Nach den Reaktionen auf den Terroranschlag herrscht  „Wut der Ägypter auf Israel“. Der Hintergrund ist bekannt: Israelische Sicherheitskräfte haben palästinensische Attentäter, die vom Sinai aus in den Norden Eilats eingedrungen sind und 8 Menschen ermordet, 30 verletzt haben,  verfolgt. Im Zuge dessen sind auch ägyptische Sicherheitskräfte ums Leben gekommen. Dieser Vorgang hat zu diplomatischen Spannungen und antiisraelischen Manifestationen in Kairo geführt. Bisher sind die Umstände des Todes der ägyptischen Sicherheitskräfte  noch nicht zweifelsfrei geklärt. Der israelische Verteidigungsminister hat sich entschuldigt und eine Untersuchung des Vorfalls angeregt.

Die Unterschlagung von Tatsachen

Tatsächlich ist schon länger zu beobachten gewesen, dass die Sicherheitslage auf der Halbinsel nach dem Sturz Mubaraks prekär geworden ist. Manche sprechen deshalb davon, dass der Sinai in Anarchie zu versinken oder gar eine Basis für Terroristen zu werden drohe – wie einst Afghanistan für Al-Quaida. Die zahlreichen Anschläge auf die wirtschaftlich für Ägypten ungemein wichtige Gas-Pipeline im Sinai während dieses Jahres sprechen auch eine eindeutige Sprache. Die Gefahr, die vom Sicherheitsvakuum nicht nur für Israel, sondern nicht zuletzt für Ägypten selbst ausgeht, ist immens. Auch die ägyptische Militärjunta weiss das und hat deswegen mit Israel ausgehandelt, dass trotz des Friedensvertrags von Camp David 1979, das in Washington unter Zeugnis von Präsident Carter unterzeichnet wurde, die ägyptische Armee im Sinai offensiver operieren könne. Der Friedensvertrag stellt allerdings die „volle Souveränität“ des ägyptischen Staates über den Sinai fest, begrenzte aber die militärische Präsenz aufgrund der Einteilung in bestimmte Zonen. Das ermöglichte Israel, seine militärische Präsenz im gesamten Gebiet des Sinai zu beenden. (vgl. Israels Abzug aus dem Sinai 1979 – 1982)

Noch im Februar hat Israel zugestimmt, dass ägyptisches Militär über die vereinbarte Präsenz im Sinai hinaus zum Schutz der Gas-Pipelines aufgestellt werden könnte. Und mit der Zustimmung Israels hat eine massive Militäroperation von etwa 1000 Soldaten und Hunderten von Kriegsfahrzeugen – „Operation Adler“ benannt –in diesem August stattgefunden. Israel hat sich also keinesfalls darauf versteift, dass das Abkommen von 1979 buchstäblich eingehalten werden muss, sondern sich hinsichtlich der Sicherheitslage äusserst flexibel verhalten. Gleichwohl haben palästinensische Terroristen den Weg gefunden, vom Sinai aus auf israelisches Territorium einzudringen – womöglich unter den Augen ägyptischer Sicherheitskräfte.

Frau Frefel

Und nun kommen wir zu Astrid Frefel. Sie teilt ihren Lesern und Leserinnen – man könnte versucht sein zu sagen: natürlich – diesen Hintergrund der Ereignisse seit Februar nicht mit. Denn das würde ja die „Wut der Ägypter“ nicht so berechtigt erscheinen lassen. Sie unterschlägt vielmehr, dass Israel mit militärischen Interventionen der ägyptischen Armee auf dem Sinai einverstanden war. Sie schreibt nämlich: „’Ägyptische Militärinvasion in entmilitarisierte Zone’, titelten israelische Zeitungen erst vor einer Woche, als die ägyptische Armee eine grosse Operation auf dem Sinai lancierte, um gegen Schmuggler und islamistische Extremisten vorzugehen und dabei mehr Kräfte zum Einsatz kamen.“ Das klingt ohne Erwähnung des hier dargestellten Hintergrunds so, als ob in der israelischen Presse den Ägyptern ein Vorwurf gemacht worden wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Denn es bleibt tatsachentreu, wenn israelische Zeitungen von einer „entmilitarisierten Zone“ sprechen – im Einklang mit dem ägyptisch-israelischen Friedensvertrag. Demgegenüber hat Astrid Frefel sich der politischen Ziele mancher ägyptischen Strömungen heute verschrieben. Das wäre in Ordnung und für uns angesichts der Welt der Medienschaffenden in der Schweiz, die das Thema Nahost bedienen, nicht sehr überraschend. Nur:  Wenn sie denn wenigstens der journalistischen Wahrheitspflicht nachkäme. Frefels Herz ist mit denen, die in Nahost den Staat Israel nicht tolerieren. Ihr Kopf sollte, weil sie zu einer journalistischen Tugend, nämlich der Wahrheit verpflichtet ist, ihr sagen, dass man tatsachengemäss orientieren muss und nicht einfach Tatsachen unterschlagen sollte. Es kommt doch an den Tag. Und übrigens: Am Montag konnten wir lesen, dass die ägyptische Armee eine massive antiterroristische Aktion im Sinai gestartet hat.

Ekkehard W. Stegemann

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