Foto Jürg-Peter Hug, Zürich, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16038683
Foto Jürg-Peter Hug, Zürich, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16038683

Am Montag liess Benjamin Netanyahu buchstäblich eine Bombe platzen. Er widerlegte die Beteuerungen des Mullah-Regimes, wonach Iran nie nach Atomwaffen gestrebt habe. Die Zuhörer des Schweizer Radios erfahren davon nichts. Eine Lektion in Fake News für Fortgeschrittene.

 

Ein Kommentar von Florian Schwab

Die Nachricht lässt sich eigentlich in drei Sätzen ausdrücken: Den Israelis sind etwa 100 000 geheime Dokumente aus dem Iran in die Hände gefallen. Dieses Dossier offenbart zahlreiche Details aus einem iranischen Programm zur Herstellung von Atomwaffen. Bisher hatte Teheran Ambitionen auf die Atombombe stets verneint.

Niemand, der bei Trost ist, bezweifelt die Echtheit der Dokumente. Bei sämtlichen westlichen Geheimdiensten gilt es als ausgemachte Sache, dass Iran bis mindestens 2015 an Atomwaffen forschte. Wozu hätte man sonst in einem grossen diplomatischen Kraftakt den „Iran-Deal“ ausgehandelt, welcher das Land genau davon abbringen sollte? Dass die Mullahs formell ihr nukleares Waffenprogramm nicht eingestanden haben, ist genau eine der Schwächen des „Deals“.

Man kann über die Interpretation dieser Nachricht trefflich streiten: Wie dramatisch ist eine Enthüllung von etwas, das ohnehin alle wussten? Und was bedeuten die detaillierten Erkenntnisse für die Belastbarkeit des „Iran-Deals“?

Oder man kann, wie das Schweizer Radio in der News-Sendung „Rendez-vous“ vom 1. Mai, die Nachricht zuerst verdrehen, um sie dann von einem Parteigutachter vernebeln zu lassen.

Verdrehen: Die eigentliche News der über 100 000 Dokumente wird mit keinem Wort erwähnt. Der Hörer erfährt nicht, dass Iran der Lüge überführt wurde. Stattdessen wird er auf ein, wenn auch wichtiges, Nebengleis geführt: Hat Netanyahu Beweise dafür vorgelegt, dass es nach 2015 ein atomares Bewaffnungsprogramm gab? Das Problem dabei: Netanyahu behauptet in seiner Rede nicht, dass das Atomwaffenprogramm nach 2015 eins zu eins weitergegangen sei. Vielmehr legt er in wohlabgewogenen Worten dar, dass nach dem offiziellen Ende des Atomprojekts einzelne „Aktivitäten mit Bezug zur nuklearen Bewaffnung weitergegangen“ seien.

Eine Demonstration der Ghaqr-F-Rakete im Iran zum Jahrestag der islamischen Revolution – 11. Februar 2018. Foto Mohsen Ataei – http://www.farsnews.com/imgrep.php?nn=13961122001167, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=66417931

Vernebeln: Zur Nachricht wird der sogenannte Nahostexperte Udo Steinbach interviewt. Dabei wird dem Zuhörer verschwiegen, dass der Islamwissenschaftler Steinbach ein notorischer Israelhasser ist, der die Hamas nicht als Terrororganisation einstuft und der regelmässig in iranischen Radio Propaganda-Sendern auftritt.

Der SRF-Nachrichtensprecher spielt ihm sanfte Steilpässe zu: Warum präsentiert Israel jetzt diese Erkenntnisse, obwohl Donald Trump ja sowieso aus dem „Iran-Deal“ aussteigen will? Damit „Scharfmacher“ Netanyahu einen Krieg vom Zaun brechen kann, „darüber träumt er seit langem“. Nächste Frage: „Also Sie selber denken persönlich auch nicht, dass da etwas daran ist an diesen Beweisen?“ Er habe „seine Zweifel“ daran, dass Iran nach der Atombombe strebe, sagt Steinbach nur. Ein wacher Journalist hätte spätestens hier eingehakt: „Moment, die Dokumente zeigen ja schon, dass es sicher bis 2015 ein Atomwaffenprogramm gab!“

Das Schweizer Radio lässt den Mann ungehindert seine Propaganda weiter abspulen.

Bleibt die Frage: Sollten die Mullahs dereinst eine Atombombe zünden, dürfte Udo Steinbach dann im „Rendez-vous“ einen Freudentanz aufführen?

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