Palästinenser in Gaza versuchen, einen Teil des Grenzzauns mit Israel zu durchbrechen, 30. März 2018. Foto Screenshot Ateya Bahar/Youtube.
Palästinenser in Gaza versuchen, einen Teil des Grenzzauns mit Israel zu durchbrechen, 30. März 2018. Foto Screenshot Ateya Bahar/Youtube.

Drei Wochen nach Beginn der Massendemonstrationen entlang der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel, die im Zuge des sogenannten „Marschs der Rückkehr“ abgehalten werden, versucht die Hamas, Journalisten so einzuschüchtern, dass Wahrheit und Realität in ihrer Berichterstattung über die Geschehnisse verzerrt dargestellt werden.

 

von Bassam Tawil

Die Hamas – eine von mehreren palästinensischen Gruppen, die für die anti-israelischen Demonstrationen verantwortlich sind – will nicht, dass die Welt Bilder von Palästinensern sieht, die Steine, Brandbomben und Sprengladungen auf israelische Soldaten werfen. Die Hamas will nicht, dass Journalisten in ihren Berichten über die Demonstrationen Wörter wie „Kämpfe“ und „Konfrontationen“ verwenden. Die Hamas will nicht, dass Journalisten über die Tatsache berichten, dass einige der während des „Marschs der Rückkehr“ getöteten Demonstranten Mitglieder der bewaffneten Hamas-Gruppierung der Kassam-Brigaden waren.

Anders ausgedrückt: Die Hamas will, dass die Journalisten so berichten, als würden sie für ihre Propagandamaschine arbeiten. Jeder Journalist, der es wagt, die Schilderungen der Hamas infrage zu stellen, wird als „Verräter“ denunziert und bestraft.

Um sicherzustellen, dass sich die palästinensischen Journalisten an ihre Wünsche halten, gab die „Pressestelle“ der Hamas Anfang dieser Woche Richtlinien zur Berichterstattung über den „Marsch der Rückkehr“ für Reporter heraus.

Die erste Regel, deren Einhaltung die Hamas von den Journalisten fordert, lautet, dass sie sich nicht auf die Handlungen von Einzelpersonen konzentrieren sollen, die an den Demonstrationen teilnehmen.

Das bedeutet, dass ein Fotograf einfach wegsehen soll, wenn er einen palästinensischen Demonstranten bei einer Gewalttat wie dem Werfen eines Steins, einer Brandbombe oder einer Sprengladung beobachtet. Warum? Weil solche Bilder laut der Hamas ihre Behauptung widerlegen würden, dass es sich beim „Marsch der Rückkehr“ um einen „friedlichen und gewaltlosen Aufstand unbewaffneter Zivilisten“ handelt.

Keine Wörter wie „Kämpfe“ oder „Konfrontationen“

Laut ihrer „Pressestelle“ wies die Hamas zudem palästinensische Journalisten an, keine Wörter wie „Kämpfe“ oder „Konfrontationen“ mehr in ihrer Berichterstattung über die Demonstrationen zu verwenden. Diese Bezeichnungen, so argumentiert die Hamas, würden den Eindruck erwecken, dass die palästinensischen Demonstranten Gewalt anwendeten. Die Bilder und Videos von den Demonstrationen zeigen natürlich genau das.

Mehrere Videos zeigen sogar maskierte palästinensische Demonstranten, die versuchen, den Sicherheitszaun und Stacheldraht entlang der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel zu überwinden. Dies gehört zum Plan der Organisatoren des „Marschs der Rückkehr“, die Grenze zu infiltrieren und mit Hunderttausenden Palästinensern in Israel einzudringen.

Palästinensische Journalisten sollen laut der „Pressestelle“ der Hamas „die Geschehnisse an der Grenze zu Israel ‚als Angriff der Besatzungsarmee und ihrer Scharfschützen auf einen friedlichen und gewaltfreien zivilen Aufstand‘ darstellen“. Die Hamas will, dass die Journalisten nur eine Seite der Geschichte zeigen, indem sie sich allein auf Israels Reaktion auf die gewalttätigen Demonstrationen konzentrieren. Die Gewalt, die diese Reaktion auslöst, ist für die Hamas ein unzulässiges Beweismittel.

So, wie die Hamas ihr grausames Verhalten auf ihre eigene fiktionale Weise schildert, soll auch die Berichterstattung über den „Marsch der Rückkehr“ unter dem Motto stehen „Alles begann, als Israel zurückschoss“. Und das ist nichts Neues: Genau diese Taktik hat die Hamas auch schon während der früheren Kriege mit Israel eingesetzt. Die Hamas hat es Journalisten noch nie erlaubt, ihre Mitglieder beim Abfeuern von Raketen auf Israel zu zeigen. Journalisten durften nur über Vorkommnisse berichten, bei denen es um palästinensische Opfer aus den Angriffen des israelischen Militärs gegen Personen ging, die Raketen von Schulen oder bewohnten Gebieten im Gazastreifen abfeuerten.

Die „Pressestelle“ der Hamas warnte die palästinensischen Journalisten zudem davor, israelische Medien zu zitieren oder sich auf deren Berichterstattung über die Ereignisse im Gazastreifen zu verlassen. Das bedeutet, dass es den Journalisten nicht erlaubt ist, die palästinensische Öffentlichkeit über die israelische Sicht auf den „Marsch der Rückkehr“ und vor allem die gewalttätigen Angriffe auf israelische Soldaten zu informieren.

Was das betrifft, scheint der palästinensische Journalistenverband PJS – der von Hamas-Rivalen in der Fatah dominiert wird – vollkommen mit der Hamas übereinzustimmen. In einer in Ramallah veröffentlichten Stellungnahme beschuldigte der PJS israelische Journalisten, „mitschuldig an Verbrechen und Morden“ zu sein. Er behauptete zudem, dass israelische Journalisten Teil der Propagandamaschine des israelischen Militärs seien.

Eine solche Hetze gegen israelische Journalisten sollte mit grösster Ernsthaftigkeit zur Kenntnis genommen werden. Sie gefährdet das Leben der Reporter, die über palästinensische Belange berichten und oft in palästinensische Städte und Dörfer reisen.

Mit der Hetze der Hamas gegen israelische Journalisten war zu rechnen. Wenn die Aufwiegelungen jedoch von einer mit der Fatah verbundenen Institution aus dem Westjordanland stammen und von der treuen Anhängerschaft von Präsident Mahmoud Abbas gesteuert werden, sollte es einem zu denken geben. Ist die Fatah nicht eigentlich die „moderate“ Palästinenserfraktion, die angeblich an die Zwei-Staaten-Lösung und einen Frieden mit Israel glaubt? Ist Mahmoud Abbas nicht eigentlich der „moderate“ und „pragmatische“ Palästinenserführer, mit dem Israel Frieden schliessen soll? Erhalten die Fatah und Abbas nicht wegen ihrer vermeintlichen Unterstützung eines Friedensprozesses mit Israel finanzielle Hilfen von den USA und der EU? Warum sollten die Amerikaner und Europäer eine palästinensische Gruppierung unterstützen, deren Journalisten offen gegen ihre israelischen Kollegen hetzen?

Durch ihre Hetze versuchen die Fatah und die Hamas, nicht nur palästinensische Journalisten einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen, sondern auch ihre israelischen Kollegen. So sollen die israelischen Journalisten gezwungen werden, sich der Berichterstattung der Hamas und der Fatah zu unterwerfen und ihr zuzustimmen – nicht nur in Bezug auf den „Marsch der Rückkehr“, sondern auch auf die gesamte palästinensische Sache. Internationale Menschenrechtsorganisationen und Vertreter der freien Medien auf der ganzen Welt sind sich offenbar mit der Hamas und der Fatah einig und scheinen sich nicht an den lebensbedrohlichen Angriffen auf israelische Journalisten zu stören.

Zum Abschluss wies die „Pressestelle“ der Hamas die palästinensischen Journalisten an, die Berichte über die Palästinenser, die während der Massendemonstrationen getötet oder verletzt wurden, besonders „menschlich“ darzustellen. Die Journalisten sollen die „zahlreichen persönlichen und sozialen Seiten“ der palästinensischen Opfer hervorheben. Im Klartext: Wenn das „Opfer“ ein Hamas-Terrorist ist, sollen die Journalisten diese Information unter den Tisch fallen lassen und stattdessen darüber berichten, dass er als Ehemann, Vater und Gemeindemitglied geliebt wurde.

Auch das gehört wieder zu den Versuchen der Hamas, die Welt zu belügen und die während der Aufstände getöteten und verletzten Palästinenser als unbewaffnete, unschuldige Zivilisten darzustellen. Die Wahrheit ist jedoch, dass die Hamas Hunderte ihrer Milizsoldaten ausgesandt hat, um als Zivilisten getarnt an den Demonstrationen teilzunehmen.

Da die palästinensischen Journalisten, die über den „Marsch der Rückkehr“ berichten, die neuen Anweisungen der Hamas wohl kaum missachten werden, wird dies auch die Berichterstattung der internationalen Medien beeinflussen. Die meisten internationalen Medienkanäle und Korrespondenten beschäftigen palästinensische Produzenten, Übersetzer und Korrekturleser, die sie bei der Berichterstattung über palästinensische Themen unterstützen.

„Journalisten betrachten sich selbst als Fußsoldaten der Revolution“

Ein palästinensischer Journalist, der Angst davor hat, sich den Anweisungen der Hamas zu widersetzen, wird seinen Auftraggebern nicht alles erzählen, was er sieht und hört. Einige palästinensische Journalisten werden auch aus freien Stücken so vorgehen, und nicht aus Angst vor der Hamas oder einer anderen Palästinensergruppierung. Diese Journalisten betrachten sich selbst als Fusssoldaten der „Revolution“ und sind davon überzeugt, dass ihre Loyalität in erster Linie ihrem Volk und ihrer Sache gelten sollte. Und die Wahrheit? Nun, ehrlich währt am längsten.

Der „Marsch der Rückkehr“ soll bis zum 15. Mai andauern, dem Tag der israelischen Unabhängigkeit im gregorianischen Kalender. In den kommenden Wochen sind weitere Proteste entlang der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel geplant. Die Palästinenser sagen, das wahre Ziel der Proteste sei die Durchsetzung des „Rechts auf Rückkehr“, durch das sie alle zurückkehren würden nach „ganz Palästina, vom Mittelmeer bis zum Jordan“.

Die geplanten Demonstrationen werden denen entsprechen, die während der vergangenen drei Wochen stattfanden. Auch bei diesen Demonstrationen werden Palästinenser Steine, Brandbomben und Sprengladungen auf israelische Soldaten werfen. Und auch bei diesen Demonstrationen werden Palästinenser in ihren Sprechchören zur Vernichtung Israels aufrufen, und in Zivil gekleidete Hamas-Terroristen werden an den „friedlichen“ Demonstrationen teilnehmen.

Angesichts der Bedrohungen durch die Hamas und die Fatah stellt sich die Frage: Werden wir etwas davon sehen, oder geht die Vertuschung weiter? Und werden sich die internationalen Medien als Plattform für die Verbreitung der Lügen der Hamas benutzen lassen? Die „Pressestelle“ der Hamas macht ihrerseits Überstunden, um die hungrigen Wölfe in Schafspelze zu stecken.

Bassam Tawil lebt als Wissenschaftler und Journalist im Nahen Osten. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute.

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