United States Holocaust Memorial Museum. Foto AgnosticPreachersKid. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.
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Heute spricht Aussenministerin Clinton an einer Veranstaltung im U.S. Holocaust Memorial Museum, organsiert in Zusammenarbeit mit CFR und CNN, zum Thema Genozid-Prävention. Ich wünschte mir, ein grosses arabisches Land wäre der Gastgeber dieser Veranstaltung.

Letzte Woche besuchte ich die West Bank und Israel, wo ich verschiedene Personen jeder Couleur traf. In Gesprächen mit jungen Arabern war ich betrübt zu hören, dass Holocaustleugnung weiterhin ein Teil der normativen Denkweise vieler in einem solch wichtigen Teil der Welt ist. Ihre Beschwerden mit dem modernen Staat Israel sind real, aber dies gibt ihnen nicht das Mandat, die Geschichte umzuschreiben.

Schlimmer noch ist die Schizophrenie, zu bestreiten, dass des den Holocaust gab und gleichzeitig zu behaupten, dass „Hitler nicht alle Juden getötet hat, weil er einige verschonen wollte, damit die Welt sehen kann, wie diese in Israel mit den Arabern umgehen.“ Dieses Argument beinhaltet selbstredend die Idee, dass der Holocaust Teil einer Verschwörung zur Gründung von Israel war, und das Hitlers Taten gerechtfertigt sind.

Dies sind keine marginalen Verschwörungstheorien. Ähnliche Zurückweisungen des Holocausts hörte ich von nahöstlichen Spitzenpolitikern, Akademikern, Jugendleitern und Imamen. Dieses Virus ist so weit verbreitet, dass es sich auf in Europa lebende Muslime auswirkt. Mehrere Jahre lang weigerte sich der Muslim Council of Britain, am Holocaust Memorial Day teilzunehmen. Als Antwort auf dieses weit verbreitete Problem schrieb der prominenteste muslimische Gelehrte des Westens, Shaikh Hamza Yusuf, dass Holocaustleugnung gleichbedeutend sei wie die Leugnung der heiligen Schriften der Muslime. Genauso wie Muslime aufgrund von verlässlichen Berichten (mutawatir), welche die Geschehnisse im Arabien des siebten Jahrhunderts bestätigen, an die Hadithliteratur glaubten, seien wir verpflichtet, aufgrund von Augenzeugenberichte, vorhandenen Dokumenten und der Präsenz von Auschwitz und anderen Stätten an die Existenz des Holocausts zu glauben.

Solche Argumente, theologisch oder anderweitig, müssen unter Muslim im Osten erst noch vertreten werden.

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Nicht alle Araber folgten den desaströsen und schändlichen Führung des Muftis von

Jerusalem, Hajj Amin al-Husseini, der nach Berlin reiste, um die Nazis zu unterstützen. Andere Araber halfen Juden, dem Holocaust zu entkommen. Mein Freund Robert Satloff, Executive Director des Washington Institute for Near East Policy, dokumentiert diese Kapitel der Geschichte in seinem Buch Among the Righteous.

Das Holocaust Memorial Museum ist heute in der arabischen Welt von Nöten. Die Geschichten, die uns Rob Satloff erzählt, brauchen Wiederhall unter jungen  Arabern. Auch sie sollen stolz sein auf die Hilfe für verfolgtes Volk, den Nazis zu entfliehen. The Geschichte des Holocausts wird immer lehrreich sein um Genozide zu verhindern. Wo eine Rhetorik des Hasses akzeptabel wird, werden sich Politiker ihr in Windeseile bedienen.

Welche arabischen Länder werden Niederlassungen des Holocaust Memorial Museum in ihren Hauptstädten eröffnen?

Originalversion: Jews, Muslims, the Holocaust, and Israel By Ed Husain © Council on Foreign Relations. July 24, 2012. Deutsche Übersetzung © Audiatur-Online.

Zum Buch von Robert Satloff gibt es ebenfalls eine sehenswerte Dokumentation, die sich auf der Homepage von PBS (Public Broadcasting Service) in voller Länge anschauen lässt:  AMONG THE RIGHTEOUS – Lost Stories from the Holocaust in Arab Lands (Dauer: 55:07)

11 KOMMENTARE

  1. Und seien Sie bitte nicht so empfindlich. Ich schau mir nur die Fakten an. Und wenn das eine Ghetto dem anderen ganz fatal gleicht – das ist das doch ein Grund, darüber nachzudenken, oder? Ich bin jemand, der Gewalt nicht ausstehen kann, schon als Kind immer Streitschlichter war und immer auf der Seite der Schwächeren stand, auch wenn mir das Spott eingebracht hat.

    • Wir sind nicht empfindlich. Aber der Nazi-Vergleich hinkt an allen Ecken. Die Nazi-Politik verfolgte eine systematische Vernichtung und Ausrottung.

      • Wenn ich mir Ihre Seite so angucke, sehe ich doch sehr viel Selbstbeweihräucherung und herzlich wenig Selbstkritik. Schaut da und dort, da ist das Leben schrecklich, und die Leute da können uns nicht leiden – am schönsten und besten ist es doch in Israel. Dieses Credo leuchtet überall durch. Wie früher in den DDR- Medien, da wurde auch dauernd der strahlende Sieg des Sozialismus gepriesen und das Leben im Westen in den dunkelsten Farben geschildert. Irgendwie mußte uns doch glaubhaft gemacht werden, dass die Kapitalisten unsere Feinde seien.
        Ich mag solche Schwarzweißmalerei nicht. Sie ist auch gefährlich, wenn es dadurch zu einer völkischen=rassischen Überheblichkeit kommt.

        • Aber natürlich ist es in Israel am schönsten und besten, trotz der vielen Mängel, die es – leider – gibt! Sonst würden wir uns nicht so sehr dafür einsetzen. Wir sind uns aber sicher, dass der Libanon in der gleichen Liga spielt bzw spielen könnte, wenn es die Hisbollah dort nicht gäbe. Aber, irgendwas stört ja immer, um ein perfektes Gebilde zu haben…

      • Das Problem wird solange nicht gelöst sein, bis endlich die Frage nach dem völkerrechtlichen Existensrechts des Staates Israel offen, ehrlich und frei von jeglichen Repressalien und Drangaliereien seitens der ADL oder anderen ähnlich gearterten Institutionen erforscht und diskutiert werden kann.

        In der gesamten Zeitgeschichte haben die Juden immer unter den Völkern gelebt – Sie hatten nie Ihren eigenen Staat. Auch heute leben in Palästina Juden, die sich auch palästinensische Juden nennen, die den Staat Israel aus schärfste verurteilen und ebenfalls der Meinung sind, dass es den Staat Israel eigentlich nicht geben dürfte – oder zumindest nicht auf der Grundlage auf welcher er heute fusst.

        Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus, ist eine sehr interessante Quelle und es gibt da noch viele weitere die klar aufzeigen, was da unten abgeht und warum es das tut – zu gut deutsch: Kriegsverbrechen jeden Tag – anders kann man das nicht sagen. Natürlich sind die bösen Palästinenser bzw. Moslems daran schuld, weil die ja die Juden ausgelöscht sehen wollen – wer das glaubt, der soll, aber ich kann nicht, dazu funktioniert mein Hirn zu gut (zumindest nach meiner Meinung)!

        Zudem pachten Sie auch gern das Wort "Antisemitismus" um damit alle unliebsamen Gegner loszuwerden oder zumindest zu brandmarken/mundtod zu machen! Dabei sind nicht nur Juden Semiten – wer sich damit auseinandersetzt merkt, dass viele Völker (Syrien als Beispiel auch) Semiten sind – also wenn ich sage Assad und Syrien sind Terror Regime sind etc. dann bin ich ein kritischer Mensch – obowohl die ja auch semitischen Ursprungs sind – Hier fehlts irgendwie an sachlicher Logik!

        Ich selber hab die Erfahrung gemacht, dass Du teilweise (nicht alle, das sollte immer klar sein, aber in diesem Beispiel einfach sehr oft) Israeli's nicht kritisieren darfst, machst Du es trotzdem kommt schnell die Frage: "Sind Sie Antisemit? Haben Sie etwas gegen Juden? "

        Mir persönlich gibt das echt zu denken, denn zwangläufig läuft es auf das hinaus, dass man provokativ mal fragen dürfte: "Das 11. Gebot – Israel darf alles?"

        Ich denke viele Leute sitzen in dieser Thematik auf einem völlig falschen Pferd, und wenn man merkt, dass man ein totes Pferd reitet, sollte man absteigen – was ne alte Weisheit ist. Für mich ist folgende Aussage des berühmtesten Zeugen der gepriesenen Schrecklichkeit mehr als selbst sprechend für die Denkweise gewisser Israeli's, die Protagonisten sind in dieser Gesichte:

        Elie Wiesel, zitiert in Peter Novicks Buch "The Holocaust in American Life", 1999, S. 211
        "Der Holocaust ist ein heiliges Mysterium, dessen Geheimnisse auf den Kreis der Priesterschaft der Überlebenden beschränkt bleibt."

        Nietzsche: "Der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde" sag ich dazu nur noch!

        Ich leugne nicht, denn man kann nicht eine Sache leugnen, an welche man nicht glaubt – denn von Wissen können wir hier schon gar nicht sprechen. Da sind einfach viel zu viele offene Fragen. Auch nach 1000-enden von Seiten Literatur können diese nicht entkräftet werden, ausser mit dem abstrafen der Fragesteller – Ich persönlich finde das überhaupt nicht rechtsstaatlich, sondern höchst fragwürdig – Dissidenten (Leute die unliebsame Fragen stellen) werden weggesperrt ohne jegliche Grundlage!

        Ich kann mir auch denken, was für ein Wind mir jetzt von Euch dann entgegen wehen wird – wahrscheinlich gleich wie immer. Man zeigt sachlich, nüchtern ohne jeglichen böse Abicht die eigenen Erfahrungen, Entdeckungen und Arbeiten auf – ohne dabei irgendwelche Ziele zu verfolgen. Ich echauffiere mich einfach über die Zustände und Möglichkeiten heute Leute loszuwerden, wenn Sie nicht ins Schema passen – weil als Beispiel: Alle Revisionisten die ich kenne predigen weder Gewalt noch behaupten diese es habe keine Unrechte / Verbrechen gegeben, sie erzählen lediglich etwas über wissenschaftliche Aspekte oder gehen auf die Protagonisten ein.

        Wie gesagt, ich will nix zurück, nix wiederholen, nix verharmlosen, aber frei und offen darüber reden können, was zum Beispiel Wissenschaftler zu Tage fördern – ohne Angst haben zu müssen in die rechte Ecke gestellt zu werden – Denn dann folgen Verleumdungen, Beleidigungen und Unterstellungen die faktisch nicht bewiesen werden können.

        So hoffe ich auf ehrliche, sachliche und frei denkende Menschen zu treffen … Ansonsten dürft Ihr meinen Beitrag sowieso gleich wieder löschen – ich bitte sogar darum!

        Gruss
        Reto

  2. Ja sicher gab es den Holocaust an den Juden. Aber genau deshalb kann ich nicht begreifen, warum der Staat Israel fast alles an den Palästinensern wiederholt, was unter Hitler den Juden angetan wurde! Das ist ja grade das Schreckliche, dass jüdische Menschen genau so wenig lernfähig, human, demütig sind wie alle anderen. Dass auch das größte Elend dieses Volk nicht geläutert hat.
    Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg auch keinem andren zu.
    Und bedrücket nicht die Fremdlinge, die bei euch wohnen.

    • Die Politik der israelischen Regierung mit der von Nazi-Deutschland gleichzusetzen ist ein K.o-Kriterium für jegliche Diskussion. Unabhängig davon, was die israelische Politik falsch oder richtig macht, kann man ihr keine Systematik in der Verfolgung und Ausrottung der Palästinenser vorwerfen.

      • Wenn ich nicht Palästinenser kennen würde, würde ich es ja auch nicht glauben.
        Wenn – Menschen permanent und undifferenziert kriminalisiert werden
        – wenn Menschen vorgeschrieben wird, wo sie leben dürfen und wo nicht
        – wenn Menschen aus ihrer Heimat verbannt werden, weil sie nicht die passenden Gene haben
        – wenn Menschen sich nicht wagen, im Ausland zu studieren, weil sie nach einer gewissen Zeit ihr Rückkehrrecht verlieren
        – wenn Menschen eingemauert werden,
        – wenn sie dann auch noch hungern und auch sonst ihres Lebens nicht sicher sind,
        erinnert mich das schon an gewisse Ghettos.
        Es ist noch schlimmer, weil grade im Gazastreifen viele Menschen auch noch von der Hamas unterdrückt werden. Wissen Sie denn nicht, wie es überhaupt zum Wahlsieg der Hamas kommen konnte? Viele Palästinenser haben sich auf deren markige Reden verlassen, hofften auf Schutz vor den Israelis. Aber nicht alle. Mittlerweile hätten die meisten die Hamas gern los. Deswegen ist es wichtig, demokratisch Gesinnte zu unterstützen.

        • Sie haben vollkommen Recht, dass demokratisch Gesinnte unterstützt werden müssen. Warum erfahren diese Gruppen und Personen jedoch oftmals nur so wenig Rückhalt aus ihren eigenen Reihen, die ein demokratisches Model verfolgen? Warum hat Ministerpräsident Salam Fayyad -leider- so wenig Unterstützung in der PA?

          • Nun, das ist leider in jedem Krieg so, dass diejenigen, die lieber mit dem Gegner reden wollen als ihn mit Gewalt zu bekämpfen – als Kollaborateure angesehen werden. Ist schwierig mit einem Gegner auf Augenhöhe zu verhandeln, wenn der bis an die Zähne bewaffnet ist und diese Waffen auch regelmäßig einsetzt – und dabei noch vor den eigenen Leuten glaubwürdig zu bleiben. Was war zuerst, Ei oder Huhn; was muss zuerst sein – Gewaltverzicht oder Verhandlungen mit dem Ziel eines einigen, demokratischen Landes?

          • Ah, Sie plädieren weiterhin für einen gemeinsamen Staat. Sie haben uns noch nicht verraten wie dieser heissen soll oder realistisch gesehen heissen könnte, der alle Involvierten zufrieden stellt.

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