Da Architekten und Bauunternehmer die Verwendung umweltfreundlicher Materialien und Verfahren lernen, wird ökologisches Bauen in Israel immer beliebter.

 

von Abigail Klein Leichman

Anlässlich einer Konferenz für natürliches Bauen im März diesen Jahres in Prag wird der israelische Öko-Konstrukteur und Berater Nitzan Iserovitch berichten, wie seine Back to Earth Community Menschen weltweit – darunter auch Erdbebenopfern in Nepal – beibringt, mit gestampfter Erde und anderen lokalen Naturmaterialien kostengünstige, komfortable und langlebige Häuser zu bauen.

Wenn er nicht rund um den Globus reist, verzeichnet Iserovitch ein zunehmendes Interesse für die Naturputz- und Erdbau-Workshops von Back to Earth bei Israelis (oder gar ganzen Gemeinschaften), die den Bau eines Eigenheims unter Verwendung „grüner“ Verfahren und Materialien planen.

„Ich mache das jetzt seit zehn Jahren und ich kann sehen, dass die Nachfrage jedes Jahr zunimmt“, sagt Iserovitch.

Diese kleine, jedoch wachsende Nachfrage wird von den gleichen Gedanken angetrieben, die auch den israelischen Trend zum Vegetarismus und Veganismus motivieren, erklärt Sivan Soffer von Bottz, einem Unternehmen für natürliche Baumaterialien in Nordisrael.

„Die Menschen wollen mehr natürliche Stoffe in ihrem Körper, der Atemluft und sogar in den Gebäuden, in denen sie leben“, berichtet Soffer.

Nitzan Iserovitch von der Back to Earth Community, links, lehrt nepalesische Frauen, eine "Stampferde"-Verschalung zu bauen. Foto Facebook.
Nitzan Iserovitch von der Back to Earth Community, links, lehrt nepalesische Frauen, eine „Stampferde“-Verschalung zu bauen. Foto Facebook.

Bottz ist hebräisch für „Lehm“ – zusammen mit Stroh ein traditionelles natürliches Dämmmaterial. Zukunftsorientierte Gemeinschaften wie die Kibbuzim Lotan und Neot Semadar in der Negev-Wüste bauen schon lange ihre Häuser aus diesen Materialien.

Während die Öko-Bauweise zunehmend Einzug in die Vorstädte hält, ist das beliebteste Naturprodukt zur Isolierung Hanfbeton (Hempcrete), ein witterungsbeständiges Biomaterial-Komposit aus pulverisiertem Kalk und Hanfschäben – dem holzartigen Inneren des Hanfstängels.

Aufgrund der natürlichen Eigenschaften von Hanf und der speziellen Verarbeitung für die Verwendung im Bau verbrauchen Häuser aus Hempcrete weniger Energie beim Bauen, sie verursachen weniger Abfall und brauchen im Vergleich zu herkömmlichen Häusern aus Beton weniger Brennstoff.

Nir und Dea Ben-Yaacov führen ein Home Business, in dem sie Kleidung entwerfen, die sie dann in einem Fair-Trade-Handwerksbetrieb in Indonesien fertigen lassen. Beim Bau ihres Öko-Hauses in einem Waldstück bei Galiläa arbeiteten sie mit den Profis von Bottz zusammen.

Die Fussböden und Decken des im vergangenen Juli fertiggestellten Hauses sind aus Holz gefertigt, die Aussenwände sind mit Kalkputz und die Innenwände mit Lehmputz versehen. Geheizt wird mit einem Kaminofen und die Dämmung der Aussenfassaden besteht aus Hempcrete.

„Wir hatten entschieden, wenn wir ein Haus bauen, dann soll der damit verbundene [ökologische] Fussabdruck so gering wie möglich sein“, erklärt Dea Ben-Yaacov. „Wir bauten ein Holzständerwerk, das wir dann in einer Stärke von 32 cm mit Hempcrete auffüllten. Die Dämmung ist beeindruckend! Im Sommer kommen wir ohne Klimaanlage aus und im Winter ist es schön warm.“

Cannabis-Haus

Hempcrete war die Inspiration für den Spitznamen des „Cannabis-Hauses“ im Karmelgebirge, das den israelischen Architektur- und Design-Preis 2017 für die Öko-Architekten der in Haifa ansässigen Tav Group gewann.

Steine und Erde aus der Region, Holz aus nachhaltigem Anbau, ein Brauchwassersystem, Solarpaneele und ein Regenwasser-Sammelsystem auf dem Dach, Komposttoiletten sowie Passivheizung und -kühlung – einschliesslich eines Innenhofs, der als Windkamin fungiert – tragen ebenfalls zu dem minimalen ökologischen Fussabdruck des Hauses bei.

Tav hat in jüngerer Zeit drei umweltfreundliche Einfamilienhäuser auf einem Hügel in der im Norden Israels gelegenen ländlichen Ortschaft Yodfat entworfen und entwirft aktuell ein weiteres in der Negev-Wüste – allesamt für Angehörige einer Grossfamilie. Sie alle enthalten Hohlblocksteine aus lokal abgebautem Bims, Verputz auf Kalkbasis sowie Kalkstein-Pflastersteine.

Das "Cannabishaus" hat einen kleinen ökologischen Fussabdruck. Foto Yaeli Gabriely mit freundlicher Genehmigung der Tav Group.
Das „Cannabishaus“ hat einen kleinen ökologischen Fussabdruck. Foto Yaeli Gabriely mit freundlicher Genehmigung der Tav Group.

Maoz Alon, Partner der Tav Group, beschrieb das erste Haus in Yodfat als „fragmentiert in bescheiden dimensionierte Einheiten, die sich mühelos an die Berghänge schmiegen, ähnlich einer Herde Schafe, die den Berg hinabsteigt, in ihrer Mitte einen Innenhof umrahmend. Obwohl es hoch genug ist, um einen Panoramablick über die atemberaubende Landschaft zu bieten, bleibt die Gesamtsilhouette niedrig und fügt sich harmonisch in die Schönheit der umliegenden Naturlandschaft ein.“

„Jedes Öko-Haus ist an die Bedürfnisse seiner Bewohner und an die umliegende geographische und soziale Umgebung angepasst“, erklärt Amir Erez, Partner der Tav Group. „Ein Haus auf einem Hügel unterscheidet sich von einem, das am Fusse eines Hügels gebaut wird und erst recht von einem Haus in der Wüste, bei dem wir die Wirkung von Sonne, Wind und Staub berücksichtigen müssen.“

Die in Tel Aviv ansässigen Golany Architects entwarfen ein Haus in Galiläa mit vertikalen Schiebeläden aus Holz, die zwar Licht einlassen, die intensive Sonnenbestrahlung im Sommer jedoch ablenken. Die Läden, die Holzbalken an den Decken und die Gehwegplatten aus Naturstein wurden bewusst in Farbtönen gewählt, die mit den umliegenden Oliven- und Johannisbrothainen harmonieren.

Nicht mehr nur für Hippies

Eine der ursprünglichen Gründerinnen von Bottz, Dana Dweck-Sadeh, leitet heute ein gleichnamiges Architekturbüro, das seinen Hauptsitz im selbstgebauten Öko-Haus auf den Golanhöhen hat, in dem sie und ihre Familie gleichzeitig auch wohnen.

Dweck-Sadeh erklärt, dass immer mehr israelische Hauseigentümer bereit sind, in Naturmaterialien und natürliche Bauverfahren zu investieren, da das daraus resultierende Haus weniger Energie verbraucht und ihnen sowohl in praktischer als auch in ästhetischer Hinsicht entgegenkommt.

Ein Öko-Haus kostet aufgrund der Materialpreise und speziellen Arbeitsverfahren mindestens zehn Prozent mehr als ein in konventioneller Bauweise errichtetes Haus. Dennoch stellt Dweck-Sadeh fest, dass diese Art des Bauens zusehends erschwinglicher wird, sowohl was den Preis angeht als auch die Verfügbarkeit.

Die Küche eines Öko-Hauses der Tav-Group. Foto: Yaeli Gabriely.
Die Küche eines Öko-Hauses der Tav-Group. Foto: Yaeli Gabriely.

„Als wir vor zwölf Jahren unser Unternehmen starteten, war das Ganze eher etwas für Hippie-Typen, die sich ihr eigenes Haus bauen wollten“, berichtet Dweck-Sadeh. „Heute stehen uns Hempcrete-Bausteine zur Verfügung, die es möglich machen, eine professionelle Fremdfirma anzustellen, die keinerlei Vorerfahrung [mit Hempcrete] hat. Dies wird den Preis deutlich senken, während gleichzeitig alle Vorteile erhalten bleiben.“

„Viele Materialien, die heute als Alternativen betrachtet werden, wie etwa Hempcrete, wären nicht teuer, wenn ihre Verwendung erst einmal auf breiter Ebene erfolgt“, fügt Erez hinzu. „Einer der Gründe, warum ökologisch gebaute Häuser mehr kosten, ist, dass nicht genug davon gebaut werden.“

Öko-Gemeinschaften könnten eine Antwort auf dieses Dilemma sein.

Isaac Meir, Professor an der Ben-Gurion-Universität und Pionier in Sachen grüner Bauinitiativen in Israel, ist an einem europäischen Projekt beteiligt, das sich zum Ziel gesetzt hat, Netto-Nullenergie-Gemeinschaften zu entwerfen, in denen die Gebäude erneuerbare Energietechnologien integrieren, um ihren Energieverbrauch auszugleichen. Die neue Netto-Nullenergie-Vorschule der israelischen Stadt Hadera könnte ein Modell für solche Gemeinschaften sein.

Wenngleich der ökologische Bausektor Israels bislang noch klein ist, sagen Branchenkenner, er sei dennoch sehr fortschrittlich.

„Wir verfügen über ein ausserordentliches Wissen und eine sehr hohe Arbeitsqualität“, sagt Iserovitch, dessen nächstes Projekt eine Privatschule in Griechenland ist. „In der ganzen Welt konzentrieren sich Menschen darauf, in einer bestimmten Sache, wie z. B. im Bauen mit Stroh, eine Expertise zu erwerben. Die Israelis müssen lernen, alles tun zu können, denn der Markt verlangt dies.“

Auf Englisch zuerst erschienen bei Israel21c.

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