele Muslime verärgert, deren Religion jeglicher körperlicher Darstellung des islamischen Propheten abschwört, geschweige denn einer Verspottung.

Am 11. September wurden während eines Protests gegen den Film bei einem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi der US-Botschafter in Libyen, Chris Stevens, und drei weitere Mitarbeiter des Aussenministeriums getötet, obwohl US-Beamte nun sondieren, ob der Angriff ein geplanter Terrorschlag war und Militante die Proteste als Deckmantel für ihren Angriff benutzten.

Klein machte „eine kleine Gruppe muslimischer Extremisten“ für den Angriff verantwortlich und nicht den Film. „Wenn ich mit Ihnen über diesen Film spräche, würden Sie rausgehen und jemanden töten? Nein. Würde die grosse Mehrheit der Muslime dies tun?“ fragte er.

„Würde ein sehr kleiner Bruchteil [von Personen], deren DNA, Genome, ihre Psyche, alles um dieses wahnsinnige Verhalten kreist – würden sie rausgehen und es tun? Ja. Sie würden es tun“, fuhr er fort. „Habe ich Blut an meinen Händen? Nein. Habe ich [Stevens] getötet? Nein.“

Proteste fegen durch die arabische Welt

Vor einigen Monaten gab es in einem einzigen amerikanischen Kino eine kurze und nicht gefeierte Vorführung des Films. Ein 12-Minuten-Trailer erschien später auf YouTube, aber erst, als vergangene Woche eine arabische Synchronfassung des Trailers auftauchte, zog Innocence of Muslims die Aufmerksamkeit von arabischen Demonstranten auf sich.

Die Proteste, die in Ägypten und Libyen begannen, haben sich seitdem auf den Jemen, Iran, Tunesien und den Gazastreifen ausgeweitet.

Ein in den USA ansässiger ägyptischer koptischer Christenaktivist, Morris Sadek, hatte in einem arabischsprachigen Blogbeitrag Werbung für diesen Film gemacht. Es ist nicht klar, ob er für die Distribution des Films an die ägyptischen Medien verantwortlich war, deren Berichte über das Video die Unruhen auslösten.

Google, Besitzerin von YouTube, sagt, es habe nun in den durch die Proteste betroffenen Ländern den Zugriff auf die Filmclips eingeschränkt.

Besetzung und Crew distanzieren sich von dem Film

Inzwischen haben sich viele der an Innocence of Muslims beteiligten Schauspieler gemeldet, und behaupten, sie seien durch Täuschung dazu gebracht worden, in dem Film aufzutreten, und dass ihnen die Absicht, den Propheten Mohammed zu verspotten, nicht bewusst gewesen sei.

Laut Erklärung einer Gruppe, die behauptet, die Film-Besetzung zu vertreten, seien sie für einen Film namens „Desert Warrior“, gecastet worden, der im Sommer 2011 in einer kalifornischen Kirche gedreht worden sei und dessen Drehbuch keinen Hinweis auf Mohammed enthalten habe.

Mehrere Schauspieler sagten, ihr Text sei später von anderen Schauspielern synchronisiert worden, um die Dialoge im Film zu verändern.

Weiter besagte die Erklärung, die Besetzung und die Crew hätten jegliche Verbindung zu dem Film abgebrochen und sie seien „grob über seinen Absicht und Zweck getäuscht“ worden.

Mit Berichterstattung von Reuters, AFP, dpa und AP

Originalversion: Unsettling Details Emerge About Controversial Muhammed Film © Radio Free Europe/Radio Liberty, September 13, 2012.

4 KOMMENTARE

  1. Denken wir doch bitte einmal an die unzähligen Hassvideos, die seit Jahren in den arabischen Ländern und in der Türkei gezielt gegen Juden und gegen Israel im TV laufen, denken wir auch an den grauenhaften antijüdischen Film „Das Tal der Wölfe – Palästina“, denken wir auch an den im Iran durchgeführten Karikaturenwettbewerb zum Thema Holocaust. Es wurde darüber diskutiert, sie wurden auch medial verurteilt, aber Blut floss deshalb keines. Und so soll es auch bleiben. Es gab keine globale jüdische und/oder israelische Protestwelle, und schon gar keine gewaltsame.

  2. Das Filmchen ist einfach nur dumm und billig. Wer immer es fabriziert hat, wollte provozieren. Und leider gibts genug Leute, die sich provozieren lassen – als gäbe es keine weitaus wichtigeren Probleme auf der Welt. Es gibt ähnlich billige Machwerke über Jesus. Wenn ich als Christ sie lästerlich finde, schaue ich sie eben nicht an.
    Aber wie ist das bei Euch Juden? Könntet Ihr Euch vorstellen, bei einem Film, der alles was Euch heilig ist, in den Dreck zieht, ruhig bleiben?

    • Richtig erkannt! Es gibt immer Menschen, die sich provozieren lassen, unabhängig von ihrer Religion. Und es gibt genauso Menschen, die bewusst andere provozieren wollen, wie mit diesem Film. Soll man diese Menschen einfach als krank abtun und links liegen lassen? Oder wie geht man mit solchen Provokateuren (aus allen Religionen) um?
      Wie Juden reagieren – und dazu noch alle in gleicher Weise wie Sie andeuten – wissen wir nicht. Da sollten Sie vielleicht beim SIG nachfragen. Als Dachorganisation der Schweizer jüdischen Gemeinden hat er vielleicht eine allumfassende Antwort darauf.

      • Ich finde schon, man sollte sowas ignorieren. Wir leben in einer freiheitlichen Gesellschaft und können, dürfen, müssen aus einem Überangebot herausfiltern, was uns taugt und was nicht. Aber dieses „Glück“ haben nicht alle…die sind Vorschriften gewohnt und können nicht verstehen, wenn sich irgendwo jemand nicht an diese Regeln hält. Mit Sicherheit haben 99% der Demonstranten gegen den Film nicht mal den Trailer gesehen (was auch kein Verlust ist).
        Solange man sich so einer unwerten Sache entziehen kann, ist Ignorieren sicher das beste. Aber wenn es wegen so einem Machwerk sogar Tote gibt, sollte sich der Verursacher als Mitverantwortlicher vor Gericht verantworten müssen. Freiheit ohne Verantwortung geht nicht.

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