Der iranische Vizepräsident Mohammad-Reza Rahimi. Foto Parmida76, flickr | CC-BY 2.0

Weshalb ist es von Bedeutung, dass der Vizepräsident des Iran ein Forum der Vereinten Nationen dafür genutzt hat, eine erschreckende antisemitische Rede zu halten?

Dies geschah am Dienstag, den 26. Juni in Genf, wie die New York Times berichtete. Vizepräsident Mohammad Reza Rahimi gab „Zionisten“ die Schuld am weltweiten Drogenhandel, zitierte den Talmud und liess seine Zuhörer auf der Antidrogenkonferenz schockiert zurück.

Dieses Ereignis ist von Bedeutung, weil es uns daran erinnert, dass die Annahmen, die hinter den Atomverhandlungen mit dem Iran stehen, im besten Fall fragwürdig sind. Diese Annahmen beinhalten eine Spiegelung, zu glauben, dass das iranische Regime „rationale“ Berechnungen machen wird, wie es die Regierungen der EU und USA an seiner Stelle machen würde. Legen wir dem Iran Sanktionen auf, reduzieren wir seine Einkünfte aus dem Ölgeschäft, dann schaden wir seiner Wirtschaft, und mit Sicherheit werden der Oberste Rechtsgelehrte und seine Berater so reagieren wie wir auch reagieren würden und Kosten und Nutzen des Atomprogrammes nahezu mathematisch abwägen.

Dann kommt Herr Rahimi und lehrt uns, dass Mathematik vielleicht nicht das beste Mittel ist, die politischen Entscheidungen des Iran vorherzusagen. Wie berücksichtigen wir den irrationalen Hass auf Juden? Wie wägen wir einen tiefen Wunsch, den jüdischen Staat zu zerstören, ab? Wie berechnen wir die Wirkung von Überzeugungen, die uns im Westen absurd, irrsinnig, unmöglich erscheinen? Oder eine bessere Frage: Wie urteilen Israelis über diese Dinge? Wie uns viele Historiker – zuletzt Andrew Roberts in The Storm of War, seiner grossartigen Geschichte des Zweiten Weltkrieges – in Erinnerung gerufen haben, sind einleuchtende Berechnungen oft nicht vorhanden, wird Staatskunst oft durch ideologische Obsessionen beiseitegeschoben, ist Hass stärker als rationale Berechnungen. Nur weil wir es für irrational von iranischen Funktionären halten, solche Reden zu halten oder ihre Wirtschaft zu ruinieren, um an Atomwaffen zu gelangen oder Israel zu bedrohen, heisst das nicht, dass solche Dinge nicht geschehen und nicht geschehen werden. Während man am Konferenztisch sitzt, mögen sie unwahrscheinlich oder unmöglich erscheinen, aber die Rede Rahimis kann eine bessere Anleitung für die iranische Aussenpolitik sein als die bei diesen Sitzungen gesprochenen Worte.

Originalversion: The Voice of Iran by Elliott Abrams © Council on Foreign Relations. June 27, 2012. Deutsche Übersetzung © Audiatur-Online.

 

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