Bischof Atallah Hanna von der griechisch-orthodoxen Kirche. Foto al3omk
Bischof Atallah Hanna von der griechisch-orthodoxen Kirche. Foto al3omk

Am letztjährigen Heiligabend beschloss Ali Salem, der muslimische Bürgermeister von Nazareth, alle Weihnachtsveranstaltungen in der Stadt abzusagen. Den Feiertag selbst konnte er natürlich nicht verhindern, doch die Darbietungen wurden abgesagt, und die Hauptbühne in der Nähe der Basilika wurde abgebaut.

 

von Amit Barak

Der Bürgermeister erklärte, seine Entscheidung sei ein Protest gegen die Erklärung von Präsident Trump, Jerusalem als die Hauptstadt Israels anzuerkennen. Man kann aber annehmen, dass seine Entscheidung einen direkten Bezug zur Tatsache hat, dass in Israel dieses Jahr Kommunalwahlen stattfinden und dem Bürgermeister offensichtlich die Stimmen der muslimischen Mehrheit wichtiger sind als die der christlichen Minderheit.

Anders als früher sind die meisten Einwohner Nazareths heute Muslime, da viele Christen die Stadt verlassen haben und in die jüdischen Städte der Region gezogen sind,vor allem nach Nazareth Illit.

Die Entscheidung des Bürgermeisters, die Veranstaltungen abzusagen, stiess unter den Arabisch-sprachigen Christen Israels auf Ressentiment und Wut. Christen in ganz Israel protestierten.

Auf Druck Israels und im Zuge der internationalen Berichterstattung rückte der Bürgermeister von seiner Entscheidung ab, liess aber die Hauptbühne nicht an ihren symbolträchtigen Ort zurückbringen, sondern an einen anderen Platz in der Stadt.

Christliche Proteste gegen Trumps Erklärung

Der muslimische Bürgermeister von Nazareth war nicht der Einzige, der Schritte gegen die völlig gerechtfertigte Äusserung Trumps unternahm. Auch in der christlichen Gemeinschaft und unter den Kirchen und ihren Vertretern gibt es viele, die sich an solcher Politik beteiligen.

Als Reaktion auf Trumps Entscheidung haben 13 christliche Führer in Israel, darunter der armenische Patriarch Nourhan Manougian, der Patriarch der griechisch-orthodoxen Kirche, Theophilus III., die Erzbischöfe der koptischen, der aramäischen und der äthiopischen Kirche sowie der lateinische Patriarch der Stadt einen Brief unterzeichnet, in dem sie sich mit Trumps Erklärung nicht einverstanden zeigen.

Sie und andere, die den Brief unterschrieben haben, nahmen jedoch – nur wenige Tage nach der Unterzeichnung – an einem jährlichen Empfang zu Weihnachten und Neujahr teil, den der israelische Tourismusminister Yariv Levin organisierte und zu dem jedes Jahr alle Kirchen und christlichen Organisationen Israels eingeladen werden. Zwischen Weihnachten und Neujahr trafen die Kirchenführer traditionsgemäss zudem den israelischen Präsidenten Reuven Rivlin und mehrmals den Bürgermeister von Jerusalem. Die christlichen Führer im Nahen Osten weigerten sich unterdessen, den amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence zu treffen, als er Ende Januar die Region besuchte. Diese Weigerung gründete auf Angst und hat auch damit zu tun, dass die christlichen Führer im Nahen Osten – ausser in Israel – nirgendwo völlig unabhängig sind und politisch kapituliert haben.

Es ist klar, dass nicht alle Geistlichen und Führer von christlichen Organisationen in Israel den oben genannten Brief unterzeichnet haben. Viele von ihnen haben bei zahlreichen Anlässen öffentlich erklärt, dass sie die Entscheidung von Präsident Trump unterstützen. Dass viele Christen in Israel glücklich mit der Entscheidung waren und das auch kundtaten, weist auf die Gräben zwischen jenen Kirchenführern hin, die dem politischen Diktat der palästinensischen Autonomiebehörde nachgeben, und den israelischen Christen, die sich in Israel sicher und frei fühlen. Die Mehrheit unter den israelischen Arabisch sprechenden Christen betrachtet den Staat Israel als ihre Heimat und schämt sich auch nicht dafür. Sie hissen die israelische Flagge auch an christlichen Feiertagen, wie etwa bei der Feier katholischer Pfadfinder in der Basilika der Verkündigung in Nazareth wenige Tage vor Palmsonntag, oder bei diesem einzigartigen Heiratsantrag eines Arabisch sprechenden christlichen Paares – beide Soldaten – der während der offiziellen Proben für die Feier des 70. Unabhängigkeitstag des Staates Israel gemacht wurde.

Extremistische, anti-israelische christliche Minderheit

Es gibt unter den israelischen Christen eine extremistische Minderheit, die antiisraelische Aktivitäten fördert. Ihre prominentesten Aktivisten sind:

  • Die Führer des Rates der griechisch-orthodoxen Kirche in Nazareth (vom israelischen Staat finanziert).
  • Bischof Atallah Hanna von der griechisch-orthodoxen Kirche, ein Terrorismusunterstützer, der junge Christen dazu aufgerufen hat, sich der Hamas anzuschliessen und sich kürzlich mit Baschar al-Assad traf.
  • Pater Naim Ateek, ein anglikanischer Priester und Gründer der Organisation “Sabeel”, die PBT (Palästinensische Befreiungstheologie) und das “Kairos-Dokument” bewirbt. Sabeel und die PBT-Führer sind auch an der BDS-Boykottkampagne gegen Israel beteiligt.

Druck propalästinensischer Kräfte auf die Kirchen

Das Kairos-Palästina-Dokument ist eines von Sabeels grössten Projekten. Die Organisation half dabei, es im Weltkirchenrat (WCC) populär zu machen. Das Dokument ist nicht nur ein Aufruf zum Boykott israelischer Unternehmen, sondern weist Israel alle Schuld zu und bestreitet das Recht Israels, sich zu verteidigen. Palästinensische Anschläge auf israelische Zivilisten seien kein Terrorismus, der motiviert ist von dem Wunsch nach der Zerstörung Israels, sondern “rechtmässiger Widerstand”, der getrieben sei von dem Wunsch nach Befreiung von Unterdrückung. An dem Konflikt sei allein Israel schuld; die Palästinenser seien unschuldig. Israelis sind Sünder, Palästinenser begehen höchstens Fehler. Palästinensische Gewalt sei gerechtfertigt, israelische Selbstverteidigung nicht.

Das Kairos-Dokument wurde vom WCC und Sabeel als eine Erklärung “palästinensischer christlicher Führer” beworben, welches von den Kirchenführern in Jerusalem “unterstützt” wird.

Doch man muss sich die Reihenfolge der Entwicklung und die Unterzeichner anschauen. Zuerst die Unterzeichner der Erklärung am Anfang des Briefes des Kairos-Dokument. Die Deklaration der Kirchenführer wurde vier Tage nach der Veröffentlichung des Kairo’s Palestine-Dokuments herausgegeben. Der auf sie ausgeübte politische Druck veranlasste sie dazu, das folgende Statement abzugeben, das dem Dokument später hinzugefügt wurde.

“Wir, die Patriarchen und Führer der Kirchen in Jerusalem, hören den Schrei der Hoffnung, den unsere Kinder in diesen schwierigen Tagen, die wir im Heiligen Land durchlaufen, ausgestossen haben. Wir unterstützen sie und stehen ihnen in ihrem Glauben bei, in ihrer Hoffnung, ihrer Liebe und ihren Visionen für die Zukunft. Wir unterstützen auch den Aufruf an alle Gläubigen und die israelischen und palästinensischen Führer, die internationale Gemeinschaft und die Weltkirchen, die Bewegung hin zu Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung in diesem Heiligen Land zu beschleunigen. Wir bitten Gott, unsere Kinder zu segnen, indem sie mehr Kraft bekommen, effektiv zur Entwicklung ihrer Gemeinschaft beizutragen, während sie sie gleichzeitig zu einer Gemeinschaft der Liebe, des Vertrauens, der Gerechtigkeit und des Friedens machen.”

Es ist wichtig zu wissen, wer die Autoren des Dokuments und seine Unterzeichner waren:

  • Bischof Munib Younan von der evangelisch-lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land war zu dem Zeitpunkt der einzige der Unterzeichner, der tatsächlich an der Spitze einer Kirche stand; später zog er seine Unterschrift zurück.
  • Michel Sabbah, der ehemalige lateinische Patriarch von Jerusalem, eine bekannte propalästinensische Stimme
  • Erzbischof Atallah Hanna, der Terrorunterstützer
  • Pater Naim Ateek von Sabeel
  • der Lutheranerpfarrer Mitri Raheb (den einige Christen wegen seiner radikalen Ansichten den „Scheich“ nennen)

Dazu einige andere Kleriker und Aktivisten, die dieselbe politische Linie vertreten. Das Dokument repräsentiert also nicht die Ansichten der Kirchenführungen, sondern die seiner radikalen Autoren.

Wir sehen, dass die politische Stossrichtung vor allem von den propalästinensischen Kräften in den Kirchen und durch den von der palästinensischen Autonomiebehörde ausgeübten Druck vorgegeben wird. Zudem muss man wissen, dass die in Jerusalem ansässigen Kirchen auch über Kirchen und Klöster in den palästinensischen Autonomiegebieten, Gaza, Jordanien und anderswo im Nahen Osten verfügen und sich für die Sicherheit des dortigen Klerus und der Besitztümer verantwortlich fühlen – es ist darum nur natürlich, dass sie von Furcht getrieben sind.

Der grösste Druck kommt von den Vertretern der palästinensischen Autonomiebehörde, die die Christen für ihre Propaganda ausnutzen, während sie gleichzeitig vertuschen, wie sie selbst die christliche Bevölkerung misshandeln. Doch nicht nur die palästinensische Autonomiebehörde verbreitet solche Propaganda; auch Christen, die im Gebiet der PA leben, verbreiten sie über die sozialen Netzwerke.

Palästinensische Propaganda mit christlichen Symbolen

Nach den Ausschreitungen von Palästinensern in Gaza, die versuchten, die Grenze nach Israel zu überqueren und Sprengsätze auf Soldaten warfen, wurden an Karfreitag drei Bilder verbreitet. Eines zeigt einen palästinensischen Marodeur in Gaza, der getroffen wurde, das andere, daneben gestellte, ein Bild Jesu nach der Abnahme vom Kreuz. Ein weiteres Bild zeigt den gekreuzigten Jesus, darunter die arabische Bildunterschrift: “Heute wurde Jesus Christus gekreuzigt – Palästina komm wieder.”

Auf der anderen Seite gibt es etliche Christen aus Jerusalem und anderen Orten Israels, die sich gegen solche Propaganda wehren und sagen, dass sie den christlichen Glauben beleidige.

Rückgang der christlichen Bevölkerung unter der PA

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seitdem Israel in den Autonomiegebieten die Kontrolle an die palästinensische Autonomiebehörde übergeben hat, ist die Zahl der Christen stetig gesunken. In den 1970er Jahren machten Christen in Judäa und Samaria fünf Prozent der Bevölkerung aus, heute sind es nur noch zwei Prozent. Das beste Beispiel ist Bethlehem, der Geburtsort von Jesus und König David. 1950 waren dort 86 Prozent der Einwohner Christen, die Stadt war als eine christliche Stadt erkennbar. Heute sind nur noch zehn Prozent Christen, und der Trend geht immer weiter nach unten.

Im Gazastreifen ist die Situation sogar noch schlimmer. Von einst Tausenden Christen sind nur wenige Hundert übriggeblieben; sie werden verfolgt und leben unter ständiger Bedrohung. Sie haben zudem starke Einschränkungen hinzunehmen, was christliche Feiertage und die Religionsausübung im Allgemeinen betrifft. Sie sind praktisch rechtlos.

Die offenen und versteckten Bitten, Israel möge doch die christlichen Städte annektieren

Die Christen haben es kommen sehen. Gleich nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 wandten sich Hunderte angesehene Personen an die israelische Regierung und baten sie, die Stadt inklusive der Geburtskirche zu annektieren. Die israelische Regierung lehnte das aus demografischen Gründen ab. Einen weiteren Versuch gab es im Zuge der Osloer Abkommen 1995, als der damalige christliche Bürgermeister, Elias Freij, sich aus Sorge um die Zukunft der Christen in Bethlehem an den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak Rabin wandte und ihn bat, Israel möge sich nicht aus der Stadt zurückziehen. Rabin antwortete, dass er, Elias Freij, ihm diese Bitte offiziell und öffentlich unterbreiten möge, doch da er das ablehnte, zog sich Israel aus Bethlehem zurück und übergab die Kontrolle über die Stadt an die palästinensische Autonomiebehörde, die dann eine Situation schuf, unter der die Christen immer mehr zu leiden haben. Die Kirchenführer tragen eine unmittelbare Verantwortung für die Verschlechterung der Lage der Christen in der Stadt.

Christen versuchten dann noch einmal, soviel wie möglich von den palästinensischen Autonomiegebieten nach Israel zu verlagern. 2003 wurde der Sicherheitszaun zwischen Jerusalem und Bethlehem gebaut. Die Kirchenbesitztümer nahe des Zauns blieben auf der palästinensischen Seite, weshalb die Kirchenführer die israelischen Offiziellen kontaktierten und baten, dass der Verlauf des Zauns so geändert werden möge, dass ein möglichst grosser Teil des Kirchenbesitzes auf der israelischen Seite verbliebe. Der Staat Israel erwog das und verhandelte mit dem Vatikan, mit dem Ergebnis, dass der Verlauf des Zauns auf Bitten der Christen geändert wurde.

Solche Angelegenheiten werden üblicherweise hinter verschlossenen Türen geregelt, und wenn sie je öffentlich werden, dann erst nach Jahren, denn Israel fühlt sich für die Sicherheit der christlichen Priester verantwortlich.

Trotz dieser Tatsachen ist das Bild, das der Welt gezeigt wird, das genaue Gegenteil. Öffentliche Verlautbarungen, die die Kirchenoberen und anderen Führer der Christen in den palästinensischen Autonomiegebieten machen, sind oft gegen Israel gerichtet. Politische Erwägungen und Furcht sind die Hauptursachen dafür, dass die Realität verzerrt und Lügen zu Wahrheiten gemacht werden.

Was also sind die Gründe für die Angst und die Flucht der Christen? Repression und Verfolgung. Hier einige repräsentative Beispiele:

  • Juli 2015: Salafisten übernehmen das Kloster Beit Sahour bei Bethlehem.
  • September 2015: Das Kloster St. Charbel (Mar Charbel) in Wadi Ma’ali in Bethlehem wird niedergebrannt. Wie Bischof Moussa Al Haj berichtet, seien Muslime zwei Tage vor dem Brand in das Kloster eingebrochen und hätten Wertsachen gestohlen. Die palästinensische Autonomiebehörde behauptet wie üblich, ein Kurzschluss sei die Ursache des Feuers gewesen. Sobhi Makhoul vom maronitischen Patriarchat Jerusalem hingegen macht keinen Kurzschluss, sondern radikale muslimische Gruppen verantwortlich.

Viele Christen versuchen, ihren Besitz zu verkaufen, um dann in westliche Länder zu fliehen. Meist verkaufen sie ihn an Juden, und zwar über viele Mittelsmänner, weil die palästinensische Autonomiebehörde für solche Verkäufe die Todesstrafe eingeführt hat.

In der von Open Doors veröffentlichten Liste der 50 Länder, in denen Christen verfolgt werden, rangiert die PA auf Platz 36, aus gutem Grund. Israel übrigens steht nicht auf der Liste.

Während die palästinensische Autonomiebehörde die Christen unterdrückt, die Religions- und Meinungsfreiheit beschränkt, die Sicherheit der Christen unterminiert und sie für ihre Zwecke benutzt, ist die Lage in Israel eine ganz andere. Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilus III. versucht, seine eigenen Interessen zu wahren, die ihm von der palästinensischen Autonomiebehörde zugewiesene Rolle einzunehmen und in internationalen Foren ungerechtfertigter Weise auf Israel einzuschlagen.

Das offizielle Israel schweigt dazu und nimmt hin, dass er auf diese Weise Dampf ablässt. Das ist eben der Unterschied zwischen dem freien, jüdischen und demokratischen Staat Israel auf der einen Seite, der weiss, wie man mit Kräften zusammenlebt (mal besser, mal schlechter), die die Wahrheit verzerren, und der palästinensischen Autonomiebehörde auf der anderen, die, egal wieviel Geld Europa in sie steckt, korrupt bleibt und jeden terrorisiert, der nicht mit ihren Ansichten übereinstimmt. Das gilt vor allem für die christliche Minderheit, die sie – unter Zuhilfenahme von Lügen – langsam aber sicher aus ihren Gebieten auslöscht.

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