Lesezeit: 4 Minuten
Das Emblem der Muslimbruderschaft

Die New York Times berichtete am Wochenende, dass die Muslimbruderschaft, eine aufsteigende Kraft im Ägypten nach Mubarak, Druck auf seine Verbündeten bei der Hamas ausübe: diese solle das Notwendige dazu beitragen, dass ihr Einheitspakt mit der Fatah funktioniert. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Bruderschaft mit dem Versuch, die Terroristenbewegung zu einem Beitritt zur Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) zu bewegen, die Sache des Friedens vorantreibe. Doch die Annahme, die Fatah oder eine neuerdings moderate Hamas sei tatsächlich an der Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit Israel interessiert, entbehrt jeder Grundlage.

Die Times glaubt der Behauptung der Bruderschaft, ihre Bemühungen im Hinblick auf eine Partnerschaft ihres Verbündeten in der PA sei ein Zeichen dafür, dass sie sich von ihren fundamentalistischen Wurzeln weg- und weiterentwickelt habe. Anstatt ihr Ziel allein in der Zerstörung Israels und einem unaufhörlichen Krieg mit dem Westen zu sehen, versuchen diese islamistischen Parteien, Einfluss in den bestehenden arabischen Institutionen wie der ägyptischen Regierung und der PA zu gewinnen. Das ist in der Tat eine Weiterentwicklung in dem Sinne, dass die ägyptische Partei eine differenziertere Herangehensweise an die Erlangung von Macht verfolgt. Daraus zu schliessen, das endgültige Ziel dieser Taktik sei der Frieden, ist allerdings ein Fehler.

Das langfristige Ziel der Bruderschaft ist genau wie das der Hamas immer noch die Auslöschung Israels. Doch sie weiss, dass dies nicht realistisch ist, selbst wenn die ägyptische Armee ihr loyal wäre – deren Zustimmung braucht sie, um ihren Zugriff auf einen Teil der Macht in Kairo festigen zu können. So versucht sie also, Ägypten zu regieren und der grössten arabischen Nation ihre Ideologie aufzuzwingen. Und ihr Rat an die Hamas, ebenso vorzugehen, erfolgt in der Annahme, dass ihr Verbündeter die Fatah früher oder später an den Rand drängen wird.

Das letzte, was die Bruderschaft gerade jetzt brauchen kann, ist darum, dass die Hamas Ägypten in einen Konflikt verwickeln könnte, den die Armee des Landes um jeden Preis vermeiden will. Was sich aber abspielt, ist nicht der Übergang zu einer Ära neuen Friedens. Das klare Ziel ist vielmehr ein Bündnis islamistisch orientierter arabischer Länder, in dem sowohl Gemässigte als auch Liberale nicht mehr das Sagen haben.

Die Charmeoffensive seitens der Bruderschaft bezweckt, die USA wie auch die Europäische Union über der Frage nach der Anerkennung der Hamas und ihrer Bezeichnung als „Terroristengruppe“ von Israel abzulenken. Hinter diesen Bemühungen steht die irrige Vorstellung, dass die palästinensische Einheit eine notwendige Voraussetzung für den Frieden mit Israel sei. Diejenigen, die die USA dazu drängen, die Hamas anzuerkennen, argumentieren, ihre Einbeziehung in die PA und die Unterstützung der Muslimbruderschaft schaffe eine Situation, in der es einen palästinensischen Konsens für den Frieden geben werde. Doch dass die Hamas, ermutigt durch die Bruderschaft, jetzt sagt, dass sie einen Staat in den Grenzen von 1967 anerkennen würde, bedeutet noch nicht, dass sie die Legitimität eines jüdischen Staates auf der anderen Seite der Grenze jemals anerkennen werden.

Vielmehr scheinen sowohl die Hamas als auch die Bruderschaft zu dem Schluss gekommen zu sein, dass sie viel zu gewinnen haben, wenn sie eine Situation fördern, bei der sie politische Macht in den Gebieten übernehmen, während sie den Zustand der Bewaffnung beibehalten. Tatsächlich könnten viele in Israel bereit sein, eine von der Hamas dominierte PA unter der Voraussetzung zu akzeptieren, dass grenzüberschreitende Gewalt auf ein Minimum beschränkt bleibt.

Die USA sollten sich von dieser Änderung der Taktik nicht täuschen lassen. Die Festigung der Macht sowohl in Kairo als auch in Ramallah durch islamistische Parteien rückt einen wahren Frieden in genauso weite Ferne, wie sie die Interessen der USA untergräbt. Ein von der Bruderschaft dominiertes Ägypten bedeutet, dass dieses Land nicht länger zu den arabischen Gemässigten gehören und ein verlässlicher Gegner der USA werden wird. Eine PA, in der die Hamas die Oberhand hat, wird es mit sich bringen, dass sich das Zufluchtsgebiet für Terroristen vom Gazastreifen nun auch auf das Westjordanland ausdehnen und so für noch grössere Instabilität in der Region und eine Bedrohung Jordaniens sorgen wird.

Es gibt vielleicht nicht viel, was die Obama-Regierung tun kann, um die Situation in Ägypten zu jetzt noch zu retten; aber es ist nicht zu spät, um zu verhindern, dass das Westjordanland zu einer weiteren Hochburg der Islamisten wird. Genau das wird allerdings passieren, wenn die USA ihren Entschluss, das Kontaktverbot zur Hamas fortzusetzen, aufweicht.

Originalversion: Is the Brotherhood moderating Hamas? by Jonathan S. Tobin © Commentary, March 26, 2012.