Claudia Kühner sorgt sich wieder um Israel

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Ihren letzten Beitrag im Tages-Anzeiger überschreibt Claudia Kühner mit „Auf dem Weg zum Gottesstaat“ (21.01.2012). Ohne Fragezeichen. Wer gedacht hat, dass Sie über Ägypten oder den Gazastreifen informiert, sieht sich damit konfrontiert, dass es mal wieder um Israel geht, und zwar um eine angeblich „grundsätzliche Fehlentwicklung von Staat und Gesellschaft“ dort. Dass Israel auf dem Weg zur Theokratie wäre, ist jedoch ziemlich abwegig, um nicht zu sagen jeglichen nüchternen politischen Urteils bar. Dass es in Israel Konflikte ähnlich denen gibt, die wir in Europa mit den sogenannten Parallelgesellschaften haben, ist zuzugeben. Und eine soziologische und politologische Analyse dazu wäre interessant gewesen. Nur käme deswegen, weil es ultrareligiöse Kräfte in London und Berlin gibt, keinem in den Sinn zu behaupten, Grossbritannien oder Deutschland wären auf dem Weg zum Gottesstaat. Und auch für Israel gilt, dass die säkularen und demokratisch-rechtsstaatlichen Institutionen funktionieren – auch ohne geschriebene Verfassung.

Frau Kühner geht es leider schon lange nicht mehr um faire und aufklärende Berichterstattung aus Israel. Und so problematische Vorfälle wie kürzlich die mörderische Hetze des Mufti Muhammad Hussein gegen alle Juden finden für sie nicht statt.  So erhält alles, was sie so besorgt zu Israel schreibt, immer einen Unterton der Denunziation. Schade – denn sie konnte es mal anders.

 

Ekkehard W. Stegemann

1 KOMMENTAR

  1. Dass Claudia Kühner heute anders schreibt als noch vor Jahren, ist nicht bedauerlich und kann kein Anlass zu einem Vorwurf sein. Die Situation in Israel hat sich in den letzten Jahren ja auch fundamental verändert, oder, präziser ausgedrückt, deutlich zum Negativen gewendet. Die Kombination Netanyahu/Lieberman ist, wenn sich nicht sehr bald was ändert, der Beginn des traurigen Endes von Israel, wie es heute noch existiert. Der Einfluss der Ultra-Orthodoxen wächst, die Konzessionen von Regierungsseite an sie nehmen – mit dem Ziel der Machterhaltung – spürbar zu. – Zum Glück gibt es Journalisten und Journalistinnen, die ein Sensorium für Veränderungen haben und die sich nicht scheuen, auch ihre Beurteilungen zu ändern. Alles andere wäre dumm und/oder stur und so oder so falsch.

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