Tahrir Square in Kairo. Foto David Evers from Amsterdam, Netherlands - Midan Tahrir, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10458148
Tahrir Square in Kairo. Foto David Evers from Amsterdam, Netherlands - Midan Tahrir, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10458148

Im Bestreben, Israel ähnlicher zu werden, fordern arabische Autoren ihre Länder dazu auf, das Rechtswesen auszugestalten und demokratische Regierungsformen zu entwickeln, Bürger nicht länger zu unterdrücken und in Bildung zu investieren.

 

von Benjamin Kerstein, The Algemeiner

In den vergangenen Monaten hat eine Reihe arabischer Kommentatoren versucht zu erklären, warum Israel der arabischen Welt politisch, wirtschaftlich und militärisch so weit voraus zu sein scheint.

Übersetzungen zufolge, die das Middle East Media Research Institute (MEMRI) letzte Woche veröffentlichte, war man sich allgemein einig darüber, dass Israels Demokratie dem Land seine Stärke verleiht. Besonders hervorgehoben wurden die Rechtsstaatlichkeit, die Bekämpfung der Korruption und die Bedeutung von Bildung.

Obwohl sich die Kommentatoren gelegentlich zu rassistischen Phrasen hinreissen liessen und Israel als „Apartheidstaat” beschimpften, erkannten sie dennoch an, dass es die arabischen Länder – anders als Israel – nicht schaffen, ihren grundlegenden Verpflichtungen gegenüber ihren Bürgern nachzukommen.

Israel investiert in Bildung

Reda Abd Al-Salam, früherer Gouverneur der ägyptischen Provinz Al-Sharqiya (Asch-Scharkia) und Dozent an der Mansoura Universität in Ägypten, stellte fest, dass „Araber und Muslime unter Regierungen leben, die seit Jahrzehnten nichts tun, um die Entwicklung ihrer Völker zu fördern und nichts unternommen haben, um sich wirtschaftlich, gesellschaftlich, wissenschaftlich oder demokratisch zu etablieren. Stattdessen haben sie lediglich ihre [eigene] Herrschaft aufgebaut”.

„Während dieser Zeit“, fährt er fort, „haben jene, die wir als ‚Söhne von Affen und Schweinen‘ bezeichnen [d.h. die Juden], sich mit echtem Aufbau beschäftigt. Sie legten ihren Schwerpunkt auf Bildung, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Technologie und natürlich auf den Demokratisierungsprozess. Oft genug haben wir davon gehört, dass ein Präsident oder Premierminister in Israel verhaftet wurde“.

„Welche Höhen haben die Söhne von Affen und Schweinen erklommen”, klagt er, „und in welchem Sumpf ist Ägypten, das grösste der arabischen Länder, versunken? … Stehen uns Bildung, ein Gesundheitswesen oder soziale Gerechtigkeit zur Verfügung?“

Wir brauchen vor allem Bildung, Bildung und noch mehr Bildung.

„Wenn wir nur damit aufhören könnten, uns selbst zu belügen“, bekundet Al-Salam.

Um zu Israel aufzuschliessen, beteuert er, „brauchen wir vor allem Bildung, Bildung und noch mehr Bildung”. Was Ägypten benötige, so sagte er, seien „Universitäten, die die Aufklärung lancieren und uns aus Ignoranz und Dunkelheit hinein ins Licht der Wissenschaft und gewerblichen Wirtschaft führen“.

Israel bekämpft die Korruption

Auch der jordanische Politiker Rahil Ghorayba äusserte sich zu diesem Problem. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen gegen Israels Premierminister Benjamin Netanyahu sagte Ghorayba: „Wird gegen einen Premierminister ermittelt, so ist das überall eine Erscheinungsform der Gerechtigkeit – selbst in einem feindlichen Land. So zeigt sich Stärke, nicht etwa Schwäche. … Die israelische Gesellschaft hat etwas, das den arabischen Gesellschaften fehlt. Es ist die Fähigkeit, auch Amtsträger und einflussreiche  Personen problemlos strafrechtlich verfolgen zu können, ohne dass dies ungewöhnlich oder eine Art Wunder wäre und ohne dadurch einen Eklat auszulösen“.

„In der jüngeren arabischen Geschichte”, fährt er fort, „gibt es kein [einziges] Verfahren, keine Ermittlung dieser Art gegen einen Anführer oder eine einflussreiche Person. Von daher kann man unumwunden sagen, dass dies im arabischen Stammland einen besonderen Schwachpunkt darstellt. Die arabische Gesellschaft wird keinen Aufschwung oder Fortschritt erleben, bis wir soweit sind, dass man auch bei uns Amtsträger strafrechtlich verfolgen kann, die staatliche und öffentliche Mittel völlig unkontrolliert veruntreut haben, für den Zusammenbruch der Wirtschaft verantwortlich sind und arabische Völker daran hindern, ihre Hoheitsgewalt über die eigenen Ressourcen und die Macht, diese zu schützen, wiederzuerlangen“.

Die unfehlbaren arabischen Herrscher

Der palästinensische Schriftsteller Suhail Kiwan verwies zudem auf die Stärke des israelischen Rechtssystems und bemerkte, es sei „die definitive Schlichtungsinstanz, da es – trotz aller Behauptungen und allem, was wir gegen das rassistische antiarabische zionistische Apartheidregime sagen – eine unabhängige Institution bleibt“.

„In der Tat”, führte er aus, „ist diese Regierung verbrecherisch, mörderisch und barbarisch gegenüber den Arabern.  Was jedoch die jüdischen Bürger betrifft, ist sie vortrefflich und kann überhaupt nicht mit jenen Regierungen verglichen werden, die Araber nur deshalb umbringen, weil sie Araber sind, Zivilisten den Interessen des Stammlandes zuliebe auslöschen und die Menschen und das Vaterland willkürlich unterdrücken“.

Das Ergebnis des arabischen Unvermögens, es Israel  in dieser Hinsicht gleichzutun, so Kiwan, ist unschön,  „denn es führt dazu, dass mein Volk in Armseligkeit versumpft. Es ist nicht etwa so, dass ich mich an Selbstgeisselung ergötzen würde, aber das ist die schmerzliche Wahrheit – die Israelis schaffen es besser als wir, die eigenen Angelegenheiten zu regeln und ihre Interessen zu erkennen“.

„Es gibt viel Korruption in Israel”, zeigte er auf, „aber zu den wichtigsten Gründen für Israels Kraft und Stärke gehört ein Rechtssystem, in dem die Bestechlichen zur Rechenschaft gezogen werden können. Es sind nicht die fortschrittliche Technologie, die hochentwickelten Fluggeräte, die beachtliche Armee oder die allgemeine Wehrpflicht für junge Männer und Frauen – es ist die inhärente Fähigkeit des Systems, Schwachstellen zu erkennen und zu korrigieren”.

Israel respektiert den Willen seiner Bürger

Der libanesische Schriftsteller Abd Al-Rahman Abd Al-Mulla Al-Salah betrachtete die Angelegenheit von einem allgemeineren Blickwinkel aus und kommentierte: „Israel ist krisenfest und trotz allem Rassismus eine Demokratie für die im Land lebenden Juden. Ob es uns gefällt oder nicht: Israel ist ein Land der Institutionen, des Rechts und einer Verfassung, in dem Machtübertragung [auf geordnete Weise] stattfindet“.

Die fehlende Demokratie in der arabischen Welt anprangernd, erklärte Al-Salah: „Seit Gründung des Staates [Israel] im Jahr 1948, wurde dort neunzehn mal gewählt, was sehr wichtig für die politische Entwicklung des Landes war … In der arabischen Welt hingegen sind Präsidentschafts- und Parlamentswahlen nur eine reine Formsache“.

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