Ein Symbol-Foto des bevorstehenden Elfmeterschiessens am Jaffa-Tor während der Weltmeisterschaft. Foto Facebook
Ein Symbol-Foto des bevorstehenden Elfmeterschiessens am Jaffa-Tor während der Weltmeisterschaft. Foto Facebook

Die Tore von Jerusalems Altstadt werden während der Fussball-Weltmeisterschaft (FIFA World Cup) zum Austragungsort des jüdisch-arabischen Elfmeterschiessens – und auf diese Weise die Jugend beider Seiten der Stadt zusammenbringen.

 

von Rebecca Stadlen Amir

In diesem Sommer, während der Fussball-Weltmeisterschaft in Russland, werden sich die historischen Stadttore Alt-Jerusalems in Fussballtore verwandeln und zu einem besonderen Fussballereignis Juden und Araber zusammenbringen.

Dabei werden, wie die Organisatoren ankündigen, rund 200 junge Fussballspieler aus Ost- und West-Jerusalem bei einem Elfmeterschiessen auf weltbekannte Torhüter treffen.

„Jeder liebt Fussball – egal, wer er ist und woher er kommt. Fussball verkörpert in vielerlei Hinsicht die Vision der bedeutenden Rolle von Kultur, Menschen zusammenzubringen“, sagt Zaki Djemal, einer der Gründer von Kulna Yerushalayim (der Name ist halb Arabisch, halb Hebräisch und bedeutet „Wir alle sind Jerusalem“) – die Non-Profit-Organisation, die das Elfmeterschiessen ausrichtet. „Unsere Kulturen überschneiden sich in vielen Bereichen. Anstatt sie getrennt zu feiern, können wir das auch gemeinsam tun.“

Das Elfmeterschiessen, das parallel zum World-Cup-Halbfinale am 10. und 11. Juli stattfinden soll, wird begleitet von Live-Musik, der Anwesenheit von Sportlegenden sowie einer Live-Übertragung des Halbfinales auf die Mauern der Altstadt.

Damit die Sache noch aufregender wird, wollen die Organisatoren einige berühmte Torhüter aus den besten Mannschaften der Welt einladen, gegen die jungen Torschützen anzutreten. Auch wenn bisher noch keine offiziellen Zusagen vorliegen, so Djemal, konzentriere man sich gegenwärtig darauf, Italiens Gionluigi Buffon, Deutschlands Oliver Kahn, Frankreichs Fabian Barthez, Spaniens Iker Casillas sowie Peter Schmeichel aus Dänemark für das Ereignis zu gewinnen.

„Wir könnten sie direkt ansprechen, wollen aber lieber einen Weg finden, der die Bemühungen um sie von der Basis kommen lässt“, sagt der 30-jährige Djemal; er ist auch Mitbegründer und Organisationspartner von fresh.fund, des ersten von Studenten aufgelegten Risikokapitalfonds in Israel.

Die Webseite von Kulna Yerushalayim ruft unter der Überschrift Goals and Gates – „Tore und Tore“ – Jerusalemer Bürger und Fussballfans zur Unterstützung der Bemühungen auf, die genannten Fussballstars für die Initiative zu gewinnen und sie nach Jerusalem zu holen.

Nur eine Woche, nachdem die Webseite online ging, so Djemal, hatte die Nachricht über das bevorstehende Ereignis durch die sozialen Medien und eine Erwähnung im italienischen Radio Europa bereits erreicht.

Djemal, der in London geboren wurde, in Jerusalem aufwuchs und in Harvard studierte, erklärte, sollte es nicht gelingen, einen der legendären Torhüter für die Teilnahme am Elfmeterschiessen zu gewinnen, werde es dennoch stattfinden.

„Wir haben eine Reihe von israelischen Torhütern, die ebenfalls interessiert sind, mitzumachen. Itzik Kornfein, einer der legendären Torwärter des Landes und heute zuständig für kommunale Sportveranstaltungen in Jerusalem, unterstützt unser Projekt und ist gern mit dabei“, sagt Djemal.

Schranken überwinden

Nicht zum ersten Mal versuchen Djemal und Kulna Yerushalayim mit kulturellen Aktivitäten Schranken zu überwinden.

Den Anfang machten die Organisatoren, indem sie Juden und Araber über die gemeinsame Liebe zu nahöstlichen Musik zusammenbrachten; anschliessend verlegten sie bei ihrem Projekt namens Jerusalem Double im Jahr 2016 den Schwerpunkt auf den Klassiker der nahöstlichen Brettspiele: Backgammon.

Das erste Backgammon-Turnier fand in Beit Hanina, einem arabischen Viertel in Ost-Jerusalem, mit 150 Teilnehmern statt. Im Verlauf eines Jahres brachten Veranstaltungen des Jerusalem Double gut 1000 Backgammon-Spieler und mehr als 4000 weitere Teilnehmer aus allen Teilen Jerusalems zusammen.

Jerusalem Doppelturnier auf dem Machane Yehuda Markt. Foto zVg

Inzwischen fanden Turniere in mehr als zwölf jüdischen und arabischen Jerusalemer Stadtteilen statt und ermöglichten Begegnungen von Nachbarschaften, die normalerweise getrennt nebeneinander existieren.

Die weitergehende Strategie besteht darin, erklärt Djemal, einen Wandel in Jerusalem herbeizuführen – insbesondere mit Blick auf eine gerechtere Verteilung kommunaler Ressourcen zwischen beiden Seiten der Stadt.

So unterstützte der frühere stellvertretende Bürgermeister Jerusalems, Ofer Berkovitch, der sich derzeit zur Wahl des neuen Bürgermeisters stellt, nachdem er ein Turnier des Jerusalem Double miterlebt hatte, die Organisation bei der Suche nach Lösungen für die Parkplatzprobleme in der Stadt während der muslimischen Gebetszeiten.

„Mit dem Backgammon bekamen wir einen Fuss in die Tür. Das war eine Einladung, sich mit dieser Art Zusammentreffen zu befassen – und von da aus können wir seither eine Reihe von Themen an die Oberfläche bringen und in breiten Gesellschaftsschichten eine echte allgemeine Veränderung beobachten“, erklärt Djemal.

Ein Ziel von Kulna Yerushalayim, so die Organisation, besteht darin, Begegnungen zwischen Jerusalemern aus verschiedenen Orten rund um die Altstadt zu fördern – dort, wo man sich bisher aus Angst oder Vorurteilen nicht besuchte.

Mit dem jüngsten Projekt, Goals and Gates, wird man auch die Stimmung testen und sehen, wie die gemeinsame Begeisterung für den Sport und die Weltmeisterschaft ein Gefühl der Verbundenheit, des Verstehens und gegenseitiger Empathie zwischen jüdischen und arabischen Jerusalemern erzeugen kann.

„Ich glaube, wenn wir Jerusalem begreifen, können wir auch die gesamte Region begreifen“, sagt Djemal.

Auf Englisch zuerst erschienen bei Israel21c.

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