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Jahrhunderte lang lebten im Nahen Osten zahlreiche religiöse, konfessionelle, ethnische Gruppen, Sekten und Stämme  friedlich nebeneinander – trotz aller ihrer Verschiedenheit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden nationale und patriotische Ideologien  säkularer Eliten zur Basis des modernen arabischen Staates. Diese Ideologien bemühten sich, Unterschiede zu marginalisieren und die Idee einer geeinten Nation zu fördern, zu der die Gleichheit  aller Bürger des Staates unabhängig von religiösen Unterschieden gehört. In revolutionären Staaten wie Ägypten, Syrien, dem Irak, Libyen, Jemen und dem Sudan fielen diese Ideologien auf fruchtbaren Boden; und Monarchien wie Jordanien, Marokko und Saudi-Arabien nutzten die Loyalität zum Königshaus zur Einigung der Gesellschaft. Im Laufe der letzten vier Jahrzehnte jedoch hat die nationale Ideologie allmählich ihre Attraktivität eingebüsst, als die Staaten zu Diktaturen wurden und nicht in der Lage waren, eine stabile Wirtschaft, individuelle Sicherheit, Fortschritt , Arbeit, Bildung, Wohlstand sowie ein soziales und Gesundheitssystem für die Mehrheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Fehlschläge in den arabischen Kriegen gegen Israel – insbesondere die beschämende Niederlage im Sechstagekrieg 1967 – trugen zu dem überwältigenden Gefühl bei, der arabische Nationalismus habe seine vordringliche Mission, das Auslöschen der „zionistischen Einheit“, nicht erfüllt. Daraufhin haben viele im Nahen Osten in den nationalen und patriotischen Ideologien nicht mehr als ein Feigenblatt über der diktatorischen Natur der Regimes gesehen. Auf der Suche nach einer ideologischen Alternative wandten sich viele zum Islam, der eine gottgewollte Lösung für individuelle, familiäre und soziale Probleme verspricht. […]

Die christlichen Gemeinden im Nahen Osten brachte der Untergang der säkularen und egalitären Ideologien zusammen mit dem Wiedererstarken eines religiösen Islams und dem Groll gegen christliche Staaten des Westens, in eine prekäre Situation: sie wurden für die Probleme des Nahen Ostens zum Teil verantwortlich gemacht. Die Geschichte des Kampfes gegen den Kolonialismus, der Muslime und Christen insbesondere in Ägypten und Syrien verbunden hatte, geriet in Vergessenheit. Statt ihrer hatten religiöse Engstirnigkeit und sektiererischer Extremismus das Sagen. Im Irak sah sich die christliche Minderheit nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein in einem gesetzesfreien Raum der Wut und Frustration der muslimischen Mehrheit ausgesetzt, die auf den Zerfall der Sicherheit im Land mit Wellen blutigen Terrors reagierte. Der religiöse Extremismus schiitischer wie sunnitischer Herkunft richtete sich gegen ein schwaches Element der irakischen Gesellschaft, die friedliche und relativ kleine christliche Minderheit.

Die Broschüre „Die Situation der Christen im Nahen Osten in den Jahren 2006 – 2011“ von Dr. Mordechai Kedar kann kostenfrei (Schweiz) bezogen werden. Bei Interesse senden Sie uns bitte eine Email an info@audiatur-stiftung.ch

 

 

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