Wenn man wissen will, warum der immer wieder beschworene idyllische Zustand, in dem ein jüdischer und ein arabischer Staat im Land zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer „Seite an Seite in Frieden leben“ sich partout nicht einstellen mag, muss man die Verlautbarungen lesen und hören, die die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) Tag für Tag von sich gibt.

 

Zwar macht schon die Existenz der Hamas, einer genozidalen Terrororganisation, die Gründung eines friedlichen, demokratischen und prosperierenden arabisch-palästinensischen Staates völlig unmöglich, doch von der PA, die der Westen mit Milliarden an Subventionen unterstützt, hatten sich manche anderes versprochen, als die von PA-Präsident Mahmud Abbas in Aussicht gestellte „Kultur des Friedens“.

Diese Kultur besteht nicht nur darin, dass Terroristen für Mord an Juden belohnt und Schulkinder zu zukünftigen Mördern erzogen werden, nicht nur in Aufrufen zum Dschihad gegen Juden, die „mit allen Mitteln“ davon „abgehalten“ werden müssten, „mit ihren schmutzigen Füssen“ „unsere heiligen Stätten zu beschmutzen“ – allein im Dezember zeigte das Fernsehen der PA diese berüchtigte Hetzrede von PA-Präsident Mahmud Abbas 41-mal;

Tag für Tag verbreitet die Palästinensische Autonomiebehörde über ihre Medien, dass die Juden durch und durch böse seien, keinerlei Geschichte im historischen Palästina hätten und keinerlei Recht auf irgendeinen Teil des Landes; dass sie nur gekommen seien, um die Al-Aksa-Moschee zu zerstören – im Kampf gegen sie sei „jeder vergossene Tropfen Blut“ „willkommen“.

Abbas’ Kampf gegen Israel beruht auf Lügen und Fälschung. Manchmal sind es Fälschungen im Detail – etwa, wenn Schulbücher der PA zeigen eine Briefmarke aus der Zeit des britischen Palästinamandats zeigen und die hebräische Inschrift wegretuschieren. Andere Fälschungen sind so gross, dass es einem die Sprache verschlägt. Das gilt etwa für zwei Geschichtslügen, die die PA diesen Monat verbreitet hat und die von Palestinian Media Watch ins Englische übersetzt wurden.

Palästinensische Autonomiebehörde stellt Holocaust-Opfer auf Foto als ‚von Juden getötete Araber‘ dar

Das palästinensische Fernsehen hat die auf einem Foto abgebildeten Opfer aus Konzentrationslagern fälschlicherweise als Araber dargestellt und erhob den absurden Vorwurf, Juden hätten Araber in Öfen verbrannt. Nur wenige Tage vor dem israelischen Holocaust-Gedenktag zeigte die Palästinensische Autonomiebehörde über ihr TV-Netzwerk ein Foto von Opfern eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers und behauptete, bei den Opfern handele es sich um Araber, die von Juden getötet worden seien. Der Fernsehsender der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA TV) veränderte das Foto, auf dem Hunderte Leichname im Nazi-Konzentrationslager Nordhausen – einem Aussenlager von Buchenwald – zu sehen sind, und bezeichnete die Opfer als am 9. April 1948 in der arabischen Ortschaft Deir Yassin „von Juden getötete Araber“. Zu diesem Zweck löschte PA TV die gestreifte Häftlingskleidung der Konzentrationslager und die abgebildeten amerikanischen Soldaten aus dem Originalfoto.

Foto Palestinian Media Watch
Foto Palestinian Media Watch

Anschliessend stellte das TV-Netzwerk die absurde Behauptung auf, dass jüdische Kämpfer 1948 Araber in Öfen gesteckt hätten: „[Die Juden] verbrannten die Frauen und Kinder in den Öfen des Dorfes.“

Ausserdem zeigte der Sender ein Foto von dem 1982 von christlich-libanesischen Milizen verübten Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern von Sabra und Shatila und behauptete, Juden hätten dieses Verbrechen 1948 verübt. All das verbreitete die PA an Israels jährlichem Holocaust-Gedächtnistag. In der gleichen Woche, in der sich Israelis versammeln, um ihre Familienmitglieder zu betrauern, die während des Nazi-Genozids auf grausame Weise getötet wurden, präsentierte die Palästinensische Autonomiebehörde eben jene Opfer als fingierte Beweisstücke für Ereignisse, die es nie gab.

PA: Israel ein „Projekt angelsächsischer Besitzer“

Eine weitere andere Geschichtsfälschung, auf die PMW aufmerksam macht, macht aus Israel eine „Rache“ der „Kreuzritter“, ein „Projekt angelsächsischer Besitzer“ und ein „satanisches Gewächs“. So stand es in einem Kommentar in der offiziellen Tageszeitung der PA,  Al-Hayat Al-Jadida, der am 5. April erschien. Darin heisst es unter anderem:

„Der Eigentümer des Projekts Israel ist der Westen, der gesamte kapitalistische Westen, und die Tatsache, dass es unter den kapitalistischen Kräften Meinungsverschiedenheiten und sogar Kritik gibt … bedeutet keineswegs, dass es Streit darum gäbe, dass Israel – das kolonialistische satanische Gewächs in der Region, das auf den Trümmern der Nakba des palästinensischen Volkes gesetzt wurde – samt allen monetären, finanziellen, sicherheitstechnischen und logistischen Bedürfnissen zu schützen und zu verewigen sei.“

Dafür, dass der Westen angeblich Israel gegründet habe (in Wahrheit haben 1947 auch die Sowjetunion, der Ostblock und viele Länder Lateinamerikas, Afrikas und Asiens die Teilung des britischen Mandatsgebiets und damit die Gründung eines jüdischen Staates in der UNO unterstützt), führt der Autor mehrere Gründe an:

  • Der „Westen“ habe das „Problem des jüdischen Ghettos loswerden“ wollen. – In Wahrheit gab es vor dem Zweiten Weltkrieg keine jüdischen Ghettos mehr in Europa. Sie wurden im 19. Jahrhundert abgeschafft und erst von den Nationalsozialisten in den eroberten Gebieten im Osten wiedereingeführt, als Durchgangsstationen in die Vernichtungslager.
  • „Finanziell-monetäre Gründe“: Welche das gewesen sein sollen, wird nicht erklärt.
  • „Die weltweiten Ziele des Kapitalismus und Pläne, die Kontrolle über die Ressourcen der arabischen Völker zu übernehmen“: Welche Rolle der winzige Staat Israel dabei spielen soll, wird nicht erläutert.
  • „Die Einheit und Macht der arabischen Parteien spalten, um Rache an den Arabern, den Pionieren der islamisch-arabischen Kultur, zu nehmen für die Niederlage, die sie den Kreuzrittern zugefügt haben …“. Hier wird der ganze Wahnsinn sichtbar, von dem die Palästinensische Autonomiebehörde besessen ist. Die Ironie dieses „Arguments“ ist, dass der gemeinsame Hass auf Israel seit 1948 meist das Einzige war, was die arabischen Parteien und Staaten geeint hat – und der einzige Grund, warum Ramallah heute die Hauptstadt der Palästinensischen Autonomiegebiete ist und nicht bloss irgendein von Jordanien annektiertes Dorf.

Doch Israel, beruhigt der Autor seine Leser, sei nur „zeitweilig“: „Das zionistische Projekt ist in den Augen seiner angelsächsischen Besitzer ein zeitweiliges Projekt, und egal, wie lange es währt, wird es zum Ende kommen, sobald der Westen mit all seinen kapitalistischen Komponenten das Gefühl bekommt, dass es zu einer Last geworden ist.“ Dies werde auch deshalb geschehen, weil „das zionistische Projekt ein Projekt ist, das das Leben ablehnt“. 

PA ermuntert zum Krieg, nicht zum Frieden

In beiden hier genannten Beispielen wird der Staat Israel als das absolut Böse dargestellt, das es zu vernichten gelte; im einen Fall werden ausgerechnet die Juden in die Nähe derer gerückt, die den Holocaust verübt haben, wobei die Lüge mit einem absichtlich gefälschten Foto operiert und bis zum Vorwurf reicht, Israel habe Menschen in „Öfen“ verbrannt. Im anderen Fall werden die Juden als eine Hinterlassenschaft von Kolonialisten und Kreuzrittern dargestellt, von der das vermeintlich arabische Land befreit werden müsse. Die Identifikation Israels mit dem Bösen geht dabei bis zur Bezeichnung des jüdischen Staates als „satanisches Gewächs“. Solche Worte haben Folgen; sie hetzen unmittelbar zu Mordanschlägen auf, und sie machen Frieden auf lange Sicht unmöglich, weil selbst dann, wenn die Hetze heute gestoppt würde, es Generationen bräuchte, bis die Lügen aus den Köpfen verschwunden sind.

„Was Europäer und Amerikaner nicht zur Kenntnis nehmen“, so der arabisch-israelische Journalist Kkaled Abu Toameh, „ist, dass politische Führer, um Frieden zu schliessen, ihr Volk auf Kompromisse und Toleranz vorbereiten müssen. Tatsächlich ist es untertrieben zu sagen, die palästinensischen Führer hätten es versäumt, ihr Volk auf Frieden mit Israel einzustellen. Die Wahrheit ist, dass die palästinensische Führung ihr Volk seit langem gegen Israel aufgehetzt hat, bis zu einem Punkt, wo es fast unmöglich geworden ist, über irgendeine Art von Kompromiss zwischen Israelis und Palästinensern zu reden.“

So ist es. Zur Erinnerung: Im zweiten Osloer Abkommen von 1995 hatte sich die Palästinensische Autonomiebehörde verpflichtet, „effizient und effektiv gegen Akte des Terrorismus, der Gewalt und der Hetze“ vorzugehen.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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