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Foto: © istock/Mihajlo Maricic

Sollte Israel pro-palästinensische Manipulateure von Nachrichten behandeln, als wären sie seriöse Journalisten? Und sollten sie, weil sie für angeblich angesehene Medien arbeiten, die gleichen Privilegien erhalten? Warum sollte man den Verbündeten seiner Feinde entgegenkommen? Nach der neusten Studie zur Voreingenommenheit der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber Israel, die von Professor Henry Silverman von der Roosevelt University in Chicago durchgeführt wurde, stellen sich diese Fragen einmal mehr.

In seiner Studie hat Silverman fünfzig Nachrichtenbeiträge über den Nahen Osten untersucht und kommt zu einem vernichtenden Urteil über die „objektive“ Nachrichtenagentur: die Reuters-Berichterstattung über den Nahost-Konflikt ist „systematisch tendenziös und beeinflusst den Leser zur einseitigen Stellungnahme zugunsten der Palästinenser und der arabischen Staaten gegen Israel.“

Die Kriterien von Silvermans Analyse sind: Berichterstattung, ethisches Versagen, Propagandamittel und Trugschlüsse. Da es bei Reuters ein Regelhandbuch für Reporter gibt, wurde dieser Leitfaden ebenfalls als Kriterium zugezogen. In den untersuchten Artikeln hat Silverman mehr als 1.100 Beispiele für eine fehlerhafte Berichterstattung feststellen können. Das ergibt im Durchschnitt 22 Fehler in relativ kurzen Beiträgen. Im Anschluss an seine Analyse hat Silverman diese Artikel Studierenden zu lesen gegeben, die dem Nahostkonflikt gegenüber neutral eingestellt waren. Nach der Lektüre der voreingenommenen Artikel hat sich ihre Einstellung pro-palästinensisch verschoben.[1]

Der britische Prozessanwalt Trevor Asserson, der in Israel lebt, hat vor einigen Jahren die BBC-Berichterstattung untersucht, allerdings mit einem anderen methodischen Ansatz. Der Nachrichtensender BBC wird von der britischen Regierung erheblich subventioniert und geniesst einige wichtige Monopolstellungen. Er agiert unter einer Regierungs-Charta mit 15 rechtlichen Verpflichtungen;  zu ihnen zählen Fairness, Respekt für die Wahrheit, Richtigkeit, Übereinstimmung mit den grundlegenden Prinzipien der Demokratie, keine eigene Meinungsmache bei der Berichterstattung zu aktuellen Themen oder öffentlichem Vorgehen, dass gegensätzliche  Ansichten richtig dargestellt werden und Hörer und Zuschauer nicht einfach die persönliche Meinung des Reporters zu hören bekommen.

Asserson hat verschiedene BBC-Programme über den Nahen Osten mit diesen Verpflichtungen der Charta verglichen. Analysiert wurden alle Dokumentarsendungen über den Nahen Osten, die von Ende Juni 2002 bis 2004 auf BBC und BBC 2 ausgestrahlt wurden. „Dass die BBC alle zwei bis drei Monate israelkritische Dokumentationen ausgestrahlt hat, kommt einer Kampagne zur Herabwürdigung Israels gleich“, so Asserson, „88 Prozent der Dokumentationen über den israelisch-palästinensischen Konflikt zeichnen entweder ein negatives Bild über Israel oder (in zwei Fällen) ein positives Image der Palästinenser.“  „Darüber hinaus gibt es ein systematisches Problem mit dem Beschwerdesystem der BBC“, so Asserson.

Zusammenfassend sagte er: „Die Nachrichtenberichterstattung der BCC zu Israel ist verfälscht durch Unterlassung, durch Einbindung, durch Teilfakten, durch den Interviewten, und durch die Hintergrundinformationen oder ihr Fehlen. Nur mit einer sachgerechten forensischen Analyse war es möglich, das faktisch zu begründen. Ich habe die Berichte so vorbereitet, wie ein Richter Beweise vor Gericht vorgetragen haben möchte.”[2]

Manipulation von Nachrichten geschieht ausserdem durch selektive Veröffentlichung von voreingenommenen Gastbeiträgen. Erst kürzlich hat der israelische Ministerpräsident Netanyahu die Anfrage, einen Gastbeitrag für die New York Times zu schreiben, „hochachtungsvoll abgelehnt“. In seinem Schreiben an die Tageszeitung zitierte Netanyahus Chef-Berater Ron Dermer die Mahnung des verstorbenen Senators Patrick Moynahan, dass „zwar jeder ein Anrecht auf seine eigene Meinung hat, aber niemand das Recht auf seine eigenen Tatsachen.“

Dermer wies darauf hin, dass die NYT einen Artikel des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas mit falschen historischen Tatsachenbehauptungen veröffentlicht hatte, die leicht hätten überprüft werden können und auch sollen. Auch hat Dermer Gastbeiträge in der NYT und der International Herald Tribune der letzten drei Monate analysiert; neunzehn von zwanzig Beiträgen waren negativ.[3]

Wenn schon drei Medienorgane der professionellen Elite Manipulation und Propaganda einsetzen, was ist dann von anderen zu erwarten? Es besteht die Notwendigkeit einer grösser angelegten Studie zur äussert zweifelhaften Ethik des zeitgenössischen Journalismus. Israel bietet sich als geeignetes Untersuchungsobjekt für solch einen Musterprozess an.

In der Zwischenzeit muss Israel jedoch handeln. Es ist an der Zeit, einen Medienausschuss der Knesset zu gründen, der dieses komplexe Thema aufgreift und die Regierung zur Verantwortung zieht, wenn diese Verfälschern unter Journalisten entgegenkommt. Pressefreiheit ist eine Sache. Aber mit Hilfe der Regierung den Feind zu unterstützen, ist etwas völlig anderes. Man sollte Minister fragen, warum bestimmte Journalisten –  palästinensische und arabische Propagandisten – Privilegien geniessen. Sollen sie sich doch ohne die Privilegien einer Pressekarte durchschlagen. Im physischen Kampf gegen Israel suchen Anführer nach Lösungen und finden diese auch. Der gleiche Ansatz sollte auch für den Propaganda-Krieg gelten.

 

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Aufsichtsratsvorsitzender des Jerusalem Center for Public Affairs.


[1] Henry Silverman, “Reuters: Principles Of Trust or Propaganda,” The Journal of Applied Business Research – November/December 2011 Volume 27, Number 6

[2] Manfred Gerstenfeld interview with Trevor Asserson, “The BBC: Widespread Antipathy Toward Israel,” in Israel and Europe: An Expanding Abyss,” (Jerusalem: Jerusalem Center for Public Affairs, The Adenauer Foundation, 2005) 194.

[3] “PM adviser’s letter to ‘New York Times,’ The Jerusalem Post, 18 December 2011.

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2 KOMMENTARE

  1. Gut, wenn kritische Beobachter die Nahost-Berichterstattung in englischsprachigen Medien analysieren und Einseitigkeit und Voreingenommenheit anprangern. Doch immerhin messen sich diese Medien selbst am Massstab der Objektivitaet. Die Journalisten deutschsprachiger Medien haben fuer Objektivitaet nur ein muedes Laecheln uebrig, denn diese "gibt es bekanntlich nicht". Auch die Unterscheidung zwischen Tatsachen und Meinungen sei muessig, so die allgemeine Ueberzeugung. Fehlen erst die Massstaebe, dann greift jede Kritik ins Leere. Wirklichen Handlungsbedarf gibt es bei uns.

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